Debatte über Gedenkstätte

Stuttgart.  Das Hotel Silber bleibt erhalten. Das ist längst beschlossene Sache. Doch wie das Gebäude, in dem sich einst die Gestapo-Zentrale befand, zum Lern- und Gedenkort umgestaltet werden kann, ist weiter offen.

Die Landesregierung plant einen runden Tisch zur Konzeption der Gedenkstätte im einstigen Gestapo-Sitz. Erste Vorgespräche finden in dieser Woche statt.

"Wir sind sehr stolz darauf, den Abriss verhindert zu haben", sagte Elke Banabak, Sprecherin der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber, bei einer Informationsveranstaltung im Treffpunkt Rotebühlplatz. Drei Jahre habe man für den Erhalt gekämpft. Doch damit haben die 23 in der Initiative zusammengeschlossenen Organisationen ihr Ziel noch nicht erreicht, verdeutlichte Harald Stingele. "Die Gründung des Lern- und Gedenkortes soll nicht auf die lange Bank geschoben werden." Seit Monaten warte die Initiative auf ein Aufbruchsignal seitens des Landes und der Stadt Stuttgart - bereits im Herbst hatte sie ihre Eckpunkte für eine Gedenkstätte vorgestellt. Sie fordern, in die konzeptionelle Arbeit einbezogen zu werden. "Wir wollen mitbestimmen und mitgestalten", betonte Stingele einmal mehr.

Die lokalen und überregionalen Organisationen hätten in der Vergangenheit vielfältige Erinnerungsarbeit geleistet, die Hobby-Historiker sich intensiv mit dem Gesehen im Dritten Reich auseinandergesetzt - eine Aufgabe, die Stuttgart vernachlässigt habe. Allein die hiesigen Stolpersteininitiativen haben an die 700 Biografien von Verfolgten des Naziregimes zusammengetragen. Ob Juden oder Behinderte, ob Homosexuelle oder Andersdenkende - ihr Schicksal, so das Ergebnis der ehrenamtlichen Forschung, ist eng mit dem Hotel Silber verbunden. Dort hatte die Gestapo-Leitstelle während der NS-Zeit ihre terroristischen Aktivitäten in Stuttgart und Württemberg-Hohenzollern organisiert und in praktisch alle Bereiche der Gesellschaft eingegriffen.

Allen Umbauten in der Nachkriegszeit zum Trotz sei dies ein authentischer Ort - deshalb sei der Erhalt des Gebäudes so wichtig für die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. "Und zwar nicht als museale Einrichtung, sondern als lebendiges Zentrum", so Barnabak.

Derzeit wird hinter den Kulissen gerungen, welche Größenordnung das Haus haben soll, wer wie viel bezahlt und wer für die Konzeption verantwortlich sein soll. Inhaltlich ist bisher wenig geschehen, außer dass das Haus der Geschichte einen Historiker abgestellt hat, der die Geschichte des Hauses und der Gestapo-Zentrale wissenschaftlich aufarbeiten soll. Unterschiedliche Auffassungen gibt es weiterhin darüber, wer die Trägerschaft übernehmen soll. Oberbürgermeister Wolfgang Schuster ist bislang der Auffassung, die künftige Gedenkstätte sei Sache des Landes. Doch eine Gemeinderatsmehrheit hat ihm bei den Haushaltsberatungen immerhin 20 000 Euro Planungsmittel abgetrotzt - und immer mehr Stadträte fordern, dass sich die Stadt stärker finanziell engagiert. Bei den anstehenden Gesprächen soll auch über eine mögliche Kooperation beim Betrieb der Gedenkstätte gesprochen werden.


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Autor: ELKE HAUPTMANN | 08.02.2012

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