Das Wilhelmspalais steht lange Zeit leer

Stuttgart.  Tristesse Royale am Charlottenplatz: Seit die Stadtbücherei in den Neubau umgezogen ist, steht das altehrwürdige Wilhelmspalais leer. Und das wird - von Ausstellungen abgesehen - eine Weile so bleiben.

Erst in gut zwei Jahren kann im Inneren des Wilhelmspalais für knapp 32 Millionen Euro mit dem Umbau zum neuen Stadtmuseum begonnen werden. Bis dahin wird das Gebäude interimsweise für Ausstellungen genutzt.

Dabei hätte alles so einfach sein können. Schon seit langem will die Stadt ihre eigene Vergangenheit in einem umfassenden Stadtmuseum darstellen. Vor knapp zwei Jahren wurde beschlossen, zu diesem Zweck das Wilhelmspalais nach dem Auszug der Stadtbücherei entsprechend umzubauen. Bereits seit 2007 ist ein Planungsstab dabei, das Museum inhaltlich auszuarbeiten. Doch wie so oft sorgte auch diesmal die Frage der Finanzierung für einen ungewollten zeitlichen Aufschub.

Ursprünglich war geplant, das neue Stadtmuseum 2014 zu eröffnen. Da jedoch die nötigen und bis dato noch ausstehenden Finanzmittel erst im aktuellen Doppelhaushalt 2012/2013 bewilligt werden konnten, ist man nun weitere zwei Jahre zum Warten verdammt. "Bis vor einem viertel Jahr war noch gar nicht klar, ob die nötigen Gelder überhaupt bereitgestellt werden", sagt Baubürgermeister Matthias Hahn.

Mittlerweile stehe nun die Finanzierungssumme von insgesamt 31,7 Millionen Euro und auch die Fördermittel von Bund und Land in Höhe von 10,9 Millionen Euro seien "größtenteils schon da". Dementsprechend könne man jetzt voll in die zeitintensive Bauvorbereitung einsteigen. "Wir haben nun den normalen Planungsvorlauf von zwei Jahren", sagt Hahn.

Die Fassade des denkmalgeschützten Wilhelmspalais soll in der heutigen Form erhalten bleiben, das Innere des Gebäudes dann vollständig entkernt und durch einen Neubau nach den Plänen des Stuttgarter Architekturbüros Lederer, Ragnarsdottir, Oei ersetzt werden. Bis dahin sind unter anderem aufwendige statische Untersuchungen nötig. Bei einer angepeilten Bauzeit von 24 Monaten und weiteren vier bis sechs Monaten für die Inneneinrichtung könnten die Pforten des Stadtmuseums dann frühestens 2016 öffnen.

Einen völligen Leerstand des Gebäudes in bester Lage will man bei der Stadt aber tunlichst vermeiden. Bis die ersten größeren Bauarbeiten beginnen, soll das Wilhelmspalais kulturell zwischengenutzt werden. Angedacht sei, die Räume für Ausstellungen oder Firmenpräsentationen interimsweise zur Verfügung zu stellen, so Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann, die sich freut, dass das Signal für das neue Stadtmuseum nun endlich auf grün gestellt ist. Für die zeitlich flexiblen Zwischennutzungen gebe es bereits mehrere Interessenten, mit denen man im Gespräch sei. Um das Gebäude überhaupt nutzen zu können musste der Brandschutz nach dem Auszug der Stadtbücherei für 20 000 Euro auf den aktuellen Stand gebracht werden. Einschränkungen gibt es lediglich noch im Obergeschoss, wo sich nicht mehr als 200 Personen gleichzeitig aufhalten dürfen. "Bei besonders tollen Veranstaltung könnte man aber eine separate Fluchttreppe anbringen", so Hahn. Größere Summen sollen nicht mehr in den Interimsbetrieb investiert werden. Wie die kulturelle Nutzung genau aussehen wird, ist aber noch offen. "Wir sind mit den Planungen in der Endphase", sagt Eisenmann.


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Autor: JAN-PHILLIP SCHÜTZE | 08.02.2012

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