Cannstatt war ein wichtiger Stützpunkt
Stuttgart. Im Badgraben in Cannstatt gibt es seit dem Jahr 2008 römische Geschichte zu erleben. Jetzt informiert zudem eine große Tafel über die Römer in Bad Cannstatt und die römische Besetzungsgeschichte.
Die große Tafel hängt gegenüber der Römerschau neben dem Kaufhof an einer Hauswand. "Das Schild soll noch auf die Stadtmauer verlegt werden", sagt Eberhard Köngeter vom Maibaumverein. Er weiß, dass die Römerzeit in Bad Cannstatt bislang nicht sehr bekannt ist. Über Texte und Graphiken der Tafel erfahren die Interessierten, wie sich die Römer im Laufe der Geschichte nach Cannstatt und bis zum Limes bei Lorch ausgebreitet haben. "Erst hat Cäsar Gallien erobert, der Rhein bildete eine Grenze. Dann drangen die Römer vorsichtig vom Westen und Süden vor", so Köngeter.
Cannstatt war der vorletzte Abschnitt bei der Besetzung unter Kaiser Domitian und Kaiser Trajan. Bis 90 nach Christus drangen die Römer bis zum Neckar vor. Im Jahr 160 nach Christus ist dann die Grenze weiter vorgeschoben worden. Schon zu Römerzeiten gab es eine wichtige Verkehrsverbindung, die heute von der A8 eingenommen wird: Sie ging vom Schwarzen Meer über Salzburg, Augsburg, Cannstatt bis nach Mainz. Auch dies ist auf der Karte zu sehen.
Die Römer waren deshalb so erfolgreich, weil sie einen flexiblen Truppeneinsatz hatten, weiß Köngeter. So zeige die erste Stele seiner Ausstellung im Badgraben persische Panzerreiter. Die Soldaten, die aus Persien kamen, sind am Wilhelmsplatz in Cannstatt gefallen. Sie haben hier vermutlich mit Germanen aus dem Welzheimer Wald gekämpft.
Die braunen Quadrate auf der Hinweistafel zeigen die Standorte der Kastelle. Zwischen 90 und 160 nach Christus war Cannstatt ein Militärstützpunkt der Römer und Garnisonstadt. Von 160 bis 270 nach Christus war Cannstatt ein Nachschubort. Wichtig war Cannstatt auch als Verkehrsdrehscheibe. Die im Hallschlag gefundenen Reste einer Töpferindustrie verweisen darauf. Sie waren im vergangenen Jahr in der Ausstellung "Die Töpfe des Hilario" im Cannstatter Stadtmuseum zu sehen. Die Karte im Badgraben zeigt auch, die Verbindung, die die Remstalstraße, die heutige B 29, hatte. "Sie war eine wichtige Ost-West-Verbindung", so Eberhard Köngeter.
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Autor: IRIS FREY | 10.02.2012
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Helmut Leibner und Ralf Plessing von der Volksbank Stuttgart (von links) mit Eberhard Köngeter vor der neu installierten Tafel im Badgraben. Foto: Iris Frey
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