Bonuscard ist ein Renner
Stuttgart. Von einem neuen Angebot profitieren in Stuttgart sei Jahresbeginn rund 65 000 Bonuscard-Inhaber. Das Interesse an "Kultur für Alle", einem völlig neuen Projekt, ist seit Januar ungebrochen.
Seit Anfang diesen Jahres können rund 65 000 Bonuscard-Inhaber in der Landeshauptstadt von einem neuen Angebot profitieren. Unter dem Motto "Kultur für Alle" wird Menschen mit wenig Geld die kostenlose Teilhabe an Kulturveranstaltungen ermöglicht. Das Interesse ist seit Januar ungebrochen.
Entstanden ist die Initiative am Runden Tisch der Bürgerstiftung Stuttgart. "Wir kooperieren mit den Stuttgarter Kultureinrichtungen sowie dem Sozialamt der Landeshauptstadt", sagt Geschäftsführerin Julia Schindler. Sie ist sozusagen nach eigener Beschreibung das "Mädchen für alles".
Bereits zum Start konnten 21 Kultureinrichtungen aus unterschiedlichen kulturellen Sparten gewonnen werden.
Mittlerweile sind es gute 24, darunter das Theaterhaus, das Kunstmuseum oder das Mercedes-Benz-Museum. "Und es werden sicherlich noch mehr", ist sich Schindler sicher. Viele Institutionen wüssten noch gar nicht, dass dieses Projekt bestehe.
Das Prinzip ist einfach - und in Deutschland in dieser Art einzigartig: Die kooperierenden Kultureinrichtungen stellen ein festes Kontingent an Freikarten aus allen Preiskategorien zur Verfügung. Die Karten bekommen die Interessenten dann direkt an der Kasse der jeweiligen Einrichtungen.
"Vergeben werden kostenlose Eintrittskarten, keine Restkarten", betont Schindler ausdrücklich. Reservierungen seien sogar von Vorteil, bevor an der Abendkasse die besten Plätze schon vergeben wären. Die Besucher werden bei den Einrichtungen behandelt, wie jeder andere auch.
"Hautpsächlich nehmen Bedürftige mit geringem Einkommen, die keine Transferleistungen beziehen, alle, die Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II, Grundsicherungsleistungen sowie Familien mit mindestens fünf Kindern das Angebot in Anspruch", sagt Schindler. Die Kultur zum Nulltarif komme an. "Es herrscht eine große Nachfrage nach den Freikarten - das Theaterhaus beispielsweise hat bisher 162, das Junge Ensemble Stuttgart 116 Karten ausgegeben", so die Geschäftsführerin. Auch die Ergebnisse von der Stiftsmusik, dem Linden-Museum und dem Literaturhaus mit je knapp 100 ausgegebenen Eintrittskarten ließen sich sehen.
"Ich schätze, seit Januar wurden insgesamt weit mehr als 1000 kostenlose Eintrittskarten an Nutzer der Bonuscard + Kultur ausgegeben. Wir sind gerade dabei, die Zahlen genau zu erfassen und eine Evaluation zu erstellen."
Kultur solle kein Luxus sein. Jedem sollte Kulturgut zugänglich gemacht werden.
"Das finde ich persönlich für die Gesellschaft wichtig", sagt Julia Schindler. Durchweg positive Resonanz habe Schindler bisher erhalten - mal per Mail, mal per Telefon. Ein älteres, von Armut betroffenes Ehepaar habe sich beispielsweise bedankt, dass es endlich mal wieder ein Konzert besuchen konnte. Dann habe eine Mutter unter Tränen am Telefon berichtet, dass es wunderbar sei, nun mit den Kindern in ein Kindertheater gehen zu können.
Mit einer siebenköpfigen Familie sei das ansonsten nicht ganz billig. Viel Arbeit steht der jungen Geschäftsführerin noch bevor: "Wir müssen eine solide Finanzierung auf die Beine stellen", sagt sie. Zudem müsse die Initiative noch bekannter gemacht werden. Sponsoren zu finden sei nur ein kleiner Teil der Aufgaben. Die ersten finanziellen Hürden waren dank der Bürgerstiftung kein größeres Problem. Nachdem das Thema bereits seit einiger Zeit auf politischer Ebene und von verschiedenen Sozial- und Kultureinrichtungen diskutiert wurde, legte eine Stuttgarter Bürgerin mit einer größeren Spende von rund 40 000 Euro an die Bürgerstiftung Stuttgart den Grundstock für die Finanzierung des Projektes.
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Autor: YVONNE WEIRAUCH | 04.05.2010
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Geschäftsführerin Julia Schindler freut sich auf die Herausforderungen, die ihr mit dem Projekt "Kultur für Alle" in der Landeshauptstadt noch bevorstehen. Foto: Yvonne Weirauch
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