"Total egal, es gilt kein Maß"

Rechberghausen.  Der Zunftmeisterempfang ist bei Fasnetsumzügen eine Art Defilee der Gruppen im Kleinformat. In Rechberghausen trafen sich die Zunftmeister gestern vor dem großen Narrensprung im Schlosskeller.

Gestern am späten Vormittag: In der Schurwald-Hochburg des Fasching ist das nachmittägliche Großereignis schon allgegenwärtig. Im kalten Winterdunst zwischen Schloss und Städtle stehen Hexen und andere Gestalten an den Buden.

Drunten im Schlosskeller ist die Luft derweil schon zum Schneiden. Die Zunftmeister der 88 Gruppen haben sich zum Empfang versammelt. Rolf Lennartz, Präsident der heimischen Furchenrutscher, gibt zusammen mit seiner Frau Brigitte die Jahres-Orden der Zunft gleich dutzendweise ab. Eine Hexe ist in diesem Jahr auf dem Fasnetsschmuck abgebildet.

Rechberghausen lockt längst auch Gruppen aus anderen Gegenden der alemannischen Fasnet an. Narren aus Oberkirch und Weingarten trinken sich warm. Alle Zünfte stellen sich kurz vor. Der Musikverein heizt die Stimmung an.

Gastgeschenke werden zwar seltener, weil sich Zünfte immer häufiger zu Spenden an wohltätige Zwecke entscheiden. Dennoch wechseln noch etliche Flaschen Hochprozentiges den Besitzer. Die Itzelberger Pfannaglopfer schenken Rolf Lennartz eine Flasche "mit dem kompletten Inhalt des örtlichen Sees, mit Algen und allem anderen". Die Edelburghexa Gärtringen" allerdings bekennen, sie wollten "eigentlich auch eine schöne Pulle Alkohol überreichen". Dann sei jedoch die einstündige Busfahrt dazwischen gekommen. Statt Schnaps steckt nun jede Menge Konfetti in der Flasche, verziert mit einer geklauten Socke.

Die Narrensprüche dürfen natürlich nicht fehlen. Der kleine Simon Messerschmid von den Holzbrockelern aus Winzingen erntet für sein närrisches Gedicht tosenden Applaus: Es endet mit den Zeilen: "Total egal, es gilt kein Maß, es geht ganz einfach nur um Spaß".

Da will sich, zwischen Schwiegermutter-Witzen und Narrenrufen, auch Bürgermeister Reiner Ruf nicht lumpen lassen: Mit Anspielung auf die mächtige Baugrube vor dem Schloss witzelt der Schultes, die Gemeinde wollte eine riesige Narhalla bauen lassen, nur leider sei sie nicht rechtzeitig fertig geworden. Im kommenden Jahr, das verspricht der Bürgermeister hoch und heilig, werde der neue Narrenplatz auf jeden Fall fertig sein.


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Autor: ARND WOLETZ | 30.01.2012

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