Rätselraten um Wahlausgang

Wangen.  Auch am Tag nach der Bürgermeisterwahl in Wangen herrschte Rätselraten um das Abschneiden von Schultes Werner Stöckle. Der Rathauschef hatte Platz zwei belegt, obwohl er nicht mehr kandidierte.

Daniel Frey war die Erleichterung über seinen Wahlsieg in Wangen förmlich anzusehen. Mit mehr als 56 Prozent hatte der CDU-Politiker die Bürgermeisterwahl in der Schurwald-Gemeinde auf Anhieb im ersten Wahlgang für sich entschieden. Doch einer stiehlt ihm am Wahlsonntag die Schau: der scheidende Bürgermeister Werner Stöckle. Obwohl sein Name gar nicht auf den Stimmzetteln stand, holte er mehr als 29 Prozent.

Das Abschneiden Stöckles war auch gestern Gesprächsthema Nummer eins in Wangen. Die Gerüchteküche brodelte kräftig. So war die Rede davon, dass mehrere Gemeinderäte versucht haben sollen, die als sicher geglaubte Wahl Freys zu verhindern und gleichzeitig Stöckle als weiteren Kandidaten auf den Stimmzettel zu schreiben. "Tatsache ist, dass wir mit dem Mann (Daniel Frey, d. Red.) nicht glücklich sind. Die Gemeinde Wangen hat einen besseren Schultes verdient", sagte Gemeinderat Erich Schurr gestern der NWZ. Ziel von einigen sei es gewesen, Frey unter die 50-Prozent-Grenze zu drücken und dann in einem zweiten Wahlgang vielleicht einen weiteren Kandidaten zu präsentieren, berichtet Schurr.

Sein Gemeinderatskollege Fritz Uebele zeigte sich ebenfalls enttäuscht über die Bürgermeisterkandidaten. "Viele haben mich nach der Kandidatenvorstellung angesprochen und gesagt, dass sie nicht wählen gehen", sagte er. Denen habe er jedoch empfohlen, auf jeden Fall wählen zu gehen, schließlich gebe es auch die Möglichkeit, in der fünften Zeile einen anderen Kandidatennamen einzutragen. Dies bestätigt auch Gemeinderat Gotthold Frey.

Von einer Kampagne gegen den jetzt gewählten Daniel Frey, wie im Ort kolportiert wird, könne jedoch keine Rede sein, so Uebele. Aus seiner Sicht haben drei Dinge den Ausschlag für das überragende Abschneiden Stöckles gegeben: die schwache Vorstellung der Bewerber bei der Kandidatenvorstellung, die von der Qualifikation her schwachen Mitbewerber - und Freys Parteibuch. "Das ist ein Novum: Zum ersten Mal gibt es einen Bürgermeister, der Mitglied einer Partei ist. Wir waren schon immer parteilos, auch im Gemeinderat. Das ist schon unglücklich", sagte Uebele.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Barbara Bär, selbst CDU-Mitglied, findet deutlichere Worte: "Es gab eine Kampagne: Stoppt die CDU in Wangen, wählt Stöckle", erklärt sie. Daher habe sie sich nicht gewundert, dass der noch bis 30. April amtierende Schultes so viele Stimmen bekommen habe. Auch in Oberwälden wurde kräftig Stimmung gemacht - gegen die vier Kandidaten und pro Stöckle. Im Ort hing der NWZ-Artikel über die Kandidatenvorstellung aus. Die Kandidaten waren durchgestrichen. Daneben war ein Schattenbild, offensichtlich mit dem Konterfei Stöckles, und der Unterschrift: "Wir wählen Mister X."

Ein weiteres Gerücht, dass in den vergangenen Tagen die Runde machte, dementieren die Beteiligten aufs Heftigste. Der Göppinger CDU-Landtagsabgeordnete Dietrich Birk soll seinen Parteifreund Frey zunächst nach Schlat delegiert haben, wo bald ebenfalls eine Bürgermeisterwahl ansteht. Als dann bekannt wurde, dass Stöckle aufhört, habe er ihn nach Wangen geschickt. "Nein, das stimmt überhaupt nicht. Die CDU hat keine Rolle in meinem Wahlkampf gespielt", erklärt Frey. Auch Birk wehrt sich gegen diesen Vorwurf. "Bürgermeisterwahlen sind Persönlichkeitswahlen. Es war die freie Entscheidung von Daniel Frey, in Wangen zu kandieren."


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Autor: WOLFGANG KARCZEWSKI | 09.02.2010

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