Hermann im Kreuzverhör

Adelberg.  Im Kreuzfeuer der Kritik stand Schultes Wolf-Dieter Hermann bei der Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl in Adelberg. Seine Herausforderin Carmen Marquardt bekam nur wenige Möglichkeiten zu glänzen.

Ursprünglich wollte der Adelberger Bauhof für die Kandidatenvorstellung in der Turn- und Festhalle 150 Stühle aufstellen. Das erschien dem Gemeinderat zu wenig, also wurden flugs weitere 50 bereitgestellt. Letztlich wollten sich rund 280 Adelberger den Showdown der Bürgermeisterkandidaten Wolf-Dieter Hermann und Carmen Marquardt anschauen. Was sie geboten bekamen, war kein wortgewaltiger Schlagabtausch, sondern eine emotionsgeladene Veranstaltung, bei der Amtsinhaber Hermann des öfteren in der Schusslinie stand.

Hermann, der seit 16 Jahren der Schurwald-Gemeinde vorsteht, ging in seinem Rechenschaftsbericht auf das ein, was sich in den vergangenen Jahren in der 2000-Einwohner-Gemeinde unter seiner Regie alles getan hat - angefangen von der Sanierung der Ortsmitte über den Ausbau des Kindergartens mit neuem Betreuungsangebot bis zur Verlagerung des Sportgeländes auf die andere Seite der Landesstraße und, damit einhergehend, die Schaffung eines Wohngebietes am alten Sportplatzstandort.

Für die kommenden Monate hat sich der Schultes unter anderem die Vollendung der Sanierungsmaßnahme Unterdorf/Hintere Hauptstraße/Ziegelwasen und den Ausbau der Kleinkindbetreuung auf die Fahnen geschrieben. Auch das ehemalige Wellenbad Montemaris, das mittlerweile nur noch eine Sauna ist, spielt in den Überlegungen Hermanns eine Rolle. "Hier besteht die Möglichkeit, dass der Betreiber Vitaparc die Einrichtung vollständig übernimmt", erklärte er.

Für die in Adelberg noch weitgehend unbekannte Gegenkandidatin Carmen Marquardt ging es in ihrer Rede darum, die Besucher über ihre private und berufliche Situation zu informieren. In ihrem Beruf als Sachgebietsleiterin bei der Bundeswehrverwaltung in Stuttgart, wo ihr 90 Personen unterstellt sind, habe sie gelernt, mit Mitarbeitern umzugehen. "Hier in Adelberg würde ich die Bürgernähe suchen und halten", versprach sie in ihrer Rede, die sie frei hielt. Auch beim Thema Bad könne sie sich vorstellen, die Bürger einzubeziehen. Bevor man eine Entscheidung über die Zukunft der Einrichtung fälle, sollte man zunächst Ideen sammeln, meinte die 39-Jährige. Ebenso wie Hermann sprach auch sie das Thema Jugendförderung an. "Die Jugendlichen brauchen einen Anlaufpunkt. Wir haben sehr engagierte Bürger, mit deren Hilfe wir eine Lösung für die Jugendlichen finden", ist sie überzeugt.

Anschließend waren die Besucher an der Reihe. Und die sparten nicht mit Kritik am Rathauschef. Man hätte wissen müssen, dass der Badebetrieb trotz der Millionenbeträge nicht funktionieren könne. Das Geld - laut Hermann investierte die Gemeinde in den vergangenen Jahren fünf Millionen Euro in die Einrichtung - hätte man auch anders verwenden können. Der Schultes erklärte, dass der Gemeinderat vor dem Entschluss, das Bad zu sanieren, alles sorgfältig abgewogen habe. "Dass diese Entscheidung aus heutiger Sicht gesehen vielleicht falsch war, kann durchaus sein", meinte er.

Ein anderer Bürger monierte, dass die Gemeinde kein Geld für das inzwischen nicht mehr stattfindende Klosterfest der Vereine gestiftet habe. "Allein mit finanziellen Mitteln ist es nicht getan", wehrte sich Hermann. Wenn zudem keine Helfer da seien, mache dies keinen Sinn, so der Schultes.

Nach der Infrastruktur im Dorf befragt, antwortete Hermann, dass Adelberg für seine Größe sehr gut dastehe. Er sehe keine Gefahr, dass es weniger werde. Das sah Carmen Marquardt anders. Sie habe Angst um die Infrastruktur im Ort. Man müsse versuchen, die Gewerbetreibenden zu unterstützen, neue Einwohner nach Adelberg zu locken und die Kaufkraft zu stärken.

Neben Hermann stand die Firma Vitaparc im Zentrum der Kritik. Dieter Remppel, der Vorsitzende des TSV Adelberg-Oberberken, stellte die Kompetenz des Sauna- und Campingplatzbetreibers in Frage. "Sie machen keinen guten Job", stellte er fest. Vor der Schließung des Bades vor zwei Jahren wollte Vitaparc eigentlich die Anlage übernehmen, machte jedoch wegen der schwierigen wirtschaftlichen Situation einen Rückzieher. Hermann bezeichnete Vitaparc als kompetente Firma. Man werde abwarten müssen, ob der Saunabetreiber die Einrichtung im Sommer übernehme.

Herausforderin Carmen Marquardt kam bei den Bürgerfragen nur selten zum Zuge. Auf Remppels Frage, ob sie im Falle einer Wahl Vitaparc auf die Zehen steigen würde, antwortete sie schlagfertig: "Ich habe Pfennigabsätze . . ."


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Autor: WOLFGANG KARCZEWSKI | 04.03.2010

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