Faschingslust pur in Hausa

Rechberghausen.  Bei schönstem Sonnenschein feierten gestern die Narren in Rechberghausen. Tausende Besucher säumten die Umzugsstrecke durch den historischen Ortskern und jubelten den 38 kostümierten Gruppen zu.

Die Straßen waren für den Umzug stundenlang gesperrt. Mehr als 1000 Narren marschierten mit und mehrere tausend gutgelaunte Zuschauer säumten die Straßen und feierten zum letzten Mal in dieser Saison die fünfte Jahreszeit.

Den Zug führen die Gastgeber an: Die Furchenrutscher mit ihrem Fanfarenzug, dem jungen Grafenpaar, das huldvoll in die Menge winkt, und den Furchenrutscher Garden, die rhythmisch über das Pflaster tänzeln. Die kleinen Piraten des evangelischen Kindergartens, die Hand in Hand mit den Kindergärtnerinnen im Zug mit marschieren, schauen etwas verwundert auf die närrischen Erwachsenen am Straßenrand, die schunkeln, klatschen und singen. "Mitsingen ist im Eintrittspreis inbegriffen", brüllt es über den Lautsprecher und aus hundert Kehlen schmettert das Lied "Heut ist so ein schöner Tag, lalala."

Die Narrenzunft Bauwagen Oberhausen hat ihr Sudhaus mit eigenem Biergarten gleich mitgebracht, ein großer Traktor zieht den Wagen hinter sich her und hupt ohrenbetäubend. Der Wagen ist mit vielen Jungnarren besetzt, die mit ihrem Schlachtruf "Hopfen und Malz - Gott erhalz" in die Menge prosten. Gruselige Hexen mit Hakennasen jagen jungen Mädchen hinterher, auch Waldgeister und Feuerteufel treiben ihr Unwesen.

Mit Bonbons und Konfetti wird nicht gespart, die Taschen sind vollgestopft und die Kinder bücken sich eifrig nach den Süßigkeiten. Auch die Luftschlangen, die durch die Luft wirbeln, sind heiß begehrt. "Das ist meins, das hab ich zuerst gesehen", wehrt sich ein kleiner Bär gegen seinen Löwen-Konkurrenten und knallt ihm eine vor den Latz. Doch da regnet es schon wieder Bonbons, und der Streit ist beigelegt. Eine Großmutter bückt sich ebenfalls eifrig nach den Bonbons und steckt sie ihrer Enkelin zu, die verschüchtert am Straßenrand steht, während im Hintergrund bereits die erste leere Wodkaflasche zu Boden klirrt.

Der große Faschingsumzug durch Rechberghausen hat eine lange Tradition, zum 26. Mal schlängelte sich der Faschingswurm durch die Straßen. Bis zu 60 Helfer sind im Einsatz und die Veranstaltung ist eine große logistische Herausforderung. Auch die Narrenzünfte der umliegenden Gemeinden stellten Helfer, denn den Hausenern gingen die Leute aus: Nicht jeder kann sich am Faschingsdienstag frei nehmen. "Wir haben Schwierigkeiten, überhaupt junge Leute zum Mitmachen zu motivieren", klagt der Fahrer des Zunftwagens der Furchenrutscher, der sich freiwillig gemeldet hat, den Umzugswagen durch die Gassen zu kutschieren. Er berichtet, wie schwer es ist, mit dem Traktor den Wagen sicher über die Umzugsstrecke zu manövrieren. "Da musst du deine Augen überall haben, vorne hinten und nach den Seiten", sagt er. "Manche dabben einfach von der Seite nei", vor allem wenn sie bereits alkoholisiert sind, wird"s gefährlich.

Die Leute von der Feuerwehr sichern die Straßen und an mehreren Punkten sind Streckensprecher eingesetzt, die die Besucher durchs Mikrofon zu guter Laune animieren und die Zugabfolge kommentieren. "Leut, nehmet die Händ aus de Dasche und klatschet mit", feuert einer die Schaulustigen über die Lautsprecher stimmgewaltig an. "Und jetzt begrüßen wir den Fanfarenzug Rechberghausen mit einem dreifachen Hausa - mach nora", die Zuschauer brüllen erfreut mit.

An Bewirtungsständen der Vereine gibt es Bier, Glühwein und Cola mit heißer Roter Wurst, im Festzelt hinter dem Rathaus wird im Zwei-Schicht-Betrieb bedient.


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Autor: SYLVIA NICKUS | 22.02.2012

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