Erdrutschsieg für Carmen Marquardt
Adelberg. Überraschung bei der Bürgermeisterwahl in Adelberg: Herausforderin Carmen Marquardt hat Amtsinhaber Wolf-Dieter Hermann deutlich geschlagen. Sie holte 60,7 Prozent der Stimmen.
Nachdem Wahlleiter Robert Tischer im Adelberger Rathaus das vorläufige Endergebnis der Bürgermeisterwahl verkündet hatte, verließ der geschlagene Amtsinhaber Wolf-Dieter Hermann fluchtartig den Raum und stieg die Treppen hinauf in sein Büro.
"Das war eine spontane Reaktion. Ich wollte zwei, drei Minuten für mich sein", sagte der Schultes mit belegter Stimme. Das, was kurz zuvor passiert war, hatte Hermann offenbar sehr zugesetzt. Soeben hatte er die Bürgermeisterwahl in der 2000-Seelen-Gemeinde verloren - und zwar deutlich: Nur 424 Adelberger, das entspricht 38,5 Prozent der Stimmen, wollten ihn weiterhin als Rathauschef im Ort haben, während seine Herausforderin Carmen Marquardt mit 669 Stimmen (60,7 Prozent) einen Erdrutschsieg errang.
"Ich bin total platt", sagte die 39-Jährige, die derzeit als Sachgebietsleiterin bei der Bundeswehrverwaltung in Stuttgart arbeitet. "Dass ich eine Chance haben könnte, war mir schon klar. Aber dass es so eindeutig wird, haut mich aus den Socken." In der kommenden Zeit komme viel Arbeit auf sie zu, glaubt die neue Rathauschefin. Jetzt müsse sie alles erst einmal sacken lassen, "und dann heißt es: Ärmel hochkrempeln".
Die Reaktionen auf den Sieg der Herausforderin fielen gestern Abend im Rathaus sehr unterschiedlich aus: Bei Bekanntgabe des Ergebnisses herrschte Totenstille, keiner der rund drei Dutzend Bürger klatschte. "Der Gemeinderat ist geschockt, Herr Hermann ist geschockt. Ich habe ja fast schon ein schlechtes Gewissen", meinte Carmen Marquardt, die mit ihrem Mann Klaus ganz alleine auf einer Seite des Wahllokals stand, während Hermann, seine Frau Martina und Tochter Anja und zahlreiche Bürger auf der anderen Seite standen. Mehrere Gemeinderäte sprachen von einer Überraschung oder ob der Deutlichkeit des Wahlausgangs gar von einer Sensation.
Klaus Marquardt war sich offenbar jedoch schon vor der Wahl sicher, dass seine Frau die Wahl gewinnt. Er hatte vorzeitig Visitenkarten mit dem Konterfei seiner Frau und der Aufschrift "Carmen Marquardt - Bürgermeisterin" gedruckt und sie mit der Adresse des Adelberger Bürgermeisteramtes versehen. Nach einer nüchternen Gratulationscour ging es für die Marquardts ins Bareißstüble, wo sie mit ein paar Freunden den Abend verbringen wollten.
Währenddessen kämpften Hermanns Angehörige ob der Niederlage des Rathauschefs mit den Tränen. Hermann selber sprach von einem Schock. Damit habe er nicht gerechnet. Als Dreh- und Angelpunkt für den Ausgang der Wahl sieht der 54-Jährige, der seit 16 Jahren die Geschicke in der Schurwald-Gemeinde leitet, das Sport- und Erholungszentrum Klosterpark. "Manches ist hier nicht so gelaufen wie gedacht", gestand er. Und wie sieht Hermanns Zukunft aus? "Ich weiß noch nicht, was ich tue. Zunächst muss ich den Blick nach vorne richten."
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Autor: WOLFGANG KARCZEWSKI | 15.03.2010
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Ein Blumenstrauß für die neue Adelberger Bürgermeisterin (v.l.): Carmen Marquardt, Klaus Marquardt und Wahlleiter Robert Tischer. Foto: Staufenpress
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