Alle für eine - die Musik

Rechberghausen.  Sie bespielen schon mal zu dritt ein Cello, bezirzen Besucher mit Musik und Blicken oder recken zum Schlussakkord ihre Bögen wie Degen nach oben. Salut Salon: Die zarteste Verführung, seit es Streichquartette gibt.

Das hätte sich Werner aus der ersten Reihe nicht träumen lassen. Da machen ihm gleich vier junge Damen auf der Bühne in Rechberghausen schöne Augen, strahlen ihn an, zwinkern ihm zu - und musizieren dazu herzzerreißend und frei nach Kreisler das Lied vom "Werner mit den drei blauen Augen". Es ist die Initialzündung für den Running Gag des Abends, an dem der vielfach Bezirzte sich des Neids so manchen Mannes im Saal gewiss sein konnte.

Salut Salon ist eine Wundertüte im besten Sinne: Das Quartett spielt von vielem etwas und ist immer für eine Überraschung gut. Es interpretiert Klassik, Chanson, Folk und Rock mit solch stupender Technik und Hingabe, dass einem der Gedanke, hier werde billiger Effekte wegen plumpe Musikparodie betrieben, gar nicht erst kommt. Die vier Damen verstehen ihr Handwerk. Aber sie demonstrieren ihr Können eben nicht nur sehr einfühlsam und virtuos, sondern betten es in ein unterhaltsames Programm ein, das von Bachs "Air" über selbst komponierte Chansons und ein populäres Lied aus China bis zu den "Ärzten" reicht. Damit füllten sie in Südamerika und China große Säle, weshalb etwa das Feuilleton der "Welt" sie als einen der erfolgreichsten deutschen "Kultur-Exporte" würdigte.

Gegründet wurde Salut Salon vor gut zehn Jahren in Hamburg von den Geigerinnen Angelika Bachmann und Iris Siegfried. Dass die beiden beste Freundinnen sind und sich musikalisch blind verstehen, war im ausverkauften Haug-Erkinger-Saal schon nach wenigen Klängen spürbar. Mit atemberaubend schönem Strich spielten sie sich, begleitet von Sonja Lena Schmid am Cello, durch die Musikhistorie. Die Ausnahme-Cellistin verfügt über einen wunderbar warmen Ton und bewältigte zum Beispiel Saint-Saëns schwieriges Cello-Konzert Nr. 1 a-Moll scheinbar mühelos. Da sich zudem Pianistin Jennifer Rüth nicht nur gut ins Quartett einfügte, sondern mit einem Balz-Solo selbst komödiantische Akzente setzte, war ein genussvoller Abend garantiert.

Zwischen gern gehörte Klassiker wie Mendelssohns "Lied ohne Worte", Schumanns "Von fremden Ländern und Menschen" und Liszts "Liebestraum" streute das Quartett geschickt Volksweisen aus Russland oder der Türkei ein. Höhepunkte des Programms waren Piazzollas "Tango de la Muerte", "Libertango" und "Adios Nonino". Wunderbar interpretierte das Quartett dessen hoch romantischen Ton, der kompositorische Strenge mit schwärmerischer Melancholie paart.

Dazwischen blieb immer wieder Zeit für Heiteres: Das Publikum amüsierte sich prächtig, als Puppe Oskar mit Sonja Lena Schmid auf dem Cello ein Duell gegen Geige und Klavier ausfocht oder als der Streichbogen zur Tatort-Melodie eine knarrende Türe imitierte und wenig später ein Tatütata spielte. Fast schon Zirkusluft atmete die artistische Nummer, bei der Bachmann und Siegfried wechselweise mit zwei Bögen und Violinen sich was geigten oder mit Schmid im Bunde deren Cello traktierten.

Ob Komik oder hehre Klassik: Bei Salut Salon merkte man jederzeit, welchen Spaß den vieren dieses Programm macht. Wie Musketiere ihre Degen, so reckten sie am Ende eines Stücks immer wieder mal die Bögen in die Höhe und strahlten übers ganze Gesicht. Eine für alle, alle für eine, so lautet die Devise - und die eine ist die Musik. Sie und nicht die Comedy stand im Zentrum eines schönen Konzertabends, für den es zurecht großen Beifall gab.


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Autor: MARCUS ZECHA | 21.02.2011

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