INTERVIEW: Erfolgs-Rapper Cro über seinen Film

Sein Markenzeichen ist die Panda-Maske. Ohne sie tritt Deutschlands erfolgreichster Rapper nie auf. CRO nennt sich der junge Musiker, Carlo Waibel heißt er mit bürgerlichem Namen, wie er aussieht, weiß kaum jemand.

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Wie viel Cro steckt in diesem Film über Cro?

CRO: In diesem Film steckt sehr viel Cro, schließlich bin ich ja die ganze Zeit allgegenwärtig. Der Geist ist immer da, auch wenn ich selbst gar nicht im Bild zu sehen bin. Sei es gezeichnet als Comic. Oder als Zukunftsversion, in der Til Schweiger den gealterten Cro spielt.

Es gibt, live auf der Konzertbühne, eine überraschende Enthüllung die manche Fans schockieren könnte...

Überraschungen soll man bekanntlich nicht verraten. Deshalb dazu nur so viel: Diese Szene steht sinnbildlich für etwas Besonderes. Wenn man die Schlüsselszene sieht, wird man das alles verstehen. Die ist aber gut versteckt.

Im Internet wird fleißig diskutiert, wie häufig Cro ohne Maske als Komparse im Film zu sehen sein soll. Gerücht oder Wahrheit?

Stimmt. Ich spiele hier und da mit. Vielleicht die Putzfrau? Vielleicht einen Mafiosi? Wer weiß? Aber das ist immer ein bisschen verfremdet, direkt wird man mich nicht entdecken.

Ist diese Maske eigentlich als Markenzeichen geschützt?

Ja klar, sogar weltweit und in allen Varianten.

Wie wichtig ist Geld für Sie?

Wenn man es hat, lässt sich leicht sagen, Geld wäre nicht wichtig. Aber natürlich ist Geld wichtig. Aber ich brauche kein Geld, um glücklich zu sein. Ich brauche Freunde und Liebe, das sind die beiden wichtigsten Dinge im Leben für mich – und die kann man sich nicht kaufen.

Zum Star gehört der Ruhm –- Ihnen scheint das eher egal zu sein?

Ja, Ruhm ist wirklich nur ein ganz kleiner Teil meines Lebens. Maske ab, und ich bin ein ganz normaler Typ. Der dafür kämpfen muss, in Clubs eingelassen zu werden. Es ist echt ein lustiges Spiel mit der Maske. Gefühlt bin ich momentan der heißeste junge Musiker in Deutschland. Und ohne Maske bin ich der normalste Typ in diesem Land. Klingt paradox, aber gefällt mir – das hält mich auf dem Boden. Und dadurch kann ich bleiben, wer ich bin.

„Die Maske macht dich unangreifbar“, heißt es im Film einmal. Entspricht das Ihrer Erfahrung?

Die Maske gibt mir keine Sicherheit, sondern Ruhe. Sie lässt mich cool bleiben, chillen und sie lässt mich so, wie ich bin. Neulich beim Griechen saß der Besitzer mit seinen Stammgästen am Nebentisch und redete über mein bevorstehendes Konzert. Und ich saß daneben und hörte mir das an. Das war einfach lustig. Ich komme mir ein bisschen so vor wie Superman oder Spider-Man … nein, eher Batman!

Gibt es nie Momente, wo man doch ganz gern als Star erkannt werden möchte?

Ich habe nie das Bedürfnis, dass mich die Leute wegen meiner Augenränder und unrasiertem Bart anschauen sollten – da bin ich ganz froh über meine Maske. (Lacht) Aber es gibt Situationen im Leben, wo es natürlich vorteilhaft wäre, erkannt zu werden. Wenn ein schönes Mädchen einfach an dir vorbei läuft und dich ignoriert, denkt man sich schon mal: Wenn die wüsste! Aber ich bin da sehr selbstbewusst, mich trifft das nicht. Ich bleibe da cool.

Gibt es Leute, die vorgeben, Cro zu sein, um sich diese Vorteile zu ergattern?

Da gibt es tatsächlich sehr viele. Ich habe Geschichten gehört, da gingen Leute mit der Maske in Clubs und haben alles umsonst bekommen – das ist doch irre! Wahrscheinlich haben die an diesem Abend auch noch sieben Mal Sex gehabt. Und ich bekomme dann Nachrichten von wildfremden Mädchen: „Kennst du mich nicht mehr? Wir hatten doch schon mal was miteinander!“

Immerhin können Sie die bösen Kommentare in den sozialen Netzwerken gelassener sehen als Stars, deren Identität man kennt.

Wenn jemand schreibt: „Nimm deine Maske ab, du peinlicher Stricher“ ist mir das völlig egal. Auch wenn er damit mich persönlich meint, trifft mich das nicht, weil ich innerlich tausendmal entspannter bin als der. Vielleicht hat so jemand ja auch nur einen schlechten Tag. Würde ich dem ohne Maske begegnen, würden wir vermutlich beste Freunde.

War Cro schon immer Ihr Spitzname für Carlo? Nennt Sie Ihre Mutter auch so?

Nein, das kommt vom Sprühen. Beim Graffiti fand ich drei Buchstaben geschickt. So wurde aus Carlo eben Cro. Einfach das „a“ und das „l“ weggelassen. Aber meine Mutter nennt mich noch immer Carlo – es wäre schon krass, wenn sie Cro sagen würde.

Fand Ihre Mutter gut, was Sie mit 15 gemacht haben?

Sie fand gut, dass ich Musik gemacht habe. Aber meine Texte? Nein. Sie sagte immer „Carlo, das kann man Oma nicht zeigen.“ Oder „Mach doch mal was für Oma“. Dann habe ich auf sie gehört und Songs gemacht, die man Oma zeigen kann. Und dann ging der Erfolg los.

In einer Sequenz sieht man Sie in Ihrem echten Kinderzimmer, das Sie zum Studio umgebaut haben. Sonst bleibt die Privatsphäre aber weitgehend verborgen...

Ich will ja auch nicht alles preisgeben. Es gab noch eine Sequenz im Haus meiner Familie, wo man meine Mutter, den Bruder und den Hund sieht. Und alle werden dabei immer ganz zufällig von Gegenständen verdeckt. Das haben wir dann aber noch nicht verwendet. Vielleicht hätten wir die Familie im Animationsfilm ja noch mit Melonen- und Erdbeermasken auftreten lassen können – aber das interessiert letztlich doch echt niemand.

In einem Teil des Filmes geht es darum, was wird mit Cro in 30 Jahren. Denken Rapper an die Rente?

Doch auch, klar. Aber ist noch viel zu weit weg. Früher habe ich immer nur an morgen gedacht. Mittlerweile denke ich ein halbes Jahr voraus. Irgendwann denke ich sicher auch einmal drei Jahre weiter. Aber dreißig? Nein! Man muss alles, was man hat, sofort genießen. Man kann im Kühlschrank seine Lieblingsnahrung nicht ewig aufbewahren, die wird schlecht. Das ist mir oft genug passiert.

Wäre Cro ohne Maske irgendwann einmal denkbar?

Nein, ich werde niemals als Cro ohne Maske auf die Bühne gehen. Das wäre völliger Quatsch.

Sie haben Ihr wahres Gesicht trotz Handy-Zeiten ziemlich gut im Verborgenen gehalten. Müssen Sie dazu Vorsichtsmaßnahmen treffen, um nicht erwischt zu werden?

Man muss ständig aufpassen, weil überall Gefahren von Fotografen lauern. Ich habe extra einen Bodyguard, der immer aufpasst, was hinter meinem Rücken passiert. Das ist besonders beim Feiern extrem wichtig. Manche sind da schon dreist und fotografieren trotz Verbot. Die bitte ich dann charmant um ihr Handy und lösche die Bilder – und ich weiß bei jedem Modell genau, wie das geht.

Wie groß war Ihr Einfluss auf dieses Projekt?

Egal was man im Leben macht, es ist ganz wichtig, sich selbst um die Dinge zu kümmern. Meine Erfahrung war immer, wenn ich Projekte schleifen lasse, wurden die nicht so, wie ich sie vorhatte. Deswegen war ich bei diesem Film absolut dabei. Das war meine Idee, mit meinem Partner Sebastian Fruner entstanden drei Varianten für das Drehbuch, die schließlich zu einem Skript wurden. Kurz vor Start kam noch Til Schweiger an Bord, der uns perfekt unterstützt hat.

Wie gefällt Ihnen die Schauspielerei?

Ich spiele Cro, das fällt mir ja zum Glück nicht sehr schwer. Ich will gar nicht behaupten, ich wäre Schauspieler. Wir machen natürlich einen Cro-Film, aber es ist nicht ein Film über Cro, in dem ich die Hauptrolle spiele und die ganze Zeit darauf hinweise: Hier geht es um mich. Nein, hier geht es um etwas anderes, aber ich bin dabei, und ich führe die Zuschauer unbemerkt durch den Film, tauche ständig wieder auf und kommentiere das Geschehen, beruhige und berate die Hauptfiguren bei ihren Problemen. Ich mache halt das, was ich kann.

Ihr Filmpartner David Schütter gilt als großes Nachwuchstalent. Was zeichnet ihn aus?

David? Der frisst alle auf. Der ist Welt! Der ist Macho. In Wirklichkeit ist er noch viel härter als im Film. Das ist einer, der mit Whiskey die Zähne putzt.

Im Film wird die Frage gestellt, ob die Schleyer-Halle in dreißig Jahren noch steht...

Die reißen hier doch alles ab, die Idioten. Der Satz ist eine kleine Hommage an alle Gebäude, die in Stuttgart nicht mehr stehen.

Wie schwäbisch ist der Rapper aus Stuttgart?

Gar nicht. Schaffe, schaffe, Häusle baue, das ist nicht meins. Ich wohne in Stuttgart, aber bei uns gibt’s keine Kehrwoche – existiert das überhaupt noch? Nur beim Essen bin ich ziemlich schwäbisch (Lacht).

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