Kirchheimer Fahrgäste sind begeistert von der E-Rikscha

Nach einem halben Jahr Vorbereitung kurvt die E-Rikscha jetzt durch Kirchheim. Die Fahrgäste beim Testbetrieb sind jedenfalls begeistert.

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  • In einem ungewohntem Gefährt durch eine vertraute Umgebung: Chauffeur Dieter Hutt mit seinen zwei Passagieren. 1/2
    In einem ungewohntem Gefährt durch eine vertraute Umgebung: Chauffeur Dieter Hutt mit seinen zwei Passagieren. Foto: 
  • Dieter Hutt fährt gerne mit der Rikscha umher. Umso besser ist es, wenn seine Mitfahrer wie Ruth Schöller ein Grinsen im Gesicht haben. 2/2
    Dieter Hutt fährt gerne mit der Rikscha umher. Umso besser ist es, wenn seine Mitfahrer wie Ruth Schöller ein Grinsen im Gesicht haben. Foto: 
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Ruth Schöller grinst über beide Ohren. Der Wind weht ihr durch die Haare. Wenn Fußgänger an ihr vorbeilaufen, winkt sie ihnen zu. Grund für ihre gute Laune: Endlich kann die Seniorin mit der „RiKi“, der Rikscha Kirchheim, durch die Fachwerkstadt fahren.

Im November ging das Crowd-funding-Projekt an den Start. Ziel war es, Senioren und Menschen mit Behinderungen ein Recht auf Wind im Haar zu geben und sie mit der Rikscha durch Kirchheim zu fahren. Auf der Facebook-Seite der Stadt bekam das Projekt positives Feedback, und immer mehr Menschen wurden darauf aufmerksam. 180 Spender haben letztlich ihren Geldbeutel gezückt und in den „roten Flitzer“ investiert. „Von Vereinen und Kirchen bis zu Privatpersonen – jeder hat etwas beigesteuert“, freut sich Anne-Katrin Stuth. Anfangs waren sich die Organisatoren nicht bewusst, wie viel Arbeit hinter dem Projekt steckt. Spender zu finden ist nicht leicht, weiß Simon Unrath vom Seniorenzentrum St. Hedwig: „Nicht jeder, der von der Rikscha begeistert ist, spendet für sie.“

In einer speziellen Rikscha-Garage beim Treffpunkt „wirRauner“ wartet das rote Gefährt jetzt auf seine Einsätze. Zehn Einrichtungen für Senioren und Menschen mit Behinderungen sind an den Fahrten bereits interessiert. Aber auch für Privatpersonen soll die Rikscha am Wochenende verfügbar sein. „Wenn der Enkel seine Oma, die schon lange nicht mehr in der Stadt war, herumfahren will, dann ist die E-Rikscha perfekt dafür“, erklärt die Besuchsdienstleiterin der Heinrich-Sanwald-Stiftung.

Eigentlich kann es jetzt losgehen, doch ein kleines Problem bleibt: „Wir brauchen mehr Radler“, sagt Dieter Hutt von der Initiative „FahrRad“. Bisher haben sich nur sieben ehrenamtliche Fahrer gemeldet. Viel zu wenig, wenn man bedenkt, dass sich schon bei den Probefahrten Stammgäste gefunden haben. „Es ist nicht schlimm, wenn jemand nur wenige Stunden Zeit hat. Wichtig ist, dass weitere Freiwillige gefunden werden“, erklärt Dieter Hutt.

Nicht nur auf dem Sattel der Rikscha mit elektronischer Unterstützung zu fahren, macht Spaß, sondern auch darin zu sitzen. Die ersten Runden drehte das Gefährt im Seniorenzentrum „An der Lauter“. „Die Senioren konnten es kaum erwarten mitzufahren“, erzählt Anne-Katrin Stuth, „es hatte sich eine richtige Schlange gebildet.“ Auch die 84-jährige Ruth Schöller ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, eine Runde mit der Rikscha zu fahren. „Meine Nachbarin hatte während der Fahrt Angst, aber mir hat es auf Anhieb gut gefallen“, sagt sie.

Wie gut es ihr gefallen hat, wird bei einer Probefahrt mit der „RiKi“ deutlich. „Ich habe einen Rollator, mit dem kann ich zwar in die Stadt laufen, aber es ist anstrengend und dauert ziemlich lange“, sagt die Kirchheimerin. Für sie kommt die Rikscha genau richtig. Während Dieter Hutt die Rikscha durch die Fachwerkstadt fährt, sieht man ihr an, wie wohl sie sich fühlt. Leute drehen sich nach ihr um. Ihre Haare sind vom Wind zerzaust, hin und wieder winkt sie den Fußgängern zu und genießt den Ausblick aus der Rikscha. „Das ist ein richtiges Cabrio-Gefühl“, erklärt Dieter Hutt.

Auf die Frage, wie ihr die Fahrt gefällt, antwortet sie: „Es ist so schön. Ich bin in Kirchheim aufgewachsen, wenn ich durch die Gassen fahre, werden Erinnerungen wach.“ Mit der Rikscha geht es nicht nur an die frische Luft, sondern auch zurück in die Kindheit. Die Fahrt führt vorbei an Schöllers Geburtshaus, an ihrer einstigen Schule und anderen Orten. Als Dieter Hutt über den Martinskirchplatz fährt, erzählt sie: „Hier wurde früher immer Eis aus riesigen Behältern verkauft. Und damals sind hier auch noch Pferdekarren gefahren.“

Für Ruth Schöller geht es zurück ins Seniorenheim. Ihr Gesicht spricht Bände: Es wird für sie nicht die letzte Fahrt in der Rikscha gewesen sein.

Die Rikscha Kirchheim ist ein Gemeinschaftsprojekt vom Treffpunkt „wirRauner“. Der ist eine Einrichtung hinter die der Heinrich-Sanwald-Stifung, das Seniorenzentrum Sankt Hedwig, die Initiative „FahrRad“ und der Verein „buefet“ stehen.

Wer Interesse an einer Rikscha-Fahrt durch Kirchheim hat, erfährt mehr im Quartierbüro „wirRauner“. Interessierte erreichen es unter Tel. (07021) 9 56 51 54. Im Internet stehen Informationen auf www.wir-rauner.de. Die Initiative sucht noch ehrenamtliche Fahrer.

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