Attac-Gründer spricht über Folgen der Globalisierung

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Über mangelnde Informationen konnten sich die Zuhörer wahrlich nicht beschweren, die der Einladung einer neu gegründeten Attac-Regionalgruppe gefolgt waren. Im kleinen Saal der Kirchheimer Stadthalle sprach Werner Rätz, Gründer von Attac Deutschland, vor einigen Tagen über die Anfänge und Aktionen seiner Organisation – und vor allem über die Verflechtungen von Konzernen, Banken und Politik.

Quasi alles hängt mit allem irgendwie zusammen, weshalb es nicht immer ganz einfach war, auf eine Frage eine kurze, prägnante Antwort zu geben. Während beispielsweise gerade Mal eine handvoll Konzerne die Chemieindustrie weltweit dominierten, sehe es in der Automobilbranche ganz anders aus, sagte Rätz. „Hier hat die Politik interveniert, und daran sieht man, dass die Politik sehr wohl mitgestalten kann.“

Rätz: Globalisierung ist gewollt

Er widersprach damit der Meinung, die in den 1990er Jahren entstand – nach Ende des Kalten Kriegs und dem damit einhergehenden weltweiten Sieg des Kapitalismus –, dass es zu dem nun vorherrschenden System keine Alternative gibt. „Globalisierung ist kein Schicksal, das einfach so über die Menschen kommt. Das ist politisch so gewollt“, erklärte Rätz.

Wie die Gruppe der wichtigsten Industrie-und Schwellenländer G 20 funktioniert, zeigte der Bonner an Beispielen auf. Eines davon: in Intervallen und zeitverzögert die gleichen Reformen in allen Mitgliedsländern etablieren. So sei in Deutschland Hartz IV entstanden, danach habe sich die Politik der Rentenprivatisierung gewidmet, dann der Gesundheitspolitik. „Es gibt kontinuierliche Arbeitsstrukturen in fast allen EU-Ländern.

„Nie finden solche Aktionen gleichzeitig statt, damit sich nicht staatenübergreifend Widerstand formiert und viele Menschen zeitgleich auf die Straßen gehen, um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen“, sagte er. Eine Fülle von Informationen gab es unter anderem zu Themen wie Finanzmärkte und Steuern, Freihandel, Krieg und Frieden oder Migration. Auch der G 20-Gipfel im Juli in Hamburg war Thema.

Die Kirchheimer interessierte aber auch, was für sie als neue Regionalgruppe wichtig ist.

Informieren und mitteilen

„Das ist zum einen die inhaltliche Ebene. Es geht darum, sich selber zu informieren und dann die gewonnenen Erkenntnisse anderen mitzuteilen“, sagte Rätz.

Wichtig seien vor allem lokale und regionale Themen. „Wenn man solche Felder bearbeiten kann, ist eine Regionalgruppe erfolgreich“, sagte er und nannte als Beispiel Augsburg. Das Attac-Team habe es dort bei zwei Bürgerentscheiden geschafft, gegen alle Fraktionen im Gemeinderat zu gewinnen – so etwa gegen die Privatisierung der Stadtwerke.

Nicht zu vergessen ist aus seiner Sicht, den Kontakt zu anderen Gruppen bundesweit zu suchen und zu halten, ebenso die Verbindung zu Attac Deutschland. „Ein bis zweimal im Jahr sollte man bei einer bundesweiten Kampagne dabei sein“, riet Werner Rätz der im Januar gegründeten Regionalgruppe aus Kirchheim. Iris Häfner

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