Unwetter in Schwäbisch Gmünd fordert zwei Tote

Nach dem schweren Unwetter in Schwäbisch Gmünd wurden am Montagmittag ein vermisster Mann und ein Feuerwehrmann tot aus einem Kanalschacht in einer Bahnunterführung geborgen.

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In Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) lief am Sonntagabend bei dem schweren Unwetter die Bahnunterführung ins Taubental nahezu vollständig mit Wasser voll. Dort, zwischen einem Wohngebiet und dem Stadtzentrum, spielte sich gegen 22 Uhr eine Tragödie ab. Aus einem Kanalschacht, voll gelaufen mit braunem Schlamm, bergen Polizeitaucher am Montag gegen 12.20 Uhr die Leichen der 21 und 38 Jahre
alten Männer -  rund 14 Stunden zuvor waren sie vom Wasser mitgerissen worden. 

Der junge Mann aus Schwäbisch Gmünd wird von den Wassermassen weggezogen, als er wohl einen Ball vor den Fluten retten will. Ein Feuerwehrmann aus Schwäbisch Gmünd versucht, ihn zu retten - und verschwindet ebenfalls in dem Kanalschacht, wo beide sterben. Vermutlich sei zuvor ein Kanaldeckel weggespült worden, sagt Bernhard Kohn, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Aalen. Dann sei möglicherweise ein extremer Sog entstanden.

Am Montag war die Unterführung mit Bauzäunen und blickdichter Folie abgesperrt. „Das ist so ein großer Schock für die Menschen hier“, sagt Stadtsprecher Markus Herrmann. Die Gmünder Feuerwehr zeigt sich
„erschüttert über den Tod des ehrenamtlichen Feuerwehrkameraden“. „Mir ist es eiskalt den Rücken runtergelaufen“, sagt der Leiter eines Bausparkassen-Büros in Sichtweite der Unterführung, Christoph Riehm
(48), zum Tod der Männer.

Die Bergung der Verunglückten begann am späten Montagvormittags. Problematisch war nach Polizeiangaben, dass noch immer Wasser aus dem Hang in den Schacht strömte und eine Menge an Schlamm und angeschwemmte Gegenstände mitbrachte. Mitarbeiter der Stadtwerke und des Baubetriebsamtes der Stadt sicherten die Kanäle durch das Einbringen sogenannter Blasen. Als nur noch wenig Wasser nachkam, stiegen die Polizeitaucher auch Stuttgart und Heilbronn in das Kanalsystem ein und fanden gegen 12.20 Uhr in unmittelbarer Nähe des Kanaleinlaufs die verunglückten Männer. Die Bergung der beiden Leichen war gegen 14 Uhr abgeschlossen. 

Noch sind die Umstände und Abläufe des Unglücks nicht abschließend ermittelt, der Kriminaldauerdienst Schwäbisch Gmünd und die Kriminalpolizei Aalen haben, in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Ellwangen, die Ermittlungen aufgenommen. Die Taubental-Unterführung muss für Reinigungsarbeiten und technische Überprüfungen noch für den Montag gesperrt bleiben.

Über das Unglück geraten die Schäden an mehreren Hundert Häusern in der Stadt beinahe in den Hintergrund. Am Tag nach dem Hochwasser seien die Menschen in Aufruhr, in der Stadt herrsche Chaos, sagt Riehm. Am Sonntag, als sich das Drama gegen 22 Uhr ereignete, habe sich die Lage eigentlich gerade entspannt, sagt Oberbürgermeister Richard Arnold. „Mit dem abziehenden Wasser haben wir schon Erleichterung verspürt.“
Dann aber habe ihn die Meldung der zwei Vermissten erreicht. „Das war ein Schlag.“

Von den Wassermassen, die in die Unterführung flossen, wurde auch das Sportgeschäft von Irena Schoell (43) geflutet. Das Wasser stand gut einen Meter hoch, wie Spuren an den Wänden zeigen. Helfer werfen nun
Kleider, Schuhe, Schaufensterpuppen in einen Container im Hof. „Das 
ist ein Alptraum“, sagt Schoell. 

Unterführungen und Keller laufen voll

Die starken Regenfälle des Unwetters am späten Sonntagnachmittag haben in Schwäbisch Gmünd Unterführungen und Keller überflutet und zahlreiche Schäden angerichtet. Das Unwetter über der Ostalb ließ nach Angaben der Stadtverwaltung die Pegel der Rems und des Josefsbachs innerhalb kürzester Zeit auf Höchstwerte ansteigen. Die Rems kletterte dabei auf einen Pegel von über 2,71 Meter. Die Feuerwehr Schwäbisch Gmünd war mit allen Abteilungen im Einsatz.

Die Zahl der Keller, die vollgelaufen sind, könne derzeit nicht abgeschätzt werden - die meisten Unterführungen in Schwäbisch Gmünd seien komplett vollgelaufen. Zahlreiche Fahrzeuge standen komplett im Wasser, zum Teil wurden dabei auch Fahrzeuginsassen von den Einsatzkräften befreit. Im Hölltal waren mehrere Personen für längere Zeit durch die Wassermassen in einer Gaststätte von der Außenwelt abgeschnitten. Unterstützt wurden die Gmünder Einsatzkräfte von den Feuerwehren Stuttgart und Lorch. Zusammen mit der Polizei, dem Baubetriebsamt, dem Tiefbauamt und anderen Einsatzkräften wurde im Gmünder Feuerwehrhaus ein kleiner Krisenstab eingerichtet.

Zahl der Schäden noch offen

Für viele Keller - beispielsweise im Bereich des Marktplatzes, der ebenfalls fast einen Meter unter Wasser stand - werden erst am Dienstag Aussagen über eine Überflutung vorliegen. Die Einsatzkräfte weisen derzeit ausdrücklich darauf hin, dass aufgrund der Vielzahl der Fälle eine Priorisierung der Einsätze notwendig ist. Dort wo Gefahr an Leib und Leben drohe, werde zuerst gehandelt. Im Moment stünden rund 200 weitere Einsatzorte an, vor allem vollgelaufene Keller. Nicht jedes betroffene Haus könne derzeit sofort angefahren werden.

Für die Nacht drohen weitere Regenfälle. Für die Absicherung besonders schwieriger Situationen stehen im Baubetriebsamt in Schwäbisch Gmünd Sandsäcke bereit, teilt die Stadtverwaltung mit.

Unser NWZ-Redakteur hat ein Go-Pro-Video vom Hochwasser in der Weststadt Schwäbisch Gmünds (Stiftsgutweg/Eutighofer Str.) nach dem Unwetter am Sonntag geschickt:

 


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