Heftiger Streit am Kriegerdenkmal

Gut 15 Vermummte haben am Sonntag fünf Personen am Kriegerdenkmal in der Mörikestraße angegriffen. Einer der fünf erlitt schwere Verletzungen. Die Polizei schließt nicht aus, dass der Streit politisch motiviert war.

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Das Kriegerdenkmal im Oberhofenpark (vorne) und eine Installation aus Holz (im Hintergrund).  Foto: 

Am Volkstrauertag gedenken die Menschen in Deutschland den Opfern der beiden Weltkriege. Als am Sonntag gegen 17.50 Uhr fünf Personen am Kriegerdenkmal in der Mörikestraße Fackeln anzündeten und Blumen niederlegten, brach kurze Zeit später ein heftiger Streit aus. 15 Vermummte griffen mit Baseballschlägern an. Sie sollen laut Judith Wolf, Pressesprecherin der Polizei, auch mit Flaschen geworfen haben.

Um sich in Sicherheit zu bringen, flüchteten das Quintett in Richtung der Östlichen Ringstraße. Da die Angreifer die Verfolgung aufnahmen, brach die Auseinandersetzung von neuem los. Nun soll auch Pfefferspray eingesetzt worden sein, wie die Polizei weiter berichtet. Einer der Angegriffenen erlitt schwere Verletzungen und liegt inzwischen in einem Krankenhaus.

Als Anwohner den Vorfall bemerkten, riefen sie die Polizei. Die Vermummten flüchteten daraufhin zu Fuß zur Stadthalle, wo sie in mehrere Fahrzeug einstiegen und in Richtung Hohenstaufenstraße davonfuhren. Die Fahndung brachte keinen Erfolg ein.

Denkmal sorgte oft für Ärger

Das Kriegerdenkmal in Göppingen ist stark umstritten. Die beiden Soldaten aus Stein stehen seit 1938 im Oberhofenpark. Ihre Köpfe sind erhoben, der Blick geht starr geradeaus. Schon seit langem streiten die Göppinger über die Bedeutung des Denkmals: Soll es lediglich Trauer für Gefallene in den Weltkriegen ausdrücken oder handelt es sich um bloße Heldenverehrung der Nazis? Immerhin hatten die Nationalsozialisten die beiden Soldaten aus Stein aufstellen lassen.

Ursprünglich stand dort ein anderes Mahnmal für die Kriegstoten: eine Pieta des Künstlers Jakob Fehrle, die eine Mutter zeigt, die um ihren toten Sohn trauert. Sie sollte die Grausamkeit des Krieges ausdrücken.

Aus Ermittlungsgründen hält sich die Polizei im Moment noch bedeckt. Sie hofft auch auf Zeugen, um den Fall aufzuklären. Sie sollen sich melden unter: (0731) 18 80.

Rechte rufen zu Gewalt auf

Am Montag verbreitete im Internet ein „Aktionsblog Württemberg“, der bis dato auch der Polizei unbekannt war, Fotos von fünf Personen, die mit Fackeln und Fahnen vor dem Kriegerdenkmal stehen, angeblich am Volkstrauertag. Dazu heißt es: „In Göppingen versammelten sich hierzu volkstreue Männer und Frauen am örtlichen Kriegerdenkmal.“ Auf der erst wenige Tage alten rechtsextremen Seite werden auch Aufrufe zur Gewalt verbreitet. So heißt es etwa mit dem Hashtag „#nszone“: „Bildet Banden! Jeder kann etwas tun, um aus seiner Stadt eine bessere zu machen!“ Bei einem Foto von rechtsextremen Aufklebern und einem Gewehr steht: „Es lebt der Widerstand im Kampf gegen das System.“

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