"Von dir ist nichts mehr übrig"

Eislingen.  Mobbing in der Stadtverwaltung. Wie das Problem der Arbeitswelt eindrücklich in Form eines Bühnenstücks aufgearbeitet werden kann, interessierte 200 Besucher, die das Kammerspiel in Eislingen sahen.

Im Rahmen der städtischen Kulturreihe war das Stück "Mobbing" nach dem Roman von Annette Pehnt in der Eislinger Stadthalle zu sehen. Für seine Inszenierung wählte Regisseur Michael Heicks eine interessante Perspektive. Die Ehefrau von Jo erzählt die Geschichte in einem neunzigminütigen Monolog.

Jo wurde nach einem eskalierenden Konflikt mit seiner neuen Chefin aus der Stadtverwaltung entlassen. Gilla Cremer als Ehefrau bringt damit eine weitere Ebene des Konflikts neben Täter und Opfer mit ein: die, auf der sich die Angehörigen des Mobbingopfers bewegen. In der Erzählung wird deutlich: Mobbing ist komplexer als eine Geschichte von Opfer und Täter, als die von Ungerechtigkeit und Leiden. Schuld ist eben nicht immer eindeutig zuzuordnen.

Es wird gezeigt, welche Kreise Mobbing im Extremfall zieht, welche Auswirkungen es auf das Privatleben und schließlich die eigene Existenz und die des Partners haben kann.

Verkörpert wird Jo von dem Cellospieler Patrick Cybinski, der in einem Glaskasten sitzt. Ausgegrenzt und doch begafft. Nah und doch weit weg: Die Kommunikation ist gestört, auch zwischen Menschen, die anfangs nicht direkt in den Mobbing-Prozess verwickelt sind. Die Cello-Stücke sind szenischer Kommentar, dann wieder Teil eines Dialogs mit der Ehefrau.

Jo Rühlers Frau ruft manchmal mit lauter Stimme, als müsse sie weite Gräben überwinden. Sie klagt, sie leidet mit, sie ist wütend, sie ist frustriert und sentimental - wenn sie an den Jo vor dem Mobbing denkt. Doch den gibt es nicht mehr. Ihre Gefühlslagen wechseln. Es herrscht Krieg, an allen Fronten. "Nur die Einschusslöcher sieht man nicht, sagt die Ehefrau einmal in ihrem Monolog.

Die Zuschauer nehmen teil am Entwicklungsprozess der Frau, der Familie, des Freundeskreises. Erleben den Abschied von einer modernen, vermeintlichen Mittelstandsidylle. Die Zuschauer erhalten aber auch Einblick in die mitfühlende Schadenfreude der Freunde. Blumen werden zu Pfeilen - und stecken bald wie ein Slalomparcours auf der Bühne, von der Ehefrau in den Boden gerammt.

"Von dir ist nichts mehr übrig, stellt die Ehefrau von Jo am Ende fest. Der Konflikt hat alles zerstört.


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Autor: AXEL RAISCH | 08.02.2012

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