Tiefer Griff ins "Sparkässle"
Böhmenkirch. Sparen ist für schlechte Zeiten. So auch in Böhmenkirch: Dort ist man froh, dass das "Sparkässle" Gemeindewald mit 512 Hektar stets gut gefüllt ist und man in Krisenzeiten wie jetzt auch tiefer reingreifen kann.
Wo andere Kommunen schon mit einer schwarzen Null zufrieden sind, ist der Gemeindewald für Böhmenkirch ein echter Wirtschaftsfaktor. So hat das dank seiner 512 Hektar Fläche immer gut gefüllte "Sparkässle" im vergangenen Jahr satte 184 700 Euro Gewinn abgeworfen. Das sind sogar rund 60 000 Euro mehr als Revierleiter Wolfgang Mangold ursprünglich eingeplant hatte. Jetzt erläuterte Mangold zusammen mit Oberforsträtin Silke Lanninger vom Forstamt Göppingen dem Gemeinderat die Gründe:
Mit nur 337 Festmeter Käferholz und 65 Festmeter Sturmholz fiel in 2009 vergleichsweise wenig Schadholz im Böhmenkircher Wald an. Im Plan für 2009 war Mangold noch von 800 Festmetern ausgegangen.
Dadurch mussten die Waldarbeiter auch weniger zur Motorsäge greifen. Statt der aufwendigen "motor-manuellen" Aufarbeitung kamen billigere Vollernter zum Einsatz.
Dass die Waldarbeiter im Gegenzug verstärkt im Bauhof eingesetzt (und auch entsprechend verrechnet) wurden, hat das Ergebnis ebenfalls um 30 000 Euro verbessert.
Schließlich haben auch die stabilen Holzpreise zum guten Ergebnis beigetragen. Während der stets vorsichtig kalkulierende Revierförster bei der Aufstellung des Planes mit fallenden Preisen rechnete, gab der Markt nicht nach. Im Gegenteil: Da die durch Spekulationen über fallende Preise ebenfalls verunsicherten Privatwaldbesitzer kaum Holz einschlugen, kam es gegen Ende des Jahres sogar zu einer verstärkten Nachfrage bei den Sägewerken, wodurch auch die Preise leicht anstiegen. Alle diese Faktoren haben dazu beigetragen, dass Böhmenkirch mit den 184 700 Euro für die 5335 geschlfenen Festmeter eines der besten Ergebnisse seit Jahren im Wald erzielt hat.
2010 soll sogar noch mehr herausspringen: In diesem Jahr rechnet Mangold mit einem Überschuss von 210 000 Euro. Neben diesmal höher kalkulierten Holzpreisen resultiert die Steigerung auch aus einem erheblich höheren Einschlag: Statt des im Zehn-Jahres-Plan der Forsteinrichtung vorgesehenen Hiebsatzes von 5138 Festmetern stehen im neuen Forstwirtschaftsplan 5950 Festmeter. So viel Holz haben die Böhmenkircher schon lange nicht mehr aus ihrem Wald geholt.
"Wir folgen damit einem Wunsch der Gemeinde, die uns angesichts ihrer schwierigen Haushaltssituation um einen erhöhten Einschlag gebeten hat", erläuterte Mangold am Mittowch. "Der Gemeindewald wird dadurch aber nicht geplündert. Das ist eine einmalige Aktion", versicherte der Revierleiter im gleichen Atemzug. 2010 sei eine besondere Situation, in deren Folge "man auch mal ins Sparkässle greifen kann - zumal es der Markt zulässt", ergänzte Bürgermeister Jürgen Lenz. Nur wenige Minuten zuvor hatte Lenz an die angespannte Liquidität erinnert: So musste die Gemeinde allein in den letzten zwei Monaten 1,8 Millionen Euro Gewerbesteuer zurückzahlen.
Angesichts dieser Vorzeichen gab es im Gremium kaum Diskussionen. Nur Gerhard Michalka zweifelte, ob man sich 6000 Festmeter Holzernte leisten könne, wenn im Gegenzug nur 1450 Neupflanzungen vorgesehen seien. Mangold hat keine Bedenken. Zum einen sei der Einschlag nur heuer so hoch, zum anderen funktioniere die natürliche Verjüngung der Fichte hervorragend: "Es ist eher schwierig, überhaupt noch freie Flächen für Aufforstung von Laubbäumen zu finden." Walter Aubele wollte wissen, ob die Fichte - mit 60 Prozent Fläche der "Brotbaum" im Gemeindewald - angesichts des Klimawandels überhaupt noch Chancen hätte auf der Alb. "Wenn die Fichte noch funktioniert, dann in unserer Höhenlage", beruhigte der Revierleiter, bevor alter und neuer Forstwirtschaftsplan genehmigt wurden.
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Autor: THOMAS HEHN | 11.03.2010
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Waldarbeiter der Gemeinde Böhmenkirch bei der Arbeit: Im vergangenen Jahr hat sich ihr Einsatz besonders gelohnt: Mit 184 700 Euro hat die Kommune das beste Ergebnis seit Langem im Wald eingefahren. Foto: Wolfgang Mangold
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