Säulen statt Starenkästen

Geislingen.  Die Ausgabe dürfte sich lohnen: 140 000 Euro für eine neue Technologie zum Tempomessen. Allein auf Eybachs Ortsdurchfahrt werden jährlich weit mehr als 100 000 Euro Bußgelder fällig.

Die acht "Starenkästen", die auf Geislinger Gemarkung stehen, spülen alljährlich bis zu 200 000 Euro ins Stadtsäckel. Allerdings: Die Anlagen sind sehr störungsanfällig, weshalb einige von ihnen nicht mehr mit einer Kamera bestückt werden können. Und eine Reparatur würde sich an manchen Standorten nicht rechnen.

Denn sobald sich die Kontaktschleifen im Asphalt nur wenige Millimeter verschieben, halten die gemessenen Werte keiner juristischen Prüfung stand. Abhilfe schaffen nur kostspielige Baumaßnahmen. Doch inzwischen häufen sich die Schäden, denn seit der Schwerlastverkehr deutlich zugenommen hat, deformieren sich unter dem enormen Gewicht die Straßendecken.

Auf der Suche nach einer Lösung ist Ordnungsamtsleiter Paul Thierer auf die neuartigen Anlagen gestoßen, die seit geraumer Zeit auf der B 10 zwischen Esslingen und Stuttgart stehen: geradezu formschöne Säulen, in denen sich modernste Lasertechnik verbirgt. Bei ihnen erfolgt die Geschwindigkeitsmessung nicht mehr mit Hilfe zweier Induktionsschleifen, die nacheinander überfahren werden, sodass der Computer aus der winzigen Zeitdifferenz dieser Kontakte das Tempo errechnen kann - und dies im wahrsten Sinne des Wortes blitzartig. Denn sobald die zulässige Geschwindigkeit überschritten wird, zuckt der fotografische Blitz.

Für die neuen Säulen bedarf es keiner solchen Kontaktschleifen. Die Messung übernimmt ein Laser, wie er auch auf den Autobahn-Mautbrücken zur Identifizierung der Lastwagen genutzt wird. Weiterer Vorteil laut Thierer: Es kann auf mehreren Spuren "geblitzt" werden und die Fotos gelangen per Datenfunk direkt zur Bußgeldstelle.

Weil sich also keine Filmkassette mehr in der Messstelle befindet, können sich laut Thierer ertappte Temposünder nicht durch Diebstahl der gesamten Anlage vor Bußgeld und Fahrverbot schützen.

Zweimal ist dies seit der Installation des ersten Starenkastens 1994 in Geislingen geschehen: im Februar 1998 in Waldhausen und im Oktober 2006 in Eybach.

Seit 2007 stehen zwei Kameras zur Verfügung, mit denen die acht Gehäuse wechselweise "scharf" gemacht werden können - in der Wiesensteiger-, Überkinger- und Rheinlandstraße, in Stötten, Türkheim und Aufhausen sowie zwei auf der Ortsdurchfahrt von Eybach.

Thierer möchte nun schrittweise auf die neue Technologie umstellen und damit am lukrativsten Standort beginnen - nämlich an der Eybacher Ortseinfahrt bei der Eybtalhalle. Dort werden seit Jahren regelmäßig rund 100 000 Euro "eingespielt", sodass sich die Anschaffung innerhalb kürzester Zeit amoritisieren dürfte. Für den kommenden Stadthaushalt hat Thierer 140 000 Euro angemeldet, mit denen er den Einstieg in die neue Messtechnik finanzieren möchte. 10 000 Euro entfallen dabei auf die Säule. Mit dem restlichen Geld sollen gleich zwei Kamera-Einschübe gekauft werden, um möglichst bald weitere Standorte bestücken zu können, an denen "Starenkästen" den Säulen weichen sollen. Thierer rechnet damit, dass ihm der Gemeinderat grünes Licht gibt.


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Autor: MANFRED BOMM | 05.01.2012

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