New Yorker Exzentrik und Hang zu bizarrer Melancholie

Geislingen.  Das amerikanische Duo Christy & Emily und zwei Mitmusiker geben am Samstag, 25. Februar, ab 20.30 Uhr ein Konzert bei der Rätsche in Geislingen.

Jeder Song ist eine Geschichte und beeindruckt für sich. Auf "Struktur" wird oft verzichtet, dafür ungewöhnlich instrumentiert. Und gerade das Ungewöhnliche, aber Eingängige, gepaart mit dem zauberhaften Gesang, der zerbrechlich und unheimlich ergreifend über den Soundsphären schwebt, macht die Musik von Christy & Emily, die am Samstag in Geislingen zu hören ist, zu einem besonderen Erlebnis zeitgenössischer Musik. Sie sprengt die musikalischen Normen von Folk und Avantgarde und reicht weit über den normalen Singer/Songwriter-Rahmen hinaus. Das ist nicht verwunderlich, wenn eine studierte Designerin und Künstlerin (Christine Edwards) die Gitarre autodidaktisch mit einem Metallica-Noten-Buch lernte, auf eine studierte, mehrfach für ihre John Cage-Interpretationen ausgezeichnete klassische Pianistin (Emily Manzo) mit Schwerpunkt Neue Musik trifft. New Yorker Exzentrik und der Hang zu bizarrer Melancholie paaren sich dabei mit romantischer Poesie und liebevoll intonierter Sehnsucht nach traditioneller amerikanischer Folkmusik.

Christy & Emily waren schon etliche Male in Deutschland auf Tour. Zum Jahresende beziehungsweise zum Ende ihrer aktuellen Tour, wird ihr neues Album erscheinen. Naturgemäß warten die beiden nicht nur dort, sondern auch live mit einigen Überraschungen auf. So ist zum Beispiel aus dem Duo eine veritable, vierköpfige Band geworden wie man am Samstag bei der Rätsche sehen kann.

Die legendären "Nightingales" aus Großbritannien um Ur-Punk Robert Lloyd waren nach einem Support-Gig der beiden Frauen aus New York, die innige und gefühlvolle Songs sangen, derart begeistert, dass sie sie als Special Guest zu ihrer Europatour einluden. So spielten Christy & Emily auch auf dem Klangbad-Festival im oberschwäbischen Scheer mit der Creme de la Creme des musikalischen Undergrounds. Das Publikum begleitete ihren Auftritt mit offenen Mündern.

Danach kam Hans Jochen Irmler, Festival-Organisator, Produzent, Mitbegründer der 70er-Jahre-Krautrockgruppe Faust und Betreiber des Klangbad-Labels sowie des Fauststudios, auf die beiden zu. So kam ihr drittes Album "No Rest" zustande, das nicht nur die tonangebende Musikszene Brooklyns zum Ausdruck bringt und sich irgendwo zwischen Velvet Underground, Tim Buckly und Eric Satie bewegt - eine sehr rare, echte Entdeckung.


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Autor: SWP | 22.02.2012

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