Mauern löchrig wie ein Schweizer Käse
Eislingen. Der Verfall der Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei Adler beschäftigt viele Eislinger. Der Besitzer und die Stadt tun sich schwer, einen gemeinsamen Weg zur Sanierung zu finden.
"Das ist mein Büro", deutet Adolf Holzherr auf den oberen Teil eines unverputzten Gebäudes. Im Untergeschoss betreibt der Eislinger eine Getränkehandlung. Sonst ist das riesige Areal im Zentrum von Eislingen vor allem ein Abstellplatz zahlreicher Utensilien. Es handelt sich um das Gelände der ehemaligen Adler-Brauerei, Holzherr ist Eigentümer des etwa 1800 Quadratmeter großen Areals.
Viele Eislingen blicken mit Sorge auf die historischen Gebäude. Große Teile sind in einem schlechten Zustand, immer mehr verfällt. "Da wo die Türme sind, ist der älteste Teil." Holzherr zeigt auf ein hohes Fachwerkgebäude, dessen Mauern an einen Schweizer Käse erinnern. Der Verfall ist unübersehbar. "Da soll der Gründer der Becks-Brauerei gelernt haben." Heinrich Beck hatte sein Handwerk in Eislingen gelernt, war ausgewandert und kehrte nach Bremen zurück, wo er seine Brauerei gründete.
Der Adler in Eislingen hat eine längere Tradition. Von 1493 stammt eine urkundliche Erwähnung. 1880 heiratete Karl Oskar Holzherr, Adolf Holzherrs Urgroßvater, in die Brauereifamilie ein. Karl Oskar Holzherr wollte bald modernisieren, aber die Verhandlungen mit der Stadt seien damals schwierig gewesen, ist dem Buch "Eislingen. Stadt der Vielfalt" zu entnehmen.
Im 21. Jahrhundert scheint sich wenig geändert zu haben. Die für den Erhalt des Brauereiensembles aus der Gründerzeit erforderliche Sanierung kommt nicht von der Stelle. Dabei war der Besitzer durchaus sanierungswillig, hatte Vorstellungen und ließ Pläne zeichnen. Ob diese Bereitschaft immer noch da ist, muss sich noch zeigen. Denn Holzherr ist massiv verärgert über Stadtverwaltung und Stadträte.
"LGNPCK" steht auf dem Button, den der 56-Jährige an der ärmellosen Jacke befestigt hat - ein Anstecker, wie ihn viele Gegner des Tiefbahnhofprojekts Stuttgart 21 bei den Demonstrationen tragen. Für Holzherr hat die Aufschrift ohne Vokale Lokalbezug. Er fühlt sich von der Stadt schlecht behandelt.
Dass er bereit ist, Geld in die Hand zu nehmen, um alte Substanz zu erhalten, hat er in der Nachbarschaft des Adlers gezeigt. Dort hat der Eislinger vor etwa sieben Jahren das Gebäude sanieren lassen, in dem seither das Café Da Damiano seine Gäste bewirtet.
Danach wollte er auch den Brauereikomplex angehen. "Nachdem das Café lief, ging ich zur Stadt." Holzherr wollte hinter der Gaststätte Adler einen Biergarten einrichten. Zunächst sei diese Idee mit Begeisterung aufgenommen worden. Im Grundsatz hat sich daran nichts geändert. "Erlebnisgastronomie" werde aktiv gefördert, sagt Thomas Schuster. "Wir waren zur gastronomischen Nutzung positiv eingestellt", so der Beigeordnete.
Auch Holzherr trieb seine Pläne voran. "Wir haben uns wirklich Gedanken gemacht", erzählt seine Lebensgefährtin Anita Deubler. Es sollte eine Einrichtung mit mediterranem Ambiente werden. Sogar Messen seien besucht worden. Auf dem ganzen Gelände und auch im großen Saal über dem Adler stehen Pflanzen und Gegenstände wie leere Holzfässer, die für den Biergarten hätten verwendet werden sollen. An eine Bühne und einen Spielbereich für Kinder war gedacht.
Die Pläne platzten, als es an die Umsetzung ging. Holzherr sah die Möglichkeit, Häuser an der Hindenburgstraße zu kaufen. Da wollte er Parkplätze und eine Ausfahrt schaffen, um für das Areal eine Einbahnregelung zu erhalten. Damals habe die Stadt bei den Häusern mit dem Vorkaufsrecht gedroht, erinnert sich der 56-Jährige. Dass der Häuserkauf durch die Stadt ein Thema war, bestätigt Thomas Schuster. Die Pläne seien aber wegen anderen Details nicht weiter verfolgt worden. So hätte der Bauherr auch Gutachten zum Lärmschutz der Anwohner beibringen müssen.
Seit fünf Jahren kommt die Sache nicht mehr voran. Eine Million Euro müsste Holzherr nach eigener Einschätzung investieren. Die Verhandlungen mit Schuster sind laut Holzherr in guter Atmosphäre verlaufen. Dies sieht auch der Baudezernent so. Holzherr: "In Eislingen wird das Gerücht verbreitet, dass ich und Herr Schuster nicht miteinander reden können. Das stimmt so nicht. Er hat seine Auffassungen, ich habe meine." Im Übrigen hätten ihn auch Gespräche mit verschiedenen Stadträten und vor etwa einem Jahr mit Oberbürgermeister Klaus Heininger nicht weitergebracht.
"Jetzt sieht es so aus, als mache er aus Protest nichts", meint Anita Deubler. Dabei gelte es, einen gemeinsamen Weg zu finden. Baudezernent Schuster hält dies für möglich. Schließlich entstehe in dem Bereich das neue Eislinger Zentrum. "Der ganze Bereich wird städtebaulich aufgewertet." Er könne sich eine städtebauliche Lösung vorstellen, die ein Gegengewicht zur neuen Stadtmitte schafft. Auch finanziell tut sich was. Denn für den Adler gilt laut Schuster eine Einzelfallregelung, welche die Deckelung der Förderung aufhebt. "Ich denke, wir müssen miteinander reden."
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Autor: DANIEL GRUPP | 04.02.2012
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Konkrete Pläne für den Biergarten im Adler-Gelände haben Anita Deubler und Adolf Holzherr entwickelt. Die Umsetzung kam nicht voran.
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