Kälbchen, Kuchen und Käse

Lauterstein.  Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Der Albhof in Lauterstein öffnete seine Stalltüren, und mehr als 50 Naturfreunde ließen sich zur Hofbesichtigung mit Verköstigung verführen.

Der Albhof. Von grünen Wiesen und Feldern umrahmt, befindet er sich zwischen Lauterstein und Böhmenkirch auf dem Albuch. Nicht nur die Gegend erinnert ein wenig ans Allgäu, nein auch die Milch, verschiedene Milchprodukte nebst über 20 Käsesorten der freilaufenden Kühe lassen jedes Feinschmeckerherz höher schlagen. Kommt der Familienbetrieb nächstes Jahr ins Schwabenalter, begann seinerzeit noch im Ortskern Weißenstein mit sechs Kühen und einer Handvoll Schweinen die Erfolgsgeschichte. Schon kurz darauf war die Umsiedlung zum heutigen Standort. Zehn Jahre nach dem großen Brand erhielt der Albhof 1992 schließlich die Zulassung als Vorzugsmilchbetrieb, und vier Jahre danach erfolgte der Anbau des Freiluftstalls für 230 Tiere. 1997 kam dann die Einrichtung der separaten Hofmolkerei, und die Produktpalette mit Joghurt, Sahne, Quark und Käse wird seitdem ständig erweitert.

Bevor die Hofführung eingeleitet wurde, zeigte Sonja Freihalter einen Filmbeitrag und berichtete über Herstellungsverfahren und Produktpalette. "Leider ist eine Besichtigung unserer Hofmolkerei und Käserei aus hygienischen Gründen nicht möglich", ließ die dreifache Mutter wissen. Schade, aber nachvollziehbar. So machte sich die altersmäßig bunt gemischte Gruppe auf den Weg in den Stall. "Morgens um sechs und abends um acht brauchen die beiden Melkerinnen für 130 bis 150 Kühe ungefähr zwei bis drei Stunden. Und das natürlich 365 Tage im Jahr. So kommen durchschnittlich pro Kuh und Jahr circa 7000 bis 8000 Liter Milch zusammen", berichtet die Gastgeberin und fügt hinzu, dass im Melkstand gleichzeitig acht Tiere am "Zapfhahn" hängen und die gesunde Vitaminbombe bereits während des Melkvorgangs auf vier Grad runter gekühlt wird. Bis zu 50 Kilogramm Futter und 150 Liter Wasser vertilgt so ein Wiederkäuer. Zudem sind alle mit einem Sensor ausgestattet und der ist wiederum mit dem Computer verbunden, somit wird kein Rindvieh vergessen.

"Oh sind die süß", ertönt es plötzlich aus vielen Ecken. Damit ist nicht die gefleckte Mama, sondern deren herzallerliebster Nachwuchs gemeint. Fortan war Kälbchenstreicheln angesagt. Erstaunlich, dass immerhin 90 Prozent der Kühe ohne fremde Hilfe gebären. Kaum auf der Welt, werden Mutter und Kind getrennt und mit der dunkelgelben dickflüssigen Biestmilch aufgezogen. Nach der Säuglingsstation folgte der Kindergarten. Da ging es schon etwas lebhafter zu. Dann ging es weiter ins "Wohnzimmer" der ausgewachsenen Rinder.

Wie bei den Menschen haben die Tiere unterschiedliche Vorlieben - manche sind lieber drinnen, andere zieht es nach draußen. So wie anschließend die Besucher. Jetzt ging es nämlich zur Biogasanlage, die man gleichfalls nur von außen begutachten konnte. Der Begriff "Biogas" bezeichnet ein Wasserdampf gesättigtes Gasgemisch aus 40 bis 80 Prozent Methan und 20 bis 60 Prozent Kohlendioxid, das bei der anaeroben Fermentation, also Gärung unter Sauerstoffausschluss, entsteht. Als Einsatzstoffe für die Gärung werden nachwachsende Rohstoffe wie Mais, Getreide, Gras oder Sonnenblumen sowie natürlich Gülle verwendet. Diese Stoffe bilden unter Luftabschluss und durch die Zufuhr von Wärme Biogas. Dieses Gas wird in einem Blockheizkraftwerk verbrannt. Der Strom wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist.

Nach so viel Technik hatten die Besucher bestimmt einen Riesenhunger. Die Familien Annette und Theo sowie Brigitte und Wendelin Schömbucher inklusive Sonja Freihalter hatten jede Menge leckere Kuchen gebacken. Für die "Herzhaften" unter den Gästen wartete eine üppige Käsetafel mit allerlei Joghurtsorten.


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Autor: SABINE ACKERMANN | 02.09.2010

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