In zehn Tagen vom Lech an die Fils Lars Konarek: Experiment zum Überleben

Geislingen.  Ein ungewöhnlicher Typ. 32 Jahre alt, Nahkämpfer, einer fürs Extreme: Lars Konarek, der in Geislingen Überlebenstraining anbietet, startet ein Experiment: zehn Tage ohne Nahrung im Gelände.

Egal, obs frostig kalt ist, regnet oder schneit: Ab nächsten Freitag wird sich Lars Konarek, der Mann fürs Grobe, vom Lech bei Augsburg aus zehn Tage lang nach Geislingen durchschlagen: ohne Gepäck, ohne Proviant, ohne Werkzeug, Messer, Uhr, Streichhölzer, Handy.

"Es gibt nichts, was mich an dieser Tour hindern kann", sagt er selbstbewusst, wie er ist. Ein Experiment solls sein, anfangs begleitet von einem Fernsehteam, das aber sehr schnell an die physischen Grenzen stoßen werde, vermutet er. Denn wer nicht gewohnt ist, die Zivilisation hinter sich zu lassen, im Freien zu nächtigen, sich nach einem Regenguss nicht umziehen zu können, der wird "nach kurzer Zeit große Probleme kriegen", ist Konarek überzeugt - vor allem, wenns um die Nahrung geht.

Gegessen wird das Wenige, das die Natur um diese Jahreszeit hergibt: Brombeerblätter, Moose, Rohrkolben, Kieferrinde. Getrunken wird Wasser, wo es fließt, denn ein Behältnis hat Konarek nicht dabei.

Auf "Survival" ist er spezialisiert, aufs Überleben in der freien Natur. Der aus Trier stammende Mann, gelernter Herrenausstatter und Einzelhandelskaufmann, war eigenen Angaben zufolge sechs Jahre bei einer Spezialeinheit der Bundeswehr, bei einem Fallschirmspringer-Bataillon und schließlich im Sicherheitsdienst auf der amerikanischen Airbase Ramstein, zwischendurch auch mal Disco-Türsteher.

Im süddeutschen Raum hat er eine Marktlücke für das gefunden, wovon er aufgrund seiner Erfahrung leben will: Nahkampf, Selbstverteidigung, Überlebenstraining. Seine Selbstverteidigungsmethoden, so sagt er, basieren auf vielen Kampfrichtungen, die er modifiziert habe. In Internet-Foren werden sie bisweilen als ziemlich hart geschildert.

Dass die Kurse nicht unbedingt etwas für Weicheier sind, lässt Konarek durchblicken: "Es nützt nichts, nur gegen Puppen zu treten." Im Übrigen mache er jedem Kursteilnehmer klar: "Der vermiedene Kampf ist der beste." Deshalb gehe es zuerst um Deeskalation - "aber wenn es knackig wird, sollen sich die Leute verteidigen können". Zusammen mit einem Kompagnon bietet er Kurse in Geislingen und Ulm an.

Dass er hart im Nehmen ist und mit sich bis an die physischen und psychischen Grenzen gehen kann, davon zeugen seine Berichte im Internet. Auf sein jetziges Experiment, mit dem er "den Leuten zeigen will, was alles möglich ist", hat er sich intensiv vorbereitet. Kürzlich ist er in voller Montur in die eiskalte Eyb gehüpft, um anschließend mit triefend nasser Kleidung einen fünf Kilometer langen "Schnellmarsch" zu machen. Gegessen hat er einen aus dem Boden gegrabenen Wurm - dabei gefilmt von seiner siebenjährigen Tochter; alles bei YouTube im Internet zu sehen (im Suchbegriff: "germansurvivor", jene Clips mit diesem Stichwort). Seine Partnerin sei von dem, was er macht, "nicht immer so begeistert", räumt er ein.

Konarek weiß aber, was auf ihn zukommt: "Ich werde schmutzig sein, schlimm aussehen und stinken wie ein Bock." Größtes Problem aber ist die Unterkühlung: "Wenn das Zähneklappern anfängt, ist eine Signalmarke erreicht." Dann droht Bewusstlosigkeit. Er kennt die Gefahren: "Man kann drei Tage ohne Wasser auskommen, 60 Tage ohne Nahrung, aber bei Eiseskälte überleben Sie keine Nacht." Er werde seine Jacke deshalb mit Blätter und Reisig ausstopfen.

Wenn ihn das Fernsehteam eines Privatsenders verlassen hat, hält er den Kontakt zur "Außenwelt" nur über Meldepunkte, die er mit seinem Kompagnon vereinbart hat: Plätze im Gelände, an denen er täglich den USB-Stick seiner Videokamera ablegt, damit die selbst gedrehten Clips stets aktuell bei YouTube hochgeladen werden können.

Damit hinterlässt er an diesen Punkten, an denen neue Speichersticks und Akkus für die Kamera bereitliegen, auch ein Lebenszeichen. Ist er zwei Tage lang überfällig, wird eine Suchaktion nach ihm eingeleitet.


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Autor: MANFRED BOMM | 01.03.2010

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