Einbrecherbande steht jetzt vor Gericht

Eislingen/Göppingen.  Anstatt sich weiterhin mit Hilfsarbeiten ihr Brot zu verdienen, sollen sich fünf Männer zu einer kriminellen Bande zusammengeschlossen haben. Durch zahlreiche nächtliche Einbrüche sollen sie Bargeld und Wertgegenstände erbeutet haben.

"Es war eine schwerwiegende Diebstahlserie", sagte Richter Rainer Skujat im Stuttgarter Landgericht. Der Richter hat den Vorsitz der 18. Großen Strafkammer. Dort müssen sich fünf Männer, die allesamt aus Göppingen stammen, wegen schweren Bandendiebstahls verantworten. Die fünf eingewanderten Angeklagten sollen 2009 als organisierte Bande mehr als 30 Geschäftseinbrüche im Raum Stuttgart verübt haben. Die Männer im Alter von 22 bis 30 Jahren sollen sich Anfang 2009 zusammen geschlossen haben. Während die beiden Köpfe der Bande nachts in die Geschäfte - Bäckereien, Supermärkte und Kleinläden - durch Einschlagen der Glastüren oder Fenster eingestiegen sein sollen, sicherten sie die restlichen drei Bandenmitglieder ab, so die Anklage. Zumeist sollen die fünf Bargeld im drei- oder vierstelligen Bereich sowie andere Wertgegenstände wie Kleidung oder Sonnenbrillen erbeutet haben. Durch das gewaltsame Betreten entstand für die Geschäfte zudem jeweils ein Sachschaden im vierstelligen Eurobereich.

Drei Männer befinden sich seit ihrer Festnahme Ende 2009 in Untersuchungshaft. Zwei Angeklagte befinden sich auf freiem Fuß, da ihnen die Staatsanwaltschaft "nur" die Beteiligung an jeweils acht Einbrüchen vorwirft.

Im März 2009 sollen die Männer nachts in einem Brillenfachgeschäft in Eislingen nach dem Zerschlagen der Glastür eingebrochen haben. Im Geschäft wurde Bargeld von 1000 Euro und Sonnenbrillen im Wert von 500 Euro entwendet. Es entstand ein Sachschaden von weiteren 1000 Euro. Mitte Juli sollen die Angeklagten in einem Uhinger Imbiss eingestiegen sein. Durch das Aufhebeln eines Seitenfensters gelangten die Täter ins Innere und entwendeten Getränke der Marke "Red Bull". Einige Tage später sollen sie dann wieder in Uhingen tätig geworden sein. Dieses Mal war eine griechische Gaststätte an der Reihe. Dort wurde Bargeld von einigen hundert Euro entwendet. Durch das Aufhebeln eines Fensters gelangten die Täter ins Innere des Lokals.

Rund 50 Zuschauer, davon etwa 30 Angehörige der Angeklagten, verfolgten die Auftaktverhandlung im Landgericht. Die fünf Männer zeigten sich mit ernsten Mienen und in legerer Sportkleidung. Zum Auftakt wurden die Lebensläufe der Angeklagten erörtert. Anschließend führten die Beteiligten hinter verschlossenen Türen Verständigungsgespräche. Bei Geständnissen würden den Angeklagten eine Strafminderung winken, dem Gericht eine verkürzte Beweisaufnahme. Die Kammer hat zunächst sechs Verhandlungstage angesetzt, acht Zeugen geladen.

Der vermeintliche Kopf der Bande, ein 30-jähriger Mann, wurde in Montenegro geboren. Aufgrund des jugoslawischen Bürgerkriegs wanderte seine Familie in den 90ern nach Deutschland aus. Wie alle anderen Angeklagten, schlug er sich mit körperlichen Hilfsarbeiten durch. Bei Metallarbeiten im Raum Göppingen lernte man sich schließlich auch kennen und plante wohl "das große Geld zu machen".

Ein 29-jähriger Türke und ein 22-jähriger Mann aus den Arabischen Emiraten kamen über Umwege nach Göppingen und trafen so auf die beiden anderen Angeklagten. Ein Brüderpaar aus dem lateinamerikanischen Nicaragua übte ebenfalls Hilfsarbeiten im Metallbereich in Göppingen aus. Eine Zeitarbeitsfirma vermittelte die Männer an stetig wechselnde Arbeitsplätze. Alle Männer sind wegen Diebstahls oder Hehlerei bereits vorbestraft. Sie sind fast alle Familienväter und leiden unter hohen Schulden. Alle sind im Besitz einer unbefristeten Aufenthaltsgenehmigung. Diese kann allerdings bei Gefängnisstrafen über drei Jahren widerrufen werden.

Info

Der Prozess gegen die fünf des schweren Bandendiebstahls verdächtigen Göppinger wird vor dem Stuttgarter Landgericht fortgesetzt. Mit einem Urteil ist nach Angaben des Gerichts Ende April zu rechnen.


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Autor: ALEXANDER KAPPEN | 19.03.2010

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