Die Bürger sollen mitreden

Eislingen.  Bevor in Eislingen ein Rathaus gebaut wird, muss nach Ansicht von Bürgermeister Klaus Heininger festgelegt werden, wie künftig der Verkehr von Nord nach Süd fließt. Da sollen auch die Bürger mitreden.

"Es geht nicht um das Rathaus", stellte Bürgermeister Klaus Heininger fest. Das Ziel sei vielmehr eine erlebbare Stadtmitte. Als Mittel zum Zweck soll deswegen das neue Zentrum beim Schlossplatz am Schnittpunkt zwischen Eislingen Süd und Nord errichtet werden, um die beiden, durch Fils und Bahn getrennten Stadtteile besser zu verbinden. Weil Heininger im Bürgermeisterwahlkampf den Eindruck erhielt, die Eislinger müssten bei dem Projekt stärker eingebunden werden, stößt er einen Meinungsbildungsprozess an, zu dem die Veranstaltung zählt, die am Dienstagabend in der Stadthalle über die Bühne ging. Etwa 140 Zuhörer interessierten sich fürs Thema.

Heininger geht es darum, dass sich die Bürger eine Meinung über die künftige Stadtmitte bilden und diese Meinung auch über Stadträte und Verwaltung in den Entscheidungsprozess einfließen lassen. Sie sollen, die Wettbewerbsvorschläge der Städteplaner, die Heininger mit Rohdiamanten verglichen hat, mit ihrer Ortskenntnis und ihrem gesunden Menschenverstand zu Edelsteinen schleifen.

Bevor allerdings ein Rathaus mit Nebengebäuden und Marktplatz entstehen kann, muss nach Ansicht des Bürgermeisters erst die Trassenfrage geklärt werden. Es müsse entschieden werden, wo der Verkehr rollt, bemängelt Heininger an der bisherigen Vorgehensweise. Zu der ein Architektenwettbewerb zum Rathaus zählt, zu dem jetzt Abgabeschluss war. Knapp 30 Vorschläge sind eingereicht worden, die im September der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Architekturbüros sollten unabhängig von der Verkehrsführung Entwürfe zu machen. Der Technische Beigeordnete der Stadt, Thomas Schuster, hält dies für machbar, da festgelegt ist, dass die Rathaustiefgarage über die Hindenburgstraße angefahren wird.

Wesentlicher Bestandteil des Konzepts "Innere Stadt 2030" ist die Beseitigung der vierspurigen Bahnüberführung, die in die Jahre kommt. Sie ist nach Ansicht von Baudezernent Schuster in dieser Größe entbehrlich. Außerdem steige ständig der Unterhaltsaufwand. Als Ersatz liegen zwei Vorschläge vor:

Das Büro Morpho-Logic sieht eine Hauptstraßentrasse im Bereich der Bahnhofstraße und der heutigen Fußgängerunterführung vor.

Das Büro Baldauf würde einen neuen Übergang in Verlängerung der Mühlbachstraße schaffen.

Beide Vorschläge wurden am Dienstag von den Büros erläutert sowie von Verkehrs- und Marketingexperten bewertet. Auch äußerten die Sprecher der vier Gemeinderatsfraktionen ihre Meinung.

Die Bürger erkundigten sich bei der Hauptstraßenlösung nach der Unterführung, auf der Fußgänger, Radfahrer und 14 000 Autos am Tag unterwegs sein werden. Die Rede war auch von einer Schlucht, die Rathausplatz und Schloss trenne. Bei der Mühlbachvariante wurde die Verkehrsbelastung für die Anwohner - etwa in den Altenwohnungen - und die Stadthalle kritisiert. Moniert wurde an beiden Entwürfen, dass Flächen verplant werden, die nicht im Besitz der Stadt sind.

In ihren Meinungsäußerungen sprachen sich die Mehrheit der Redner gegen die Hauptstraßenlösung aus. Man freue sich über einen ruhigen, verkehrsfreien Platz und sehe einen Vorteil darin, dass Autos sowie Fußgänger und Fahrradfahrer getrennte Wegen nehmen können. Ein Eislinger hinterfragte die gesamte Idee: "Die Brücke funktioniert." Fußgänger und Radfahrer könnten sich jetzt unbehindert vom Straßenverkehr bewegen.


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Autor: DANIEL GRUPP | 29.07.2010

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