Die Angst vor der Freiheit

Geislingen.  Adelheid Theil hat am Montag bei der Geislinger Rätsche in einer szenischen Lesung Esther Vilars "Die amerikanische Päpstin" gezeigt.

"Habemus papassam" - wir haben eine Päpstin. So beginnt Esther Vilars Theaterstück "Die amerikanische Päpstin", das die Schauspielerin Adelheid Theil am Internationalen Frauentag vor kleinem Publikum bei der Geislinger Rätsche gezeigt hat. Wir schreiben das Jahr 2044. Johanna II, die erste Päpstin der Geschichte, hält ihre Antrittsrede. Sie erzählt von ihrer Kindheit in schlechten Verhältnissen, resümiert den Niedergang der in den vergangenen Jahrzehnten demokratisierten katholischen Kirche. Der Papst wird auf vier Jahre gewählt. Beichte und Zölibat sind abgeschafft. Das Vermögen verscherbelt. Frauen gleichberechtigte Mitglieder der katholischen Kirche.

Das von Dieter Baldo als szenische Lesung inszenierte umstrittene Stück der deutschstämmigen Argentinierin Esther Vilar, hat die Rätsche in Zusammenarbeit mit dem Geislinger Frauenrat präsentiert. In ihrem eindringlichen Monolog schafft Adelheid Theil eine dichte, intensive Atmosphäre. Jede Silbe klar akzentuiert, lässt sie eine konzentrierte Spannung entstehen, in der Worte treffen - scharf und gezielt. Glaubenssätze werden hinterfragt, unterbrochen von geistlicher Musik, choralen Klängen. Anklagen werden laut: Was haben die Gläubigen mit ihrer neuen Freiheit gemacht, außer die Kirche scharenweise verlassen? Was ist das für ein Gott, der auch Kindern einen qualvollen Tod zumutet? Nach einem mit Inbrunst gebeteten "Vater unser" die Beichte, kniend: Johanna II glaubt nicht an Gott. Opfert sich, innerlich zerrrissen, um der Kirche und ihren Gläubigen die verlorene Autorität wiederzugeben, will sich rückbesinnen auf alte Werte, Rituale wieder einführen.

So bleiben nach Theils einstündigem Monolog als Erkenntnis Fragen: Muss die Kirche also in ihren starren Dogmen verharren, um bestehen zu können? Wenn Johanna alle Liberalisierung rückgängig macht, werden dann auch Frauen wieder aus ihren kirchlichen Ämtern verbannt? Und: Was macht sie dann anders als die männlichen Päpste in den 2000 Jahren zuvor?


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Autor: EVA BECK | 11.03.2010

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