Berühmte Ausnahme von der Regel Ausstellung Staudenmayer / Ziebandt eröffnet

Geislingen.  Von heute an kann man sich in Geislingens Galerie im Alten Bau "Ansichtssachen" von Martina Staudenmayer und Heidemarie Ziebandt anschauen.

Sehr viele Besucher waren am Sonntagmorgen zur Vernissage in den Alten Bau nach Geislingen gekommen. Sicher nicht nur, weil es draußen eiskalt und drinnen warm war - nein, die gut besuchte Veranstaltung war den beiden lokalen Künstlerinnen Martina Staudenmayer aus Deggingen und Heidemarie Ziebandt aus Steinenkirch und ihren originellen Austellungsstücken zu verdanken. Gut gelaunt wandelten die Gäste zwischen Staudenmayers Banner-Installation umher und bestaunten Ziebandts Kunst aus Würfelzuckern.

Letztere griff Clemens Ottnad auch prompt in seiner Einführungsrede auf, die er mit den Worten begann "Das Sprechen über Kunst ist kein Zuckerschlecken". Doch er räumte augenzwinkernd ein, dass es sich hier um die berühmte Ausnahme von der Regel handeln könnte.

Der Kunsthistoriker aus Reutlingen widmete sich zunächst den Arbeiten Staudenmayers, die eine ihrer Werkgruppen dem "Sprechen über Kunst" gewidmet hat. Ihre Banner-Installation ist ein kleiner Ausschnitt daraus: Hier hat die Künstlerin Reden über Kunst in Zeichensprache verwandelt. Der Betrachter stehe vor einer gänzlich absurden Situation, verdeutlichte Ottnad: Er sieht nicht, wovon die Rede ist, und er hört es auch nicht. . .

"Immer wieder ist Martina Staudenmayer auf diese Weise Phänomen aus dem Alltag auf der Spur", meinte der Redner. Mit ihrem Stiefmütterchen-Thema etwa, verdeutlichte er, zeichne sie Blatt für Blatt gegen das Image an, das dieser Pflanze eigen ist und lasse den Betrachter die Schönheit der Pflanze entdecken. Ottnad wies auch auf die "Versatzstücke von Naturlandschaften" hin, die Staudenmayer mit Kugelschreiber auf Holzquader gezeichnet hat. So habe sie ein zerstückeltes Panomarabild geschaffen, aus dem sich jeder seine Idealnatur zusammenstellen könne.

Stereotype Sehgewohnheiten werden nach Ottnads Ansicht vollends mit den Fotoarbeiten der Degginger Künstlerin aufgebrochen. Er sieht diese als "bis zur Sinnfreiheit banalisiert", wobei die Leere schon wieder unheilvoll anmute und zusammen mit den Sätzen, die auf den Arbeiten stehen, Assoziationsketten beim Betrachter auslösen, die rational kaum zu erklären sind.

Zieband wiederum wende sich ganz konkreten Materialien zu, leitete der Redner zur zweiten Künstlerin der Ausstellung über. Ihre Objekte und Malereien entstünden durch experimentelles Arbeiten und handwerklich ausgeklügelte Verfahren. Wichtige Stichworte für ihre aus bemalten Würfelzuckerstücken gestalteten Arbeiten lauteten: streng konstruktiv gerastert, strenge versus Unschärfe, eher Bildhauerrelief als Bildmalergrund. Bei den Arbeiten mit den Titeln Lineatur, Kreuz und Quer und Bündelungen dagegen führte die Künstlerin Linien leichthändig über die Bildfläche - und darüber hinaus. Bei der mit Polystyrol ausgestalteten Kugel zwinge Ziebandt das Auge, die Oberfläche haptisch-visuell zu einem Bildganzen zusammenzufügen, so Ottnad.

Der Redner fasste seine Eindrücke von der Gemeinschaftsausstellung so zusammen: "So unterschiedlich die Positionen der Künstlerinnen auch sind, so geht es beiden doch darum, die konkret sichtbare Wirklichkeit zu zerlegen und in bislang unbekannte Bildsysteme zurückzuübersetzen."

Info Öffnungszeiten: Di.-So 14-17 Uhr (bis 4. März).


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Autor: BETTINA SOMMER | 07.02.2012

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