Kreistag erhebt Vorwürfe gegen Christophsbad

Schlaganfallversorgung: Der Kreistag soll am Freitag eine Resolution pro Klinik am Eichert verabschieden. Darin werden Vorwürfe gegen das Christophsbad erhoben.

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Der Sozialminister sagte, das von der Klinik am Eichert und dem Chris­tophsbad vorgestellte gemeinsame Konzept entspreche nicht seinen Vorstellungen. Jedoch werde keiner der Kliniken etwas weggenommen. Der Göppinger Landrat reagierte erleichtert: „Die Klinik am Eichert wird selbst ein Konzept vorlegen.“ Mit Druck aus Stuttgart rechne er nicht, „das Land wird auch keinen machen“. Worum es hier geht, ist klar: Um die Schlaganfallversorgung im Landkreis Göppingen. Doch stammen die Zitate weder von Sozialminister Manne Lucha (Grüne) noch von Landrat Edgar Wolff. Vielmehr waren es Minister Friedhelm Repnik (CDU) und Landrat Franz Weber, die schon im Sommer 2002 in dem Konflikt um das Wo und Wie einer Schlaganfalleinheit andere Ansichten hatten. Ganz so, wie ihre Nachfolger im Jahr 2017.

15 Jahre nach Webers Hoffnung, dass sich das Land nicht einmischen werde, hat Lucha bekanntlich ein Machtwort gesprochen: Künftig sollen Schlaganfallpatienten nicht mehr in beiden Kliniken, sondern nur noch im privat geführten Christophsbad behandelt werden. Damit will sich Landrat Wolff, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der kreiseigenen Alb-Fils-Kliniken ist, jedoch nicht abfinden. Er hat bereits angekündigt, eine Klage gegen die Entscheidung zu prüfen. Morgen soll im Kreistag eine Resolution verabschiedet werden.

In dem Papier werden das Gutachten des Berliner Neurologen und Schlaganfall-Spezialisten Professor Darius Günther Nabavi angezweifelt und Vorwürfe gegen das Christophsbad erhoben. Nabavi hatte es als bessere Lösung vorgeschlagen – zumindest vorläufig, bis sich die beiden Kliniken einig werden. Er schreibt in seinem geheimen Gutachten, das Christophsbad (CB)  verfüge über eine „vollwertige Intensiveinheit“ und er habe „keine Bedenken im Hinblick auf die intensivmedizinische Betreuung“.

In der Resolution wird diese Sicht Nabavis angezweifelt: „Diese Kernaussagen stehen in krassem Gegensatz zum Erleben der Rettungsdienstmitarbeiter und der diensthabenden Notärzte“, heißt es. Und weiter: „In zahlreichen dokumentierten Fällen kam es über die letzten Jahre zur Versorgung von akuten medizinischen Notfällen im innerklinischen Wirkungsbereich des CB durch den klinikexternen offiziellen Notarzt- und Rettungsdienst ... In diesen Fällen ... steht er außerhalb des CB nicht für die Versorgung der Bevölkerung des Landkreises zur Verfügung.“

Im Klartext sagt diese Passage aus der Resolution: Das Chris­tophsbad sei nicht in der Lage, eine ordentliche Versorgung der Schlaganfall-Patienten zu gewährleisten und brauche immer wieder Unterstützung durch den Notarzt. „Über einhundert Mal pro Jahr in den vergangenen Jahren“ sei dies der Fall gewesen.

„Das sind alles alte Hüte“, sagt CB-Geschäftsführer Bernhard Wehde zu den Vorwürfen. Im Christophsbad seien „viele multimorbide Menschen mit einem hohen Altersschnitt“, zudem befinde sich auf dem Gelände auch das Christophsheim mit 214 Betten. So komme die Anzahl der Einsätze zustande, „das ist nicht so einfach zu trennen“. Wehde bekräftigt: „Der Notarzt kommt zu uns nur in seltenen Fällen zu Schlaganfällen.“

Auch zur Forderung des Landkreises, künftig die Schlaganfallversorgung in der Klinik am Eichert mit Hilfe des Christophsbads zu zentralisieren, nimmt Wehde Stellung: „Wenn ich mit den Schlaganfällen da hochziehen würde, bräuchte ich einen Riesen-Klinikteil mit 180 Betten.“ Dr. Ingo Hüttner, der Medizinische Geschäftsführer der Alb-Fils-Kliniken, hatte noch vergangene Woche gesagt: „Die Schlaganfallversorgung ist gemeinsam mit dem Christophsbad an der Klinik am Eichert binnen weniger Monate möglich.“

Wehde hofft nun, dass er morgen erstmals im Kreistag das Wort ergreifen darf: „Vielleicht darf ich ja sprechen, das war noch nie der Fall. Ich nehme mal an, dass das geht.“

Einbettung Der Gutachter Professor Darius Günther Nabavi hat auch den langen Streit der beiden Kliniken analysiert. Eigentlich, so schreibt er auf Seite 49 seines Gutachtens, sei „die Ideallösung für die Schlaganfallversorgung ohne Zweifel die Einbettung einer Neurologischen Abteilung mit SU (Stroke Unit) in ein Krankenhaus, das somatische Fachdisziplinen vorhält und eine interdisziplinäre Notaufnahme betreibt“.

Trägerschaften Doch darauf konnten sich die beiden Häuser schon 2002 nicht einigen, auch jetzt klappt es nicht. Nabavi glaubt, das liege „weniger an baulichen Details oder möglichen Animositäten im Zuge des langjährigen Konflikts“. Für den Berliner Neurologen ist klar, der Grund liegt in den „unterschiedlichen Trägerschaften, die es zu überwinden gilt“.

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