Zaungäste auf der ICE-Großbaustelle Aichelberg

Da steht sie nun in ihrer ganzen Wucht, die Tunnelbohrmaschine der ICE-Strecke bei Aichelberg, und ihren Anblick kann man noch bis Januar genießen. Was viele Zaungäste anzieht.

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  • Lebhaftes Interesse an der Infoplattform der Baustelle: Am Wochenende ist es ein Kommen und Gehen. 1/7
    Lebhaftes Interesse an der Infoplattform der Baustelle: Am Wochenende ist es ein Kommen und Gehen. Foto: 
  • Gigantische ICE-Baustelle bei Aichelberg: Vorn die Tunnelbohrmaschine, flankiert von Masten eines Förderbands, das bis zur Straße reicht. Rechts Silos für das Betonieren im Tunnel, im Mittelgrund eine neue Zufahrt zur Straßenbrücke. Soweit reicht auch schon die Feldbahn von die Betonteil-Fabrik im Hintergrund. 2/7
    Gigantische ICE-Baustelle bei Aichelberg: Vorn die Tunnelbohrmaschine, flankiert von Masten eines Förderbands, das bis zur Straße reicht. Rechts Silos für das Betonieren im Tunnel, im Mittelgrund eine neue Zufahrt zur Straßenbrücke. Soweit reicht auch schon die Feldbahn von die Betonteil-Fabrik im Hintergrund. Foto: 
  • Die Tunnelbohrmaschine der ICE-Strecke bei Aichelberg zieht viele Zaungäste an. 3/7
    Die Tunnelbohrmaschine der ICE-Strecke bei Aichelberg zieht viele Zaungäste an. Foto: 
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    Die Tunnelbohrmaschine der ICE-Strecke bei Aichelberg zieht viele Zaungäste an. Foto: 
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    Die Tunnelbohrmaschine der ICE-Strecke bei Aichelberg zieht viele Zaungäste an. Foto: 
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Sonntags ist der Info-Podest voll. Ein Kommen und Gehen den ganzen Tag. Ganze Familien, auch mit Kinderwagen, Spaziergänger mit Hund, und die Fachkundigen sowieso. Alle wollen das technische Wunderwerk sehen, das 100 Meter im Gelände steht und seit dem symbolischen Tunnelanschlag zwölf Meter weit im Berg steckt.

Helmut Frick ist sogar auf Krücken die steile Baustraße von der Landstraße heraufgekommen. Als alter Lufttechniker ist er hin und weg von der Riesenmaschine. "Da dreht sich sogar was", sagt er, und zeigt auf einen Ring mit Mordsdurchmesser, der grad noch so aus dem Tunnel herausguckt. Zur Tunneltaufe ist Frick nicht gekommen, wegen des Massenandrangs. Er hat sich gesagt: "Ich komme erst wieder, wenn es staubt und stinkt und Krach macht", schmunzelt er. Aber soweit ist es noch nicht.

Der Tunnelbau weckt bei Frick noch andere Erinnerungen. Er hat als fünfjähriger Bub aus Weilheim noch den Bau der Reichsautobahn gesehen. Bei den Arbeitern, damals schon Gastarbeiter aus Italien, hat er Bilder aus Zigarettenschachteln abgestaubt, die das Militär in allen Formationen zeigten. "Ich hab damals mitgebaut", lacht er.

Baustellen-Besucher kommen jede Woche

"Das war hier ein Paradies", sagt seine Begleiterin Hilde Wallisch. Als alte Aichelbergerin sieht die Baustelle mit anderen Auge. Sie ist in Sichtweite des Infopodests aufgewachsen, ihr Elternhaus stand an der heutigen Autobahnbrücke. Sie selbst hatte noch zwei Grundstücke, die jetzt im Baufeld liegen: eine Heuwiese mittendrin, wo jetzt ein Kran postiert ist, und eines am Gelände Richtung Kirchheim. Ein drittes am Bach gehört ihr noch. Die Bahn hat es belegt und wird es wieder freigeben. Aber Hilde Wallisch fragt sich, wann es wieder nutzbar ist, ob sie das noch erlebt. "Aichelberg hat nichts mehr an Landschaft", klagt sie, sogar der Jäger sage, es sei schon fast nichts mehr zum Jagen. Ob sie die Baustelle verdammt - das nicht. "In unserem Alter ist es eigentlich egal."

Mit Spiegelreflexkamera rückt ein alter Lenninger an der Baustelle an, er will wieder mal ein Bild schießen, um den Fortschritt der Arbeiten zu dokumentieren. Der 75-Jährige kommt jede Woche oder jede zweite, er gehört zu einem "Kreis älterer Herren", die sich für Eisenbahn und Technik interessieren. "Wir waren schon im Gotthardt-Tunnel, wir hatten eine Besichtigung bei Herrenknecht" - dem Hersteller der Tunnelbohrmaschine, erzählt er. Beim Aichelberger Tunnelfest war er nicht, er sieht jetzt erstmals den Bohrkopf der Maschine im Tunnel. Neu ist für ihn ein Stahlgerüst, das in einiger Entfernung installiert wird und aussieht wie eine Hochbahn. Das muss mit der Verladestation für die Tübbinge zu tun haben, glaubt er.

Zum ersten mal hier ist ein Ehepaar aus Nabern. Das wurde Zeit, schmunzelt Sonja Tolksdorf, sie fährt jeden Tag an der Baustelle vorbei. Ihr genügt der Anblick der Maschine, ihr Mann studiert die Infotafeln. Andreas Tolksdorf staunt: "In 2.07 Minuten ist der Zug durch." Frauen und Technik - auch eine Besucherin aus Neidlingen schaut sich die Baustelle an und ist durchaus begeistert. Aber damit ist ihre Neugier auch gestillt. "Ich wollte mal schauen, wie die Strecke in unserer Gegend verläuft."

Aus Esslingen kommt ein älteres Ehepaar, Wanderfreunde vom Albverein. Der Senior war Fachmann in Hydraulik, damit ist die Maschine gespickt. Aber auch wegen der Geologie ist er hier. "Ich bin gespannt, was aus dem Berg kommt", sagt er. Beim Autobahnbau in Gruibingen hat er pyritisierte Schnecken gefunden. Ihn interessiert die Trasse auch als gebürtiger Ulmer.

Mit Elektrofahrrad sind Willi und Rosemarie Kirschmann aus Holzmaden heraufgedüst. "Das ist hier schon gigantisch", schwärmen sie. Sie haben das Tunnelfest auch gemieden und lassen sich jetzt von Albert Sigel aus Weilheim erklären, was sich an der Baustelle seither getan hat. Das ist eine ganze Menge.

Schlag auf Schlag

Veränderungen Was sich seit dem Fest an der ICE-Baustelle verändert hat: Für den Abraum entsteht ein Förderband zu einer Verladestation an der Straße. Von der Straßenbrücke zieht sich ein breites Asphaltband, das Rettungsweg und in kleinem Umfang auch Zufahrt ist. Ein Damm von Mutterboden ist aufgeschüttet worden. Am Tunnel steht ein Gestell, das die Bohrmaschine beim Andrehen stabilisiert.

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