Zahl der Handwerksbetriebe geht zurück

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Der Bereich der Bau- und Ausbauhandwerke hat den größten Rückgang an Betrieben in der Region Stuttgart zu verzeichnen. Um 103 ging die Zahl 2016 bei den Vollhandwerken gegenüber dem Vorjahr zurück, um 46 bei den zulassungsfreien Handwerken.    Foto: 

Trotz bester Konjunktur sinkt die Zahl der Handwerksbetriebe in der Region Stuttgart: Im vergangenen Jahr reduzierte sich nach Auskunft der Handwerkskammer (HWK) der Betriebsbestand von 29 585 auf 29 199, das entspricht einem Rückgang um 1,3 Prozent. Als einen der Gründe nennt Thomas Hoefling, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, in einer Pressemitteilung die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt. „In solchen Zeiten sinkt in der Regel die Bereitschaft, zu gründen oder zu übernehmen“, erklärt Hoefling, „denn es sind die Mitarbeiter in unseren derzeit sehr gut ausgelasteten Betrieben, die als Gründer fehlen.“ Die Arbeitsplätze seien den Mitarbeitern dort sicher, Risiken würden – wo möglich – gemieden. Was unterm Strich bedeutet, dass die Zahl der Betriebs­aufgaben höher liegt als die der Neugründungen. Der bei Weitem häufigste Grund für Betriebsaufgaben in der Region ist laut Handwerkskammer die Aufgabe aus Altersgründen.

Der Rückgang war bei den zulassungspflichtigen Handwerken laut HWK genauso zu spüren wie bei den zulassungsfreien oder den handwerksähnlichen Betrieben. Bei den sogenannten Vollhandwerken waren die Bau- und Ausbauhandwerke mit einem Rückgang um 103 auf 4128 Betriebe und die Metall- und Elektrohandwerke mit einem Rückgang um 84 auf auf 8171 Betriebe am stärksten betroffen. Bei den zulassungsfreien Handwerken ergab sich ein ähnliches Bild. Dort sanken die Zahlen bei den Bau- und Ausbauhandwerken um 46 auf 1833 und bei den Elektro- und Metallhandwerken um 9 auf 385 Betriebe. Bei den handwerksähnlichen Gewerben waren die Verluste bei den Holzgewerben (minus 58/1203 Betriebe) und bei den Gesundheits- und Körperpflegegewerben (minus 23/1486 Betriebe) am größten. Zu den zahlenmäßig größten Branchen in der Region Stuttgart gehören die Friseure, Elektrotechniker, Fliesen-, Platten und Mosaikleger sowie die Kraftfahrzeugtechniker, gefolgt von den Installateuren und Heizungsbauern (siehe auch Info-Box).

Eine ähnliche Tendenz wie bei der Entwicklung der Zahl der Betriebe gibt es laut Handwerkskammer bei den Ausnahmebewilligungen für eine selbstständige vollhandwerkliche Tätigkeit oder Wahrnehmung einer Betriebsleitertätigkeit. Diese betreffen die zulassungspflichtige, also die Berufe mit Meisterpflicht. Die Bewilligung bekommt beispielsweise ein Handwerker, der zwar ­keinen Meisterbrief, aber eine langjährige Berufserfahrung als Geselle und bereits in leitender Funktion gearbeitet hat. 202 Ausnahmebewilligungen erteilte die Handwerskammer im Vorjahr, was einem Rückgang um 34 Prozent gegenüber 2015 entspricht.

Eine genaue Analyse für den Rückgang gibt es laut HWK nicht. Als möglichen Grund nennt die Kammer, dass beispielsweise im Baugewerbe die Betriebe angesichts einer guten Konjunktur Aufträge nicht an Subunternehmer vergibt, sondern den entsprechenden Personenkreis in ein festes Arbeitsverhältnis übernimmt.

Mit Sorge sieht Hoefling die zurückgehende Bereitschaft bei Gesellen, Meistern und Führungskräften, sich selbstständig machen zu wollen. Gegenüber 2015 gingen die Betriebszugänge um 478 auf 1933 neu registrierte Betriebe zurück. „Wir spüren vor allem bei der nachrückenden Generation zwischen 20 und 30 Jahren eine gewisse Scheu vor dem Unternehmertum – vielleicht auch vor dem Risiko. Bei der Abwägung wird auch häufig mit der work-life-balance argumentiert.“

Auch das altersbedingte Ausscheiden von Betriebsinhabern, die sich mit einer Nachfolgerlösung schwertun, hat laut Handwerkskammer einen starken Nachhall. Mit dem Wegfall vieler alteingesessener Betriebe drohe der Verlust von Wissen und wichtiger Infrastruktur gerade im ländlichen Raum, sagt Hoefling: „Geben etwa Bäcker oder Metzger ihren Betrieb auf, ist das meist ein herber Schlag für die Nahversorgung mit qualitativ hochwertigen handwerklichen Produkten und Dienstleistungen.“

Info Die Handwerkskammer Stuttgart bietet Betriebsgründern ein Starter-Center für den Einstieg in die Selbstständigkeit. Wer den Betrieb in jüngere Hände legen will, kann über die Betriebsbörse und eine entsprechende Beratung der Kammerexperten eine Nachfolgelösung finden. Mehr Infos zum Thema gibt es auf der Homepage der Kammer www.hwk-stuttgart.de

Kreis Böblingen 3677 Betriebe
(-1,6 Prozent)
Kreis Esslingen 5800 Betriebe
(-2 Prozent)
Kreis Göppingen 3157 Betriebe
(-3 Prozent)
Kreis Ludwigsburg 5661 Betriebe
(-1,3 Prozent)
Rems-Murr-Kreis 5321 Betriebe (-1,1 Prozent)
Stadtkreis Stuttgart 5583 Betriebe
(+0,3 Prozent)
Region gesamt 29 199 Betriebe
(-1,3 Prozent)

Friseure 2752 Betriebe
Elektrotechniker 2141 Betriebe
Fliesen-, Platten- und Mosaikleger
1697 Betriebe
Kraftfahrzeugtechniker
1691 Betriebe
Installateure und Heizungsbauer
1581 Betriebe
Gebäudereiniger 1391 Betriebe
Kosmetiker 1355 Betriebe
Einbau von genormten Baufertigteilen 1202 Betriebe
Maler und Lackierer 1167 Betriebe
Feinwerkmechaniker 1046 Betriebe

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