Wurzeln in frühalemannischer Zeit

Seit 2005 laufen die Restaurierungsarbeiten auf der Hiltenburg. Dr. Reinhard Rademacher berichtete im voll besetzten Sitzungssaal des Ditzenbacher Rathauses über die neuesten archäologischen Funde.

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Die Restaurierungsarbeiten auf der Hiltenburg sind weitgehend abgeschlossen. Unser Archivbild zeigt den Kreisarchäologen Dr. Reinhard Rademacher vor dem Bergfried im "Hinteren Schloss". Foto: Mona Moll

Abgesehen von noch ausstehenden Sicherungsarbeiten an Teilen der Bastionsmauer sind die Restaurierungsarbeiten auf der Hiltenburg bei Bad Ditzenbach weitgehend abgeschlossen. Das Projekt sei in ganz Süddeutschland beispielhaft dafür, wie man die bestehende, historische Bausubstanz einer Burgruine erhält, betonte Kreisarchäologe Dr. Reinhard Rademacher bei einem Vortrag im Bad Ditzenbacher Rathaus.

Die gesamte Anlage wurde akribisch neu vermessen, ein neuer kompletter Höhenschichtplan erstellt und eine geophysikalische Untersuchung mit Radar, die unterirdische Baureste sichtbar machen kann, vorgenommen. In mehreren Grabungskampagnen und durch Rodungsarbeiten im Steilhang wurden bekannte Gebäudeteile freigelegt und neue entdeckt. So wurden bei einer Kampagne interessante Gebäudereste gefunden, darunter ein viereckiges Fundament - vermutlich der Unterbau eines Ofens - und ein original erhaltener gefliester Fußboden: "Schriftliche Quellen legen nahe, dass es sich dabei um die ehemalige Bäckerei der Burg handelt", erklärte Dr. Rademacher.

Der südwestliche Turm, dessen Untergeschoss schon im Spätmittelalter aus taktischen Gründen mit Bauschutt und Abfällen zugeschüttet worden war, wurde bis hinunter zum Fundament ausgeräumt. Eimer für Eimer wurde der Schutt aus dem Turm entfernt und anschließend ausgesiebt. Der jahrhundertealte "Müll" entpuppte sich schon bald als wahre Fundgrube für die Archäologen. Außer Metallfunden wie Schlüsseln, einer Maultrommel, Bronzebeschlägen und Zaumzeugapplikationen wurde eine Vielzahl von Keramikscherben geborgen.

Überraschend war für Rademacher und sein Team das Alter mancher dieser Scherben: Die Archäologen fanden Teile von Specksteinbechern und Keramik aus frühalemannischer Zeit (zirka 4. bis 5. Jahrhundert). Der Schlossberg war demnach schon deutlich früher besiedelt als bisher angenommen. Die erste urkundliche Erwähnung der Hiltenburg stammt aus dem Jahr 1298. Für Rademacher sind diese neuen Erkenntnisse Anlass, eine "vorsichtige Frage" zu stellen: War die Hiltenburg vielleicht der bislang unbekannte Wohnort des geheimnisvollen Hochadeligen Rudolf, der 861 das Kloster Wiesensteig gegründet hatte?

2011 wurde der westliche Bergfried restauriert und ausgebaut und beherbergt nun die Ausstellung "1000 Jahre Hiltenburg". Ein besonderes Highlight ist die Rekonstruktion eines Kachelofens aus dem 13. Jahrhundert, von dem im abgeräumten Bauschutt gut erhaltene Becherkacheln gefunden worden waren.

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