Wollte immer Priester werden

Andreas Frosztega ist polnischer Priester und er lebt seit zwölf Jahren in Deutschland. Das Leben hier hat sein Denken verändert - hin zu mehr Ökumene. Seit Juni 2011 wohnt und arbeitet er in Wiesensteig.

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Der katholische Pfarrer Andreas Frosztega wollte schon als Kind Priester werden, in Wiesensteig fühlt er sich durchaus wohl. Foto: Claudia Burst

Es war bei einer Wanderung. Andreas Frosztega war 15 Jahre alt und erblickte in einer Almhütte ein Bild mit dem Spruch"Ich brauche deine Hände, ich brauche deine Füße um meine Botschaft zu verkündigen"."Das traf mich ins Herz", erzählt der 53-Jährige heute.

Schon lange war es für den Jungen, der in einer gläubigen katholischen Familie als fünftes und jüngstes Kind aufgewachsen war, der"Traum", einmal Priester zu werden. Doch als er diese"Aufforderung" erhielt, setzte er sich sofort in Kontakt mit den"Herz-Jesu-Priestern", deren Adresse er ebenfalls auf diesem Bild entdeckt hatte.

"Ich blieb die Jahreüber in Kontakt mit ihnen", erzählt Pfarrer"Andreas", wie er sich nennt, weil den Deutschen sein polnischer Name schwer fällt. So wusste er, dass er das Abitur benötigte, wenn er einmal Priester werden wolle. Das jedoch durfte er im damals kommunistischen Land nur machen, wenn er nichts von seinem Berufswunsch erzählte. Deshalb besuchte Andreas Frosztega nach der achtjährigen Grundschule sechs Jahre lang die Technische Schule, in der er sowohl eine Ausbildung zum Elektroniker absolvierte als auch das Abitur ablegte.

Dann konnte er das Priesterseminar in der Nähe von Krakau besuchen. Ein Jahr Vorbereitungszeit, um seiner Entscheidung sicher zu werden, sechs Jahre Studium folgten."Ich habe nie an diesem Weg gezweifelt", betont der graubärtige Mann mit Überzeugung, obwohl er zugibt, dass er wusste, dass es nicht immer leicht werden würde."Da ist die Einsamkeit manchmal", sagt er. Doch"Jesus und dessen Kirche" lagen - und liegen - ihm am Herzen und mit dieser Entscheidung die Möglichkeit,"den Menschen Jesus näher zu bringen und sie auf ihrem religiösen Weg zu begleiten".

Die Priesterweihe im Juni 1988 war ein erhabener Augenblick für den damals 29-Jährigen. Gern wäre er, wie viele seiner Kollegen, ins Ausland, speziell nach Österreich gegangen. Sein Orden jedoch plante anders. So wirkte Frosztega zwei Jahre als Vikar bei Krakau, drei Jahre als"Ökonom" - eine Art Direktor - im Priesterseminar, dann wieder als Vikar."Es gab damals - vor allem wegen des polnischen Papstes Johannes Paul II - sehr viele Priester in Polen und nicht genügend Pfarrstellen", erklärt er. Bis heute sei die Frömmigkeit in Polen viel mehr im Alltag gegenwärtig als hier in Deutschland.

Während der letzten drei Jahre in Polen arbeitete der Priester als Direktor eines"Exerzitien-Hauses" und fand darüber hinaus Zeit, parallel dazu"Rhetorik" an der staatlichen"Jagiellonischen Universität" zu studieren und mit Diplom abzuschließen.

Einen der ergreifendsten Augenblicke seines Lebens erlebte derüberzeugte Katholik in dieser Zeit bei einer Pilgerreise in den Vatikan. Er wurde mit seiner Reisegruppe zu einer Generalaudienz mit dem Papst gebeten - und durfte diesem sowohl die Hand küssen als auch zehn Minuten lang mit ihm sprechen."Das ist unvergesslich", sagt Frosztega und seine Augen leuchten noch heute, 16 Jahre später.

Es folgten drei Jahre in der Nähe von Wien, jedoch im Orden seiner polnischen Priester, sodass er dort kaum die Gelegenheit hatte, Deutsch zu lernen.

Weil Reisen zu den Hobbys des fröhlichen Pfarrers gehört, nutzte er Ende 1999 die Gelegenheit, einen Kollegen zu besuchen, der in Hüttlingen bei Aalen als Priester tätig ist. Der stellte ihm die Frage, ob er nicht auch in Deutschland Pfarrer werden wolle, hier gebe es im Gegensatz zu Polen zu wenige katholische Geistliche. DerGedanke setzte sich fest - und schon ein dreiviertel Jahr später übernahm Andreas Frosztega eine Pfarrstelle in Deutschland, in Leinzell bei Schwäbisch Gmünd.

Mit viel Humor erzählt Frosztega von seinen ersten Erlebnissen in Deutschland, von sprachlichen Missverständnissen und Ungeduld."Ich war 41, als ich nach Deutschland kam. Da lernt man die Sprache einfach nicht mehr so schnell", gibt er zu. Heute kann man sich problemlos mit dem polnischen Pfarrer unterhalten, wenn er auch den polnischen Dialekt nicht verbergen kann und immer wieder nach dem richtigen deutschen Wort sucht.

Das"Schwäbische" sei ihm doch sehr schwer gefallen zu verstehen, lacht er. Vor allem weil in Leinzell anderes Schwäbisch gesprochen werde als in Bad Wildbad, wo er die letzten acht Jahre vor Wiesensteig tätig war. Und hier im Filstal müsse er sich wieder an eine andere Sprachmelodie gewöhnen.

Trotzdem gefällt es dem sensiblen Pfarrer gut. Als er die"wunderschöne Kirche Sankt Cyriakus" gesehen habe, wollte er"sofort nach Wiesensteig kommen". Am 4. Juni 2011 wurde er in dieser Kirche investiert. Als Wiesensteiger Pfarrer ist er auch für die katholischen Gemeinden in Hohenstadt, Gruibingen und Mühlhausen zuständig.

Gemeinsam mit den Kirchengemeinderäten will er in den kommenden Jahren sowohl das religiöse Leben als auch die Kirchen renovieren.

Er selber hat sich in den Jahren in Deutschland sehr verändert, gibt Andreas Frosztega zu. Er habe hier"Ökumene gelernt". Die Verbindung zwischen der katholischen und evangelischen Kirche"muss sein", sagt der Pole,"es gibt so viel gemeinsam".

Als ein Zeichen dafür verweist er auf den ersten ökumenischen Kreuzweg, den die evangelischen und katholischen Gläubigen in Wiesensteig im Frühjahr gemeinsam gefeiert hätten.

In seiner Rolle als Gemeindepfarrer sieht sich Andreas Frosztega als"Zentrum, das die Gemeinde zusammenhält". Fürs Gemeindeleben jedoch brauche man jeden Einzelnen, denn"nur zusammen sind wir stark".

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