Wohnungen sind am wichtigsten

Wohnraum für anerkannte Asylbewerber. Das ist zurzeit die größte Herausforderung für die Gemeinde Böhmenkirch. Bislang hat man positive Erfahrungen mit Flüchtlingen gemacht, versichert der Bürgermeister.

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Ein gutes Dutzend Bürger sind der Einladung zum dritten "runden Tisch Asyl" im Böhmenkircher Rathaus gefolgt. Erfreut wurde registriert, dass sich darunter auch neue Gesichter befanden.

Derzeit seien 20 Asylbewerber in Böhmenkirch untergebracht. Die Gemeinde habe dem zunächst für die Unterbringung zuständigen Landkreis weiteren Wohnraum für vier Personen zur Verfügung gestellt, erläuterte Bürgermeister Matthias Nägele eingangs. Einer Prognose des Landkreises zufolge wird die Albgemeinde bis Ende 2016 voraussichtlich weitere 92 Personen zugewiesen bekommen. Die Berechnungen basieren auf den aktuellen Zugangzahlen im Landkreis und einem nach Einwohnern je Gemeinde festgelegten Verteilerschlüssel (die GZ berichtete). "Ob diese Prognose zutreffen wird, kann uns leider keiner sagen", betonte der Bürgermeister.

Angesichts der steigenden Zahl von Flüchtlingen wird es für den Arbeitskreis Asyl in Böhmenkirch in Zukunft immer wichtiger, weitere ehrenamtliche Mitarbeiter zur Betreuung der Asylbewerber zu gewinnen. Der Bürgermeister appellierte an die Arbeitskreisteilnehmer, andere Mitbürger darauf anzusprechen. Nägele betonte, dass die ehrenamtlichen Helfer und Familienbetreuer bei ihrer Arbeit umfangreichen Versicherungsschutz über die bürgerliche Gemeinde sowie die katholische oder evangelische Kirchengemeinde hätten.

Derzeit verlaufe das Zusammenleben mit den Flüchtlingen relativ störungsfrei, erläuterte der Bürgermeister. Besonders bei der privaten Familienbetreuung habe man positive Erfahrungen gemacht. Nägele zufolge ist eine zunächst im Ort untergebrachte syrische Familie inzwischen anerkannt und hat bei Verwandten im Ruhrgebiet eine neue Heimat gefunden. Von den drei in der Gemeinde untergebrachten albanischen Familien geht eine Familie freiwillig in ihre Heimat zurück. Die beiden anderen Familien haben noch keinen Anerkennungsstatus und werden voraussichtlich in ihre Heimat zurückgeführt.

Für eine tschetschenische Familie, über deren Bleiberecht noch nicht entschieden wurde, sucht die Verwaltung Wohnraum für die Anschlussunterbringung von anerkannten Asylbewerbern. Für deren Unterbringung ist nicht mehr der Landkreis, sondern die Kommunen zuständig. Dabei sei man auf private Vermieter angewiesen. Die Gemeinde besitze nicht mehr genügend Wohnungen, so Nägele. Sollte man nicht fündig werden, müsse die Gemeinde zusätzliche Flächen zur Schaffung von Unterkünften zur Verfügung stellen. Schließlich muss man in Böhmenkirch auch mit einer weiteren Erstaufnahme von Flüchtlingen rechnen. Bürgermeister Nägele setzt dabei auf die gute Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und hofft auf konstruktive Lösungen.

Derweil bemüht sich das Landratsamt, Richtlinien und Vorgaben für die Vermietung von privatem Wohnraum auszuarbeiten. So will die Behörde potenziellen Vermietern eine Verfahrenshilfe für Mietverträge und entsprechende Mieten an die Hand geben, berichtete Sinja Hänßler, die im Rahmen der Sozialbetreuung von Flüchtlingen im Landkreis tätig ist.

Dreh- und Angelpunkt für die Mitarbeit am "runden Tisch" ist für die evangelische Pfarrerin Gabriele Renz das "Café Weltweit". In der Lutherkirche in Böhmenkirch besteht immer freitags ab 16 Uhr die Gelegenheit, in zwanglosem Rahmen mit Asylantenfamilien und ehrenamtlichen Mitarbeitern des runden Tisches ins Gespräch zu kommen.

Um noch mehr Transparenz für die Aufnahme der Flüchtlinge zu schaffen, will der Bürgermeister das Thema bei den im Kulturring organisierten Vereinen der Gemeinde ansprechen. Schließlich soll die Vernetzung der inzwischen ins Leben gerufenen Asyl-Arbeitskreise im Landkreis vorangetrieben werden, um auf diesem Weg einen besseren Informationsaustausch zwischen den ehrenamtlichen Helfern zu gewährleisten.

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