Wohnmobile: Touristiker sehen lukrativen Markt

Das Reisen mit Wohnmobil wird immer beliebter. Die Touristiker haben das als interessanten Markt ausgemacht. Im Landkreis gibt es gut 25 Stellplätze.

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„Alles richtig gemacht“, lobt Isabell Noether vom Tourismusverband Albtrauf: Heiningen bietet drei Stellplätze für Wohnmobile am Voralbbad.  Foto: 

 Heiningen hat sich eingebracht. Auf Initiative von Bürgermeister Norbert Aufrecht hat die Gemeinde drei Wohnmobilplätze geschaffen. Sie will damit einen Beitrag zum Tourismus leisten, der sonst nicht so einfach wäre. Die Kommune liegt nicht am Albtrauf, hat kein Kurhaus und keinen Campingplatz. Aber sie hat das Voralbbad, auch im Sommer geöffnet, und genau dort, in einer ruhigen Ecke, hat sie die Wohnmobilplätze angelegt. Wer hier andockt, kann gleich baden und saunen.

Heiningen hätte Eschenbach gerne ins Boot genommen: zusammen hätten sie die Wohnmobilplätze anlegen können. So wie sie schon Voralbbad und Voralbhalle gemeinsam betreiben. Aber Eschenbach winkte ab: Kosten und Nutzen stünden in keinem Verhältnis. Wohnmobilisten seien sparsam, gönnten sich wenig, begnügten sich mit Kost aus dem Supermarkt.

Die Geschäftsführerin der Erlebnisregion Schwäbischer Albtrauf, Isabell Noether, kann darüber nur den Kopf schütteln. Sie weiß es anders. „Wohnmobilisten sind ein Wirtschaftsfaktor. Man rechnet, dass sie pro Person und Tag 40 Euro ausgeben.“ Thomas Straub vom Tourismusbüro Bad Überkingen kann  das für seine Wohnmobil-Gäste nur bestätigen, die am Thermalbad Station machen. „Die gehen essen. Sie lassen Geld im Ort liegen. Sie tun etwas für ihre Gesundheit.“

Beliebte Sehenswürdigkeiten im Landkreis

Über die Gäste in Bad Ditzenbach sagt die Kurverwaltung, die Plätze zur Verfügung stellt: „Sie besuchen gerne die Vinzenz-Therme, gehen im Kräuterhaus einkaufen, machen  Ausflüge zu den Sehenswürdigkeiten wie der Hiltenburg oder entlang der Route der Industriekultur. Ebenso beliebt sind Fabrikverkäufe in Geislingen. Die Gäste sind mehrere Tage vor Ort. Es sind Urlauber oder ältere Menschen die Zeit haben und die Gegend bereisen.“

Auf diesen „Wirtschaftsfaktor“ will man sich genauer einstellen. Der Tourismusverband der Region Stuttgart will sich als „wohnmobilfreundliche Region“ positionieren und hat dazu schon ein Modellprojekt im Murr-Bottwartal gefördert. Qualitätskriterien wurden entwickelt. Die Region fragt nach der Zugänglichkeit des Platzes für Dritte, abgeschlossen oder bewacht, sie fragt nach Stromanschluss, Dusche, WC,  Gastronomie und Kiosk vor Ort. Für Isabell Noether heißt das: „Es geht um Attraktivität.“ Wer von dem Kuchen profitieren wolle, müsse je nachdem nachbessern. Die Umgebung sei ganz wichtig. Wohnmobilisten wollten einen ruhigen Platz, Anbindung an Wanderwege, Sehenswürdigkeiten in der Umgebung und eine freundliche Gastronomie am Ort. „Echt toll“ findet Noether das neue Angebot in Heiningen. Sie hat schon Rückmeldungen von begeisterten Besuchern bekommen.

"Je mehr, desto besser"

An die 30 Plätze gibt es im Kreis Göppingen. Isabell Noether findet das ausreichend, sagt aber auch: „Je mehr, desto besser.“ Das Gros stellen die Badgemeinden am Albtrauf, eine Voralbgemeinde und eine Schurwaldgemeinde. Für Bad Überkingen und Bad Ditzenbach war es fast ein Muss. Bad Boll hätte auch gerne welche, hat bisher aber keinen geeigneten Platz, bedauert Bürgermeister Hans-Rudi Bührle. Rund ums Kurhaus fände er es richtig. Aber dort sind die Parkplätze schon im Normalbetrieb knapp. Es kann aber noch was werden. Man wolle sich in ein, zwei Jahren mit neuem Parkraum am Kurhaus befassen. Auch weil am Ortsrand ein neues Feuerwehrhaus geplant ist. Dann werde man über Wohnmobilstellplätze sprechen. Bührle betont: „Wir wissen um die Potenziale dieses Tourismus.“  Bisher schickt Bad Boll Wohnmobilisten, die in der Gemeinde anfragen, zum Campingplatz nach Aichelberg. Jetzt bietet sich auch Heiningen an.   

Rechberghausen hat schon fast zehn Jahre sechs Wohnmobilstellplätze. Es kommt vor, dass sie alle belegt sind, sagt Sigrid Pasler von der Gemeindeverwaltung. Sie hört von den Gästen, es sei dort schön und ruhig, am Festplatz im Lindach, mit Kinderspielplatz inklusive. Drei Nächte darf man dort bleiben, und im Winter ist er geschlossen.

Der Platz in Bad Überkingen werde fleißig angenommen, berichtet Thomas Straub. Was ihn nicht wundert. Bei der CMT hätten Messebesucher gefragt, „wo können wir uns hinstellen“. Der Tourismusverband der Region stellt fest: „Auch auf der diesjährigen CMT nahm der Anteil der am Wohnmobilbereich Interessierten schon über die Hälfte der Besucher ein.

Knapp 30 Stellplätze in sechs Kommunen

Anzahl An die 30 ausgewiesene Wohnmobil-Plätze gibt es im Kreis. Sie verteilen sich auf zwei Badgemeinden (Bad Überkingen und Bad Ditzenbach), die Voralbgemeinde Heiningen, die Schurwaldgemeinde Rechberghausen, die Kreisstadt Göppingen und Ebersbach.
Ausstattung Die Ausstattung variiert stark. Ebersbach bietet im Gewerbegebiet Strut nur zwei Stellplätze, dafür aber kostenlos, für zwei Tage an. Anderswo gehört Strom zum Standard, ob stellplatznah oder mit Kabeltrommel erreichbar, je nachdem auch Wasser und Entsorgung.
Lage Göppingen hat Wohnmobil-Stellplätze an der EWS-Arena, die auch für Schlachtenbummler zu Frisch-Auf-Spielen interessant sein könnten. Sie können dann einfach an Ort und Stelle nächtigen. Ähnlich ist das in den Kurgemeinden Bad Überkingen und Bad Ditzenbach gedacht – für Besucher von Kurgästen. In Bad Ditzenbach liegen die Plätze neben der Straße, die durchs Täle führt, es ist entsprechend laut. Dafür ist der Wohnmobilstellplatz sehr günstig, sagt die Kurverwaltung. Für eine Lärmschutzwand gebe es derzeit keine konkreten Überlegungen.

Ein Kommentar von Jürgen Schäfer: Schauen, was geht

So kann man sich täuschen. Unter Gemeinderäten ist die Vorstellung verbreitet, dass Wohnmobilisten knausrige Urlauber seien. Jetzt sagen uns die Touristiker das Gegenteil. Das sei eine lukrative Kundschaft, die pro Person und Tag 40 Euro ausgebe. Für Tourismusgemeinden also Premium-Gäste. Keine Frage: Im Stauferkreis, der sich dem Tourismus zugewandt hat, muss man sich danach orientieren. Wer will sich so zahlungsfreudige Kundschaft entgehen lassen? Und die Ausgangslage ist gar nicht mal schlecht. Es gibt kreisweit an die 30 Stellplätze für Wohnmobile. Eben jetzt hat Heiningen drei Plätze beigesteuert, nach dem Motto: Wo ein Bad ist, sind Wohnmobilisten willkommen. Das hat allerdings auch seinen Preis: nach aktuellem Stand 35.000 statt 20.000 Euro, wenn man die Bauhofleistungen mitrechnet. Gleichwohl ist es eine Investition in die Zukunft. In Bad Boll wünscht man sich auch Wohnmobilstellplätze, wie sie die Bäder im oberen Filstal haben, und wird wohl auch noch den Platz dafür finden. Der Platz alleine macht es nicht – da haben die Touristiker schon recht. Umgebung und Standard müssen passen. Man muss in Ruhe nach Verbesserungen suchen und schauen, was geht. Die Situation in Bad Ditzenbach springt ins Auge: Dort gibt es den mit Abstand größten Wohnmobil-Parkraum, aber der bekommt Lärm von der Straße. Der Landkeis könnte sich mal Gedanken machen, ob er dort in eine Lärmschutzwand investiert.

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