Windräder auf dem Tegelberg: Kuchener geben Widerstand noch nicht auf

In Kuchen regt sich Widerstand gegen den Standort einer Windkraftanlage, die auf dem Tegelberg gebaut werden soll. Der Erfolg ist ungewiss.

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  • Gerhard Frey (links) und Volker Mann im Wohngebiet Sommerberg. Die 199 Meter hohen Windkraftanlagen, die auf dem Tegelberg (hinter den Häusern) gebaut werden sollen, machen ihnen Sorgen. 1/2
    Gerhard Frey (links) und Volker Mann im Wohngebiet Sommerberg. Die 199 Meter hohen Windkraftanlagen, die auf dem Tegelberg (hinter den Häusern) gebaut werden sollen, machen ihnen Sorgen. Foto: 
  • Der Widerstand richtet sich gegen das Windrad rechts, das dicht am Albtrauf stehen soll. Die Fotomontage zeigt das Wohngebiet Sommerberg und den Tegelberg mit dem geplanten Windpark, wie man ihn von einer Wiese südlich von Kuchen aus sehen wird. 2/2
    Der Widerstand richtet sich gegen das Windrad rechts, das dicht am Albtrauf stehen soll. Die Fotomontage zeigt das Wohngebiet Sommerberg und den Tegelberg mit dem geplanten Windpark, wie man ihn von einer Wiese südlich von Kuchen aus sehen wird. Foto: 
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Der Kuchener Gemeinderat hat getan, was er konnte. In seiner Stellungnahme zum Bau von drei 199 Meter hohen Windrädern, die die Windenergie Baden-Württemberg GmbH auf dem Tegelberg plant,  forderte das Gremium, zumindest eine der Anlagen vom Albtrauf wegzurücken. Außerdem sollte die WEBW eine Informationsveranstaltung für die Bürger von Kuchen, Gingen und Geislingen einberufen. Dem Wunsch nach einer solchen Veranstaltung kam das Unternehmen nach, in Sachen Standort blieb es stur. Weil sich der Windpark auf Donzdorfer Markung befindet, darf die Gemeinde nun nicht mit „Bedenken und Anregungen“ ins weitere Genehmigungsverfahren eingreifen.  Den Bürgern steht diese Möglichkeit allerdings offen und es sieht so aus, als wollten zumindest einige Kuchener sie nutzen. Sie haben ihre Einwände bereits beim Bürgermeister- oder beim Landratsamt eingereicht.

Dazu gehören Volker Mann und Gerhard Frey, die mit ihren Familien am Sommerberg wohnen, wie der untere Teil des Tegelbergs in Kuchen heißt. Beide sind schon im Ruhestand, Mann war früher Polizist, Frey Apotheker im Sonne-Center in Geislingen. Am Tisch auf Manns Balkon besprechen sie die Lage: Mit dem Ergebnis des Informationsabends sind sie äußerst unzufrieden. Sie stellen klar: „Wir sind für Windenergie und akzeptieren die Energiewende.“ Sie ärgern sich aber auch, dass die direkt betroffenen Gemeinden und insbesondere Kuchen kein Mitspracherecht bei der Genehmigung haben und der Donzdorfer Gemeinderat das Vorhaben bereits gut geheißen hat; dass die WEBW nach wie vor nicht bereit ist, die Windkraftanlage in der Nähe des Kuhfelsens ein Stück nach hinten zu verrücken oder ganz darauf zu verzichten; und dass immer noch nicht klar ist, ob das Unternehmen den Strom im Geislinger Längental oder oberhalb von Kuchen ins Netz einspeisen will.

Für die WEBW stehe dagegen die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund. Wenn es wegen einer Richtfunkstrecke und einem nahen Naturschutzgebiet keinen alternativen Standort gebe, müsse man eben ganz aufs dritte Windrad verzichten, sagen Mann und Frey. Ein Windpark mit nur zwei Anlagen würde sich aber nicht lohnen, hätten die Firmenvertreter beim Informationsabend darauf geantwortet. So sei nun auch zu befürchten, dass die Schneise für den Stromanschluss in den Wald am Kuchener Sommerberg und nicht auf Geislinger Gebiet geschlagen wird, wo es weniger belastend gewesen wäre.

Auch hinsichtlich Lärm und Schattenwurf sei der Sommerberg eine kritische Zone. Wenn die Sonne am frühen Morgen hinter einem Windrad stehe, zucke der Schatten der kreisenden Rotoren wie bei einem Stroboskop über die Landschaft und die Häuser im Tal. Außerdem dürfte das Laufgeräusch am Sommerberg ziemlich gut zu hören sein. Zwischen dem letzten Haus am Sommerberg und der ersten Windkraftanlage auf dem Tegelberg liegen nur 750 Meter. Wenn bestimmte Grenzwerte erreicht sind, sollten die Anlagen zwar abgeschaltet werden – „aber wer prüft das?“, wirft Volker Mann ein. Dann dreht sich das Gespräch eine Weile um den befürchteten Infraschall, der empfindliche Menschen noch kränker machen und auf alle Fälle auch Auswirkungen auf Tiere haben soll: „Pferde und Kühe verhalten sich unter seinem Einfluss anders als sonst“, erklärt Mann.

Ist das nun der Anfang einer neuen Bürgerinitiative? Nicht unbedingt, sagt Volker Mann, der schon seit vielen Jahren für die neue B 10 kämpft. Zunächst gehe es darum, die Bürger aus ihrer Lethargie zu reißen. Die Informationsveranstaltung sei sehr schlecht besucht gewesen. „Wahrscheinlich fängt das Geschrei aber an, wenn die Dinger da oben aufgebaut werden.“ Mann warnt: „Wenn der Wald erst einmal gerodet ist, hat der Kommerz gesiegt.“ Sollte sich eine Initiative formieren, würde er sich ihr aber nicht verweigern.

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