Windkraftpläne ein „Schildbürgerstreich“

Mehr als 200 Bürger waren zu einer Info-Veranstaltung der Bürgerinitiativen (BI)„Gegenwind Adelberg“ und „Pro Schurwald“ in die Adelberger TSV-Halle gekommen.

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Keine Windräder soll es im Schurwald geben, schon weil der Wind nicht reiche, fordern Bürgerinitiativen.  Foto: 

„Ohne die Zustimmung der Gemeinde gibt es keine Windräder, deshalb informieren und engagieren Sie sich, denn es geht um eine gewaltige Veränderung“, sagte Michael Haueis von der Bürgerinitiative (BI) „Pro Schurwald“ bei einer Informationsveranstaltung in Adelberg, zu der mehr als 200 Bürger kamen. Er bekam dafür großen Beifall.

Die BI „Gegenwind Adelberg“ mit ihrem Sprecher Steffen Müller hatte Haueis eingeladen, der eigenes Zahlenmaterial den Aussagen der ENBW entgegenstellte. Die ENBW will am Kaisersträßle in Adelberg und bei Börtlingen-Breech zwei Windräder und im Bereich des ehemaligen Bundeswehrdepots bei Wangen vier Windräder aufstellen.  Die Anlagen seien mit 230 Meter Gesamthöhe und 164 Meter Nabenhöhe am Kaisersträßle in einem nicht-öffentlichen Verfahren geplant, sagt die Bürgerinitiative. Die bei Wangen sollen 200 zu 149 Meter hoch werden. Pro Windrad müsse ein Hektar Wald gerodet werden und 4000 Tonnen Beton müssten dazu gesetzt werden. Die Unterlagen dazu habe die ENBW schon im Juni im Landratsamt eingereicht.

Die Bürgerinitiativen mit ihren Sprechern Steffen Müller von „Gegenwind Adelberg“ und Michael Haueis von „Pro Schurwald“ wollen „die Heimat erhalten“ und über die Risiken und Folgen der geplanten Windräder im „windärmsten Bundesland Baden-Württemberg“ aufklären.  Sie werfen der ENBW vor, nicht korrekt mit den Zahlen zu arbeiten und als Unternehmen des Landes trotz Unwirtschaftlichkeit „ideologische Ziele“ durchsetzen zu wollen. Prognosen und Realität stimmten nicht überein. Haueis kritisierte die Nicht-Öffentlichkeit des Verfahrens und forderte die anwesenden Bürger auf, schriftlich Einwände zu erheben. Nur damit habe man sich als Betroffener ein Klagerecht erworben. Man müsse sich gegen „Betrug und Volksverdummung wehren“.

 Die Risiken würden von der ENBW verharmlost und sie versuche, über Ausnahmegenehmigungen die Windräder im Schurwald durchzusetzen, obwohl Messungen nach Aussagen der Bürgerinitiativen unter den Mindest-Richtwerten der Technischen Richtlinie 6  blieben, weil es im Schurwald zu wenig Wind gebe. Man fordere Messungen an jedem geplanten Standort nach dieser Richtlinie über den Zeitraum von einem Jahr und eine jeweilige Umweltverträglichkeitsprüfung.

 Weiter wurde der Mindestabstand von 700 Metern zur Wohnbebauung und 450 Metern zu Gewerbegebieten kritisiert. Die BIs zweifeln auch an der Unabhängigkeit der Gutachten, weil sie vom Investor bezahlt würden. Die Gemeinde Adelberg habe bereits die Überprüfung des Artenschutzgutachtens veranlasst. Befürchtet werden eine Zerstörung der Landschaft und Gesundheitsschädigungen durch „Schallausbreitung von 40 Dezibel an der Nordgrenze von Adelberg“, durch Infraschall und Lärmbelästigung der Rotoren sowie tödliche Auswirkungen auf Tiere wie Vögel und Fledermäuse. Und die Immobilien hätten einen Wertverlust von über 30 Prozent.

 Windkraft leiste keinen Beitrag zum Klimaschutz, sagte Haueis. Der Strom sei nicht grundlastfähig, er falle nicht an, wenn man ihn brauche,  und das Ganze sei wegen der zu geringen Auslastung von 13 Prozent nicht wirtschaftlich. Müller betonte, man müsse den Anfängen wehren und es sei ein „Schildbürgerstreich“, Baden-Württemberg zu einem Windkraftland machen zu wollen. Die Bürgerinitiativen hätten standardmäßige Einsprüche vorbereitet und wollten mit Hilfe von Anwälten und Gegengutachten die Windräder im Schurwald verhindern.  

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Kommentare

12.09.2016 21:35 Uhr

Am Schluss der Veranstaltung flogte Intermezzo unhaltbarer Behauptungen

Erst war ich positiv überrascht über die Präsentation von Herrn Haueis. Diese beschäftigte sich zunächst mit den aktuellen Planungsständen, Lärm, Schattenschlag, Landschafts- und Artenschutz, Möglichkeiten zur Einreichung von Einwendungen und Stellungnahmen der Bürger usw. Bis dahin wirklich gut, weitestgehend sachlich und seriös.

Doch im letzten Drittel folgte ein Intermezzo unhaltbarer Behauptungen, die beim Publikum prompt das erhoffte Kopfschütteln und Entsetzen auslösten. Leider kann ich im Rahmen eines Leserbriefes nur auf einige wenige eingehen.

So sei, bezogen auf die installierte Leistung (max. Generatorleistung) im Schnitt nur 13% "Auslastung" zu erwarten. Das sei Irrsinn und würde nur 3 Stunden Erzeugung täglich bedeuten. Und dies natürlich nur, wenn niemand den Strom brauche, so dass der für uns kostenpflichtig von den Alpenländern abgenommen werden müsste. Darüber lache die ganze Welt.

Fakt ist: Die energetische Amortisationszeit einer Windkraftanlage beträgt im Schnitt nur 3 bis 7 Monate. Aller spätestens nach gut einem Jahr hat ein Windrad die zur Herstellung und Errichtung aufgewendete Energie ins Netz eingespeist. Im Laufe der Betriebszeit spielt ein Windrad somit das 20 - 50 fache der aufgewendeten Energie ein. Ein konventionelles Kraftwerk hingegen verbraucht immer das 2,5 bis dreifache an Energie in Form von Brennstoffen, als es dann ins Netz einspeisen kann. Eine energetische Amortisation ist also ausgeschlossen.

Was genau sagt nun die Angabe der Auslastung bezogen auf die installierte Leistung aus? Nicht wirklich viel. Vor allem, und das sollte auch der Referent wissen, darf man niemals die Volllaststunden (3 Stunden pro Tag) mit den Betriebsstunden gleichsetzen. Ein Windrad läuft überwiegend im unteren Teillastbetrieb und deckt so ganz erhebliche Zeiträume ab. Das war aus meiner Sicht eine gezielte Irreführung.
Auch gegen den Klimawandel wären Windräder nicht geeignet, weil dann an anderer Stelle die dadurch freien Zertifikate verwendet würden. Das ist zwar traurig, darf man aber nicht den Windrädern anlasten, sondern den völlig missratenen Zertifikatehandel. Selbst Strom einsparen hätte so gesehen auch keine Wirkung.

Infraschall mit hochradioaktive Strahlung gleichzusetzen, weil beides nicht wahrnehmbar ist, geht gar nicht!

Bis auf die Investoren (Betreiber) würden alle Beteiligten der Windkraftindustrie satt verdienen. Die Investoren seien aber derart ideologisch verbohrt und politisch fehlgeleitet, dass es ihnen völlig egal sei, ob und wie viel Verlust sie mit ihren Projekten machten. Legten sich mit der Bevölkerung und gar den eigenen Kunden an, nur um ihre ideologischen Ziele durchzusetzen. Auch frisierte Windgutachten würden da den Genehmigungsbehörden untergejubelt. Aber die seien ja ohnehin meist miteinander verwoben. Das lasse ich jetzt einfach unkommentiert auf Sie wirken.

Rüdiger Höwler
Rechberghausen

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