Windkraft: Gegner laufen Sturm

Der Pachtvertrag für das Gelände eines möglichen Windparks wurde am Dienstag auf dem ehemaligen Bundeswehrdepot bei Wangen übergeben. Begleitet wurde dies von lautstarken Protesten der Windkraftgegner.

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Viel Wind - oder anders ausgedrückt - lautstarker Protest der rund 70 Windkraftgegner und Anlieger schlugen dem baden-württembergischen Minister für ländlichen Raum, Alexander Bonde (Grüne), und den Verantwortlichen des Investoren-Konsortiums entgegen, als der Minister am Dienstag den Pachtvertrag für die sogenannte Windvorrangfläche GP-03 zwischen Wangen und Schorndorf-Oberberken überreichte. Das Konsortium, bestehend aus der Energieversorgung Filstal (EVF) sowie den Stadtwerken Schorndorf, Fellbach und Tübingen, prüft derzeit, ob auf dem rund 645 Hektar großen Waldareal auf den Gemarkungen von Wangen, Adelberg, Uhingen und Schorndorf bis zu sechs Windkrafträder gebaut werden können. Dazu wird dort seit Januar der Wind gemessen.

"Grün machts tödlich" stand auf einem Demonstranten-Transparent. So begleiteten dann auch "Grüne weg"-Rufe oder die Frage "Was macht ihr, wenn kein Wind weht?" sowie Trillerpfeifen und Buhrufe die Rede von Schorndorfs Oberbürgermeister Matthias Klopfer, der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Schorndorf ist. Klopfer sprach bei der Überreichung des Pachtvertrags von "einem wichtigen Tag, um die Energiewende voranzutreiben" und auch von einer "großen Chance". Zudem habe es in Schorndorf eine "vorbildliche Bürgerbeteiligung" gegeben, wofür er prompt höhnische Kommentare der Protestler erntete. Die Unternehmenskooperation wolle rund 25 Millionen Euro auf dem ehemaligen Bundeswehrdepot investieren und Arbeitsplätze schaffen. "Dies ist ein wirtschaftlicher und ökologischer Fortschritt", ist sich der Schorndorfer OB sicher.

Und Minister Bonde betonte in seiner kurzen Ansprache die wichtige Rolle der Windkraft bei der Energiewende. "Das ist ökologisch der richtige Weg", sagte Minister Bonde.

Nach gut 20 Minuten war der offizielle Teil schon beendet. Weitere Infos zu dem Projekt gab es wegen des lautstarken Protests nicht. Allerdings diskutierten sowohl der Minister als auch Boris Palmer (Grüne), OB von Tübingen, mit den aufgebrachten Windkraftgegnern.

Am Rande der Veranstaltung war dann aber doch zu erfahren, dass noch bis Ende des Jahres der Wind auf dem Gelände gemessen wird. Erst wenn diese Ergebnisse vorlägen, könne man 2015 entscheiden, ob und wie viele Windräder dort gebaut werden. Der Zeitplan hänge auch von dem Verlauf der Genehmigungsverfahren für die Windräder und den Naturschutzgutachten ab.

Die Windräder sollen samt Rotorblättern knapp 200 Meter hoch werden. Werden sie gebaut, sollen sie ab dem Jahr 2016 Strom produzieren, meinte Timo Schlotz von den Stadtwerken Schorndorf. Der Abstand des Windvorranggebiets nach Oberberken beträgt rund 1,2 Kilometer, nach Adelberg etwa einen Kilometer und nach Wangen, Wangen-Oberwälden und Uhingen-Holzhausen jeweils mehr als zwei Kilometer.

Grundsätzlich stehe man den Windrädern positiv gegenüber, meinte Wangens Bürgermeister Daniel Frey (CDU). Sollten die Windräder gebaut werden, werde es in Wangen auf jeden Fall noch eine Bürgerinformationsveranstaltung zusammen mit der EVF geben, sagte Frey.

Wie viel das Konsortium an Pacht für das Gelände bezahlt, wollten die Verantwortlichen nicht verraten. Ebenso wenig rückten sie mit der Antwort heraus, wie die Tendenz bei den Windmessungen derzeit aussieht. Nur soviel war zu erfahren: Sollten die Windräder nicht gebaut werden, bestehen Ausstiegsklauseln aus dem Pachtvertrag.

Die zahlreich vertretenen Mitglieder der Bürgerinitiativen (BI) befürchten dagegen, wie etwa Ewald Nägele aus Birenbach von der BI Stauferland, dass diese Windräder erst der Anfang im Schurwald seien. Zudem würde dort ein "Geldgrab gebaut", so Nägele. Wirtschaftlich seien die Windräder mehr als fragwürdig und sie würden die Landschaft und die Natur zerstören.

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Kommentare

19.04.2014 13:10 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Ergänzung zu „Antwort auf „Antwort auf „Antwort auf „Die ewig...

Ja genau, manche Menschen sind halt privilegiert :-)

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19.04.2014 13:07 Uhr

Antwort auf „Mindestabstände”

Herrr Gärtner sollte meinen Kommentar vielleicht lesen, bevor er ihn kommentiert :-)
Auch ein Mindestabstand von 1000 oder 1200 Metern zu den 200 Meter hohen Windradriesen ist viel zu niedrig, zumal diese Anlagen auch immer in Gruppen zu ca. 5 bis 10 Anlagen gebaut werden (hier sollen es 6 sein).
Dass Herrn Gärtner die in der Tat stark gefährdete Tierwelt und die Anwohner nicht groß interessieren, für ihn gewissermaßen als "Kollateralschaden" zu vernachlässigen sind, ist nun auch nicht Neues, geht es ihm doch um das hohe Ziel der -angeblichen- Weltrettung. Er setzt halt seine eigenen Prioritäten..
Dass das nicht nur direkt betroffene Anwohner deutlich anders sehen, wird er wohl aushalten müssen.

Andernorts wie zum Beispiel im Regionalverband Donau-Iller sind die Mindestabstände übrigens genau wie von mir beschrieben, nämlich 700 Meter zu Gemeinden und 800 Meter zu Städten (schön auch, dass Stadtbewohner dort offensichtlich wertvoller sind).
Und das ist definitiv zu wenig!

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19.04.2014 13:05 Uhr

Antwort auf „Ergänzung zu „Antwort auf „Antwort auf „Antwort auf „Die ewig Gestrigen..”””””

Jetzt sind des schon über 1,2 km Abstand!

Herr Herter, sie haben ein Luxusproblem!

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18.04.2014 15:33 Uhr

Mindestabstände

Herr Herter sollte den Artikel vielleicht lesen, bevor er sich wegen angeblich zu geringer Mindestabstände der Windkraftanlagen aufregt.
Hier noch einmal in Kurzform:
" Der Abstand des Windvorranggebiets nach Oberberken beträgt rund 1,2 Kilometer, nach Adelberg etwa einen Kilometer und nach Wangen, Wangen-Oberwälden und Uhingen-Holzhausen jeweils mehr als zwei Kilometer."
Aber nach den Mindestabständen. wird sicherlich die gefährdete Tierwelt als Gegenargument herhalten müssen. Leider wird von den Windkraftgegnern oft vergessen, dass die teure Kohle und das politisch fragwürdige russische Erdgas, Auslaufmodelle sind. Werden Abgasfiltertechniken installiert, die dem Stand der Technik entsprechen, wird der Strom teuer.
Viel teurer, als der durch Windkraft erzeugte Strom. Windenergie, sauber und billig.

Muss die EU weiterhin jedes Jahr Milliarden ausgeben, an versteckten Subventionen für die Atomstromerzeuger und die Schadstoffschleudern, welche mit fossilen Energieträgern die Grundlast abdecken?
Oder wäre es nicht sinnvoller mit diesen Milliardeninvestitionen Speichertechniken zu optimieren, um bereits heute anfallende Überschüsse sauberer Energien zu speichern und damit Grundlastfähig zu machen?
Bisher haben diejenigen Kommunen. welche als langjährige Anteilseigner der EnBW kein Interesse an Wettbewerb im Strommarkt und dem Risiko geringerer Aussschüttung von Gewinnen für ihre Stadtsäckel hatten, die Windenergie bekämpft. Dies ändert sich nun. Langfristige Investionen in Windkraftanlagen mit eigenen Versorgungsnetzen versprechen höhere Einnahmen für die klammen Haushalte der Kommunen. Ein mutiger und vernünftiger Schritt zur langfristigen Stärkung der kommunalen Haushalte.

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18.04.2014 10:39 Uhr

Ergänzung zu „Antwort auf „Antwort auf „Antwort auf „Die ewig Gestrigen..””””

Nun, der zweite Kommentar war von User Seibert, nicht von User Kühn.
Insofern passt mein voriger, etwas polemischer Kommentar inhaltlich nicht wirklich, sorry.
Für Herrn Seibert nur so viel:
Es geht schlicht um die Tatsache, dass der Mindestabstand der neuen, über 200 Meter hohen Windanlagen zur Wohnbebauung mit 700 bis 800 Metern viel zu gering ist (weniger um die Tatsache, ob man eine Südterrasse hat mit Fernblick).
Dieser geringe Abstand mag damals noch gereicht haben, als diese Anlagen ca. 80 bis 100 Meter hoch waren. Wenn sich die Anlagenhöhen mehr als verdoppeln, dann muss sich auch der Abstand mehr als verdoppeln auf ca. 2000 Meter.
Aber dagegen wehren sich die gut vernetzten und gut mit EEG- und Steuer-Subventionen finanzierten Wind-Lobbyisten äußerst erfolgreich! Natürlich in engem Verbund mit manchem Lokalpolitiker, der auf fette Pachteinnahmen für die Standorte schielt, oder gar noch den vielzitierten "Schwippschwager" hat mit entsprechendem Grundstücksbesitz für neue Windrad-Standorte.

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18.04.2014 09:19 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Antwort auf „Die ewig Gestrigen..”””

Und, haben Sie jetzt schon Ihre eigenen, ganz privaten Windräder wie beschrieben beantragt? Genau solche Anlagen mit einem lächerlich geringen Abstand von 700 bis 800 Metern zu Städten und Dörfern (und damit Menschen) werden derzeit überall geplant.
Erst dann können Sie glaubhaft aussagen, dass solche Riesenanlagen ein "GANZ KLEINES MANKO" für Mensch und Natur darstellen! Und dann mag das für ihr ganz perönliches Befinden gelten, aber nicht für Ihre Mitmenschen!
Aber dafür haben Sie wahrscheinlich ebenfalls "überhaupt kein Verständnis".
Vielleicht haben Sie gar öfters ein "Verständnis"-Problem?

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18.04.2014 08:08 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Die ewig Gestrigen..””

"... genau in Südrichtung zu Ihrer Sonnenterrasse in einem Abstand von 750 Metern mindestens 10 ca.210 Meter hohe Windräder gebaut werden."

Und deshalb regen Sie sich auf?? Das ist Jammern auf ganz hohem Niveau.
Die meisten Deutschen haben nicht mal 100m freie Sicht.
Für solch eine Argumentation habe ich überhaupt kein Verständnis.

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17.04.2014 09:13 Uhr

Antwort auf „Die ewig Gestrigen..”

Wie schön, dann empfehle ich Ihnen dringend zu beantragen, dass genau in Südrichtung zu Ihrer Sonnenterrasse in einem Abstand von 750 Metern mindestens 10 ca.210 Meter hohe Windräder gebaut werden.
Ich finde es vorbildlich und lobenswert, dass Sie dann ganz persönlich dieses "ganz kleines Manko in Kauf nehmen".
Geht es doch um die Rettung der Menschheit und Ihren wertvollen Beitrag dazu!

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16.04.2014 17:53 Uhr

Die ewig Gestrigen..

sind mal wieder gegen alles - Windkraft, Atomkraft und Hochspannungstrassen, weil der Strom bekanntlich ja aus der Steckdose kommt.
Angesichts der Klimaerwärmung und den Atomstromrisiken sollte jede Chance zur Energiegewinnung genutzt werden, auch wenn sie heute noch nicht zwingend wirtschaftlich ist. Und: Eine Windkraftanlage ist in 3 Wochen wieder abgebaut. Ein Kernkraftwerk rückzubauen dauert 30 Jahre und produziert riesige Mengen Atommüll, der hundertausende von Jahren strahlt. Von den Folgen der Klimaerwärmung will ich gar nicht reden.
Für mich sind Windräder nur der erste Schritt in eine nachhaltige Energiegewinnung. Die damit verbundene visuelle Beeinträchtigung der Natur kann man als ganz kleines Manko in Kauf nehmen.

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16.04.2014 10:50 Uhr

Grün wirkt. Geheimhaltung und Intransparenz.

(..) Viel Wind - oder anders ausgedrückt - lautstarker Protest der rund 70 Windkraftgegner und Anlieger schlugen dem baden-württembergischen Minister für ländlichen Raum, Alexander Bonde (Grüne), und den Verantwortlichen des Investoren-Konsortiums entgegen, als der Minister am Dienstag den Pachtvertrag für die sogenannte Windvorrangfläche GP-03 zwischen Wangen und Schorndorf-Oberberken überreichte. (..)

(..) Wie viel das Konsortium an Pacht für das Gelände bezahlt, wollten die Verantwortlichen nicht verraten. (..)

Da ist er ja schon wieder, der besondere Grüne Humor auf Kosten der Grünen-Wähler und aller Steuerzahler.

Phrasen 'Demokratie, Transparenz, Bürgerbeteiligung' dreschen - und wenn's dann darauf ankommt sich nicht daran erinnern können. Nichts 'verraten' wollen.

Grün wirkt. Vor allem für sich selbst zum politischen 'Oben bleiben'.

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16.04.2014 10:22 Uhr

Fragen nicht beantowrtet

Welche "große Chance" das sein soll, hat Herr Klopfer, der seine Mitgliedschaft beim deutschen Alpenverein Sektion Schorndorf eigentlich jetzt zurückgeben sollte, nicht beantwortet. Diese Veranstaltung war eine echte Lachnummer unserer grün-roten Politikdarsteller.

Die Windmessungen sind eh nur Show. Es wird gebaut werden, weil es auch der Wunsch der Landesregierung ist ( Stichwort Staatswald) und weil es eben ein Geschäft ist. Fragt sich natürlich nur für wen? Es geht immer nur ums Geschäft und gewisse Herrschaften verstecken sich dabei immer gerne hinter einem imaginären Klimaschutz als Totschlag-Argument.

Auf einem Fahrzeug eines der Stadtwerke stand zu lesen: "Mit uns können Sie baden gehen". Das sollte man in Bezug auf dieses Windkraftprojekt wirklich wörtlich nehmen.

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