Wiesensteigs Freibad-Sorgen

Das Gesundheitsamt wird Zünglein an der Waage sein, ob ein Ersatz für den defekten Filter des Freibads genügt, oder der größer dimensioniert werden muss. Das würde die Stadt teuer kommen.

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Ein Filter im Wiesensteiger Tälesbad, hier ein Bild aus vergangenen Tagen, ist schon defekt, der zweite Filter dürfte auch nicht mehr lange halten. Auch die Umwälzpumpen sind in die Jahre gekommen. Deshalb besteht Handlungsbedarf.  Foto: 

Mitten in der Badesaison tropfte einer der beiden Filter im Technik­raum des Freibads. Eine Inspektion durch den Ingenieur Ulrich Schwertle vom Bad Uracher Fachbüro Fritz Planung brachte zutage: Der Filter ist stark korrodiert und konnte im Sommer nur weiter betrieben werden, indem er durch Holzbalken gesichert worden ist. Sehr zum Leidwesen der Stadträte stellte der Fachmann ebenso beim zweiten Filter Korrosionen fest. Schwertles Empfehlung an den Gemeinderat: beide Filter zu ersetzen, am besten gleich die komplette Technik. Denn, so sein Fazit, die Umwälzpumpen sind ebenfalls in die Jahre gekommen, und wie lange die veraltete Schaltanlage noch durchhält, sei ebenso fraglich.

Am meisten  auf den Magen geschlagen hat dem Gremium jedoch, dass die Filteranlagen nicht einfach nur ersetzt werden können, denn sie sollten die vorgegebene DIN-Norm einhalten. Die setzt nämlich einen Volumenstrom voraus, den Filter in der Größe der bisherigen nicht erreichen. Somit reicht der vorhandene Platz der Filteranlagen für eine Erweiterung nicht aus, es müsste angebaut werden. Deutlich höhere Kosten also, die Ingenieur Ulrich Schwertle im unteren sechsstelligen Bereich einordnet.

Ein reiner Ersatz könnte ohne zu hohe Zusatzkosten über das vorher abzunehmende Dach erfolgen. Da die DIN-Vorschrift letztlich eben wegen der hohen Kosten für viele kleine Bäder das Aus bedeuten könnte, habe der Gesetzgeber jedoch eine Lücke, den „Sonderfall Freibäder“, gelassen. In diesem Fall wäre die defekte Filteranlage einfach auszutauschen, obwohl der Volumenstrom nicht erreicht wird. Dazu muss die Stadt nachweisen, dass die Besucherzahlen, und zwar die Höchstzahlen in einem Zeitraum von fünf Jahren, längst nicht an die Zahlen gelangen, die zur Bemessung der DIN-Vorgabe herangezogen werden. Schnell hat Wiesensteigs Stadtrat Thomas Weimper in der Sitzung die DIN-Grundlagen durchgerechnet und kam zu dem für alle erleichternden Ergebnis: „Da müssten wir täglich 1500 Badegäste im Tälesbad haben. Das haben wir nie und nimmer.“ Gute Chancen also für den „Sonderfall“.

Doch eine weitere Hürde steht Wiesensteig bevor: das Gesundheitsamt muss dahinter stehen. Bürgermeister Gebhard Tritschler wird der Behörde gemeinsam mit Schwertle bereits für Ende diesen Monats die Situation vortragen. Sollte diese in Wiesensteig den „Sonderfall“ anerkennen, sieht der Zeitplan vor, im Frühjahr die Planung vorzulegen und während der Sommerferien die Filteranlagen auszutauschen.

Solaranlage für warmes Wasser

Ob obendrein die Technik erneuert wird, das will das Gremium nach Vorlage einer groben Kostenschätzung entscheiden. Positiv nahm das Gremium die Idee auf, das komplette Dach des Technikraums neu zu decken und mit einer Solaranlage zu bestücken, die das Badewasser aufheizen soll. Das Gremium entschied ebenso, das Freibad im Sommer wieder zu öffnen – mit der alten Anlage. Schlimmstenfalls könnte das Wasser übergangsweise über eine GFK-Sandfilteranlage im Außenbereich umgeleitet werden. Alle hoffen jedoch, dass die Holzbalken ihren bislang guten Dienst für eine weitere Saison leisten. Einer Realisierung schon für die kommende Badesaison räumt Schwertle allerdings keine Chance ein, weil die Handwerksbetriebe alle ausgelastet sind.

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