Wie Künstler-Heroen Technik sehen

Wie heißt es in der Werbung: Bei Technikfragen Tech-Nick fragen? Man kann aber auch die Großen der Kunst befragen - und kommt zu erstaunlichen Ergebnissen, zu sehen in einer Ausstellung auf Schloss Filseck.

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Ein passendes Geschenk zu Muttertag? Auch Man Rays praktisches Nagelbügeleisen von 1975 mit dem Titel "Cadeau" ist auf Schloss Filseck zu sehen. Bis zum 4. Juli läuft dort noch die Ausstellung "Käfer, Crash & Capri-Batterie".  Foto: 

Sie gehört nicht zu den Publikumslieblingen der Ausstellungsszene, auf dem Dachboden von Schloss Filseck fristet sie eher unscheinbar ihr Dasein - und doch ist die Exposition "Käfer, Crash & Capri-Batterie. Wie Künstler Technik sehen" allemal sehenswert.

Die Ausleihen aus der Sammlung von Dr. Hans Peter Schiffer aus Heidenheim zeigen bizarre Bilder von vermeintlichen Experimenten, Maschinen und längst verschwundenen Bauwerken, aber auch augenzwinkernd-spielerische Beiträge aus der Abteilung "Die wirrsten Skizzen der Welt" - mit einem Wort: Diese Ausstellung kann auch weniger technikaffinen Besuchern durchaus gefallen.

Der Titel verweist auf drei Ausstellungsgegenstände und damit zugleich auf drei Positionen der Kunst. Zunächst der Käfer, Sinnbild für Automobiltechnik der Nachkriegsära und massenhafte Zuverlässigkeit, eingefangen mit historischen Fotos aus den VW-Werken in Wolfsburg. Ein Crash geht jedem der Fotografien des Schweizer Künstlers Arnold Odermatt voraus, denn der Schweizer Künstler hat sich in seiner Serie auf Autounfälle spezialisiert und offenbart hier Bilder, die ob des Kontrasts von eingedellten Autos und einsamer Straße fast schon schmunzeln lassen. Last but not least die Capri-Batterie. So heißt eines der bekanntesten Multiples, also seriell hergestellte Kunstobjekte, von Joseph Beuys - eine Glühbirne mit Zitrone in sonnigem Gelb, die für die Vision einer Versöhnung von Technik und Natur steht.

Man muss nicht alles in der Ausstellung verstehen. In Jean Tinuelys "Meta-Harmonie" etwa, einer Zeichnung wie eine Telefonkritzelei, erschließt sich auch auf den zweiten Blick die Harmonie nicht wirklich. Aber vieles macht einfach Spaß zu entdecken, etwa Konrad Klap-hecks Maschinen, bei denen die Ehrfurcht des Menschen vor Technik in eine spielerische Groteske kippt (etwa bei der zum Bügeleisen gehärteten Schwiegermutter). Anton Stankowskis "Zwei Engländer" stehen intensiv miteinander in Dialog - wohlgemerkt als Werkzeuge. Und Peter Vogel hat für seine "Stele mit weißem Lautsprecher" das Innere eines Verstärkers an Metallstreben aufgereiht. Der Clou: Sobald man sich vor dem Ding bewegt, reagiert es mit den blechernen Blopp-Geräuschen veralteter Videospiele.

Selten hat ein Künstler die Dynamik von Geschwindigkeit so plastisch sichtbar gemacht wie der Göppinger Künstler Stefan Rohrer mit seinem gelängten Rennwagen aus der Indie-Serie - den durch den gekrümmten Raum fliegenden Fahrer gibt es gratis dazu.

Gemütlicher kommt da schon Lorenz Lochauers altes Alfira-Rennrad daher, an dessen Felgen der Betrachter buchstäblich den Zahn der Zeit mitverfolgen kann, Zahnrad für Zahnrad.

Und dies ist längst nicht alles, was es in Uhingen zu bestaunen gibt: Die Ausstellung kann man auch wie eine Ahnengalerie berühmter Künstler begehen: Vom Objektkunstpionier Marcel Duchamp sind Rotorreliefs zu sehen, von Man Ray ein Bügeleisen mit Reißnägeln. Die Pop-Art ist ebenfalls prominent auf Filseck vertreten: Andy Warhol und Roy Lichtenstein spiegeln Alltagstechnik, und Richard Hamiltons Reifenprofile sind, besonders als weiß-auf-weißes Relief, sehr ästhetisch - ebenso wie die gezeigten Fotoabzüge fein ziselierter Glühbirnen oder Heinrich Heidersbergers "VW Kraftwerk". Heidersberger präsentiert ein entrücktes Monument aus einem anderen Jahrhundert, das einsam im Raum zu schweben scheint. Solche Bilder bleiben hängen - allein dies lohnt den Besuch.
 



Info Öffnungszeiten: Di. bis So. 14-17 Uhr (bis 4. Juli)

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