WETTER: Der abgelaufene Juli war deutlich zu warm

Leicht wechselhaft, sommerlich warm und damit fast ein durchschnittlicher Juli. Aber eben nur fast: Das ist die Kurzbilanz des abgelaufenen Monats.

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Schaut man mal auf die Durchschnittswerte, so scheint der abgelaufene Juli fast ein Durchschnittsmonat gewesen zu sein. Gut, mit 17,6 Grad war er exakt um 1,9 Grad wärmer als das langjährige Mittel – dazu wird die international gültigen Referenzperiode von 1961 bis 1990 zum Vergleich herangezogen – aber im Sommer stört das ja eigentlich niemanden so richtig. Und in Sachen Niederschlag beziehungsweise Sonnenschein legte der Juli sogar beinahe eine Punktlandung hin. Dazu besagen die Messdaten der Wetterwarte Stötten: 101,8 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter (Soll 100,8) sowie 239,5 Stunden Sonnenschein (Soll 247,5 Stunden).

Nun kommt das „Aber“: Nach meteorologischen Maßstäben sind 1,9 Grad zu viel ein ordentliches Pfund. Oder wie es Wetterbeobachter Martin Melber etwas unaufgeregter formuliert: „Der Juli war auf der Ostalb in Stötten deutlich zu warm.“ Im Juli-Wärme-Ranking schafft es der abgelaufene Monat auf Platz 15 in 71 Stöttener Beobachtungsjahren, obwohl die Temperaturen nie über 30 Grad kletterten. Aber mit Ausnahme von vier Tagen in der Monatsmitte auch nie längere Zeit absackten. Zudem folgte prompt das Hoch „Burkhard“, das der Region eine „kurze Hitzewelle“ (Melber) bescherte. Der wärmste Tag fällt in diese Phase und war der 20. Juli mit 29,5 Grad. Sommertage, an denen die Temperatur bei 25 Grad und drüber liegt, gab es zuletzt sieben.

Der Rekord-Juli liegt indes zehn Jahre zurück. Seinerzeit versüßten den Fußball-Fans durchschnittliche 21 Grad das deutsche Sommermärchen bei der Heim-WM. Zur Erinnerung: Am 9. Juli 2006 schlug die Nationalelf im kleinen Finale Portugals Seleção mit 3:1. Der Vollständigkeit halber zum Frösteln noch der kälteste Stöttener Juli. Der datiert zurück auf 1954 und bescherte der Region schauderhaft kalte 12,7 Grad.

Ist ja alles nicht so wild, mag man meinen. Den besonderen Kick bekommt der abgelaufene Juli aber durch die Sparte Niederschlag. Ein Liter mehr als üblich hört sich ganz gut an. Dafür verantwortlich sind aber gerade mal zwei Stunden: „Bei einem nächtlichen Gewitter fielen am 26. Juli vor Mitternacht binnen zwei Stunden 48,8 Liter pro Quadratmeter, was fast die Hälfte des gesamten Monatsniederschlags ausmachte“, erläutert Melber.

Die Crux: Was für Stötten gilt, kann andernorts ganz anders sein, „starke Niederschläge sind oft eng eingegrenzt“, erklärt Melber. Was bedeutet, dass Orte mit enormen Regenmengen und trockene Landstriche oft dicht nebeneinander liegen. Bezeichnend dafür: der Landeswert. Gut 80 Liter waren es – und damit deutlich weniger als das Soll von 91 Liter. Das letzte Monatsdrittel war durch „schwache Luftdruckgegensätze mit feuchtwarmen Luftmassen“ (Melber) geprägt. Das heißt, über ganz Mitteleuropa herrschten ähnliche Luftdruckverhältnisse mit ähnlich schwülem Wetter, was der Region ein gewisses Tropen-Feeling, aber auch Gewitter bescherte. Ansonsten war der Juli eine recht trockene Angelegenheit, obwohl es in der Summe nur an zwölf Tagen nicht regnete: Außer besagtem 26. Juli gab es nur noch drei weitere Tage mit mehr als fünf Litern Niederschlag.

Immerhin: Selbst ohne den 26. Juli wäre der vergangene Monat nicht so in den Keller gerauscht wie der Juli 1964, als es gerade mal 10,9 Liter geregnet hatte. Und selbst ein weiterer 26. Juli hätte nicht gereicht, um den Rekordwert aus 1987 zu toppen: 262,6 Liter stehen in den Annalen.

Bleibt schlussendlich der Blick auf die Sonnenscheindauer. Da war Baden-Württemberg mit gut 235 Stunden (Soll 229 Stunden) deutschlandweiter Spitzenreiter. Stötten toppte sogar diesen Wert mit 239,4 Stunden. Weil es dort auf der Alb aber noch einen Ticken sonniger ist, schrammte die Wetterwarte Stötten knapp am Soll von 247,5 Stunden vorbei. Der sonnigste Juli-Tag war am 7. Juli mit 14,6 Stunden – einer von elf Tagen mit mehr als zehn Stunden Sonnenschein. Nebel gab es an insgesamt acht Tagen.

Von den beiden Rekordwerten ist der abgelaufene Juli indes weit entfernt: 2006 zählte die Wetterwarte unerreichte 336,4 Stunden, 1980 magere 136,3 Stunden.

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