Wenn Tränen zu Perlen werden

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"Wenn Tränen zu Perlen werden - weinen reinigt die Seele", war das Thema, zu dem die Religionslehrerin Monika Ramsayer aus Königsbronn jetzt beim Frauentreff im evangelischen Gemeindehaus in Amstetten sprach.

"Wann und wen haben Sie das letzte Mal in der Öffentlichkeit weinen sehen?", fragte Ramsayer, nachdem Helga Tonnier die Referentin sowie die erfreulich zahlreich erschienenen Frauen begrüßt hatte. Tränen, die Ausdruck von Schmerz, Wut oder auch Freude sein können, seien wie ein Vulkanausbruch und nicht zu steuern.

Weinen indessen sei verpönt - besonders bei Männern. Aber auch Frauen gerieten schnell in den Ruf, eine Heulsuse zu sein. Früher gab es bei Beerdigungen Klageweiber, heute nähmen die Betroffenen häufig Beruhigungsmittel. Auch für viele Jugendliche sei der Tod eine ganz unrealistische Sache. Oft weinten Menschen nur noch innerlich, doch ungeweinte Tränen können zu Krankheiten führen, warnte die Referentin.

Tränen zeigen Empfindungen und Mitgefühl. Heute sei aber angesagt, "cool" - also ohne Anteilnahme zu sein. "So berauben wir uns eines Stücks des Lebens. Wir verdrängen den Schmerz, weil wir leben wollen, doch dieser Vulkan gärt in uns", sagte Ramsayer. Ungeweinte Tränen suchten sich eine andere Bahn. Tränen seien eine gute Gabe Gottes, um unsere Stimmungen auszugleichen. Ein hartes Herz, das sich vor Schmerz schützt, empfinde auch keine Freude mehr. Tränen seien die Strategie, das Leben zu bewältigen.

Für die Pädagogin gehört es zum Leben, verletzt zu werden und andere zu verletzen. Wird dieser Schmerz verdrängt, kommen oft Rachegedanken. Tränen helfen, diesen Schmerz zu verarbeiten. Doch brauchen wir jemanden, an dessen Schulter wir uns ausweinen können. Unsere Sorgen um andere Menschen - aber auch unsere Freude - könne man auch im Gebet an Gott abgeben. Dann reinige Weinen die Seele.

In der Bibel sind Tränen eine Selbstverständlichkeit, dort sei sogar an vielen Stellen die Rede davon. Und es sei auch zu lesen: "Gott wird abwischen alle Tränen von den Augen." Wenn wir unsere Empfindungen und auch den Schmerz annähmen, würden unsere Tränen schon heute zu Perlen, versicherte die Referentin. Wenn wir Tränen zulassen, werde der Schmerz umhüllt und verwandelt und mache uns dadurch freier.

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