Im Waldkindergarten werden Äste auch mal zum Jumbojet

Der Waldkindergarten in Deggingen hat seit Anfang August  regulär geöffnet: Acht Kinder erleben dort jeden Tag Natur pur – zur jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter.

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Vorsicht, das ist eine Lanze“, warnt die kleine Antonia und zeigt auf den  dünnen Ast in ihrer Hand. Sie ist auf dem Weg zu ihrer „Ritterburg“ auf dem Gelände des Degginger Waldkindergartens oberhalb der Mörikestraße. Was in der Fantasie des Mädchens eine Burg ist, ist eigentlich Reisig, das zu einer Art Tipi  aufgeschichtet am Stamm eines Obstbaumes lehnt. Manchmal ist der kleine Unterschlupf auch eine Zwergenhütte – oder ein Zugabteil oder ein Auto oder ein Hubschrauber. Ein paar Minuten später sind die Ritter vergessen – die Äste vor der „Burg“ haben sich auf einmal in ein Flugzeug verwandelt. „Los geht der Flug! Los geht der Flug“, rufen Antonia und  Spielkamerad Luke im Chor.

Im Degginger Waldkindergarten hat nach einem knappen Jahr Vorlauf Anfang August der reguläre Betrieb begonnen: Acht Kinder zwischen drei und vier Jahren sind angemeldet. Die Betriebserlaubnis hat der Förderverein schon seit Juni (wir berichteten). Die größte Hürde vor der Eröffnung war zuletzt noch die Baugenehmigung, die der Förderverein schon vor etwa vier Monaten beantragt hatte. Seit dem 30. Juli hängt das Dokument mit dem roten Punkt nun endlich im Fenster des grünen Bauwagens, der den Kindern bei schlechtem Wetter als Unterschlupf dient.

Die Eltern des Trägervereins nutzten die Tage darauf sofort für die noch ausstehenden „Bauarbeiten“. Für die Kinder gibt es deshalb viel Neues zu entdecken. Neugierig steigen sie die Treppen hoch zum nagelneuen „Kloturm“ – ein umfunktioniertes Gartenhäuschen, das die Komposttoilette beherbergt. Noch ist sie nicht in Betrieb. Skeptisch schauen die Kinder durch die Klobrille hinunter in den großen Kompostbehälter. „Da ist ja Müll drin!“, protestiert ein Knirps. Er meint die  großen Plastiktüten mit dem Streu, das erst noch eingefüllt werden muss. Statt eine Spülung zu drücken, müssen die Kinder später im Ernstfall nach dem „Geschäft“ mit der Schaufel etwas zusätzliches Streu ins Klo geben. Die Komposttoilette sei pflegeleicht, versichert Johanna Schweier, die Vorsitzende des Trägervereins. „Sie muss nur einmal im Jahr geleert werden.“

Auch im Bauwagen hat sich in den letzten Tagen viel getan. Der große Anhänger aus Alu ist gemütlich eingerichtet mit kindgerechten Bänken und Tischen zum gemeinsamen Vesper und sogar ein Mini-Büro sowie ein kleines Materiallager hatten noch Platz. Bis vor Kurzem  war der Bauwagen, der noch aus DDR-Zeiten stammt, im Besitz eines Brandenburger Bio-Bauern.  Ein 21 Meter langer Sattelzug hat ihn Ende März von Brandenburg bis nach Deggingen transportiert.

Für die Kinder war es durch die Schnupperwochen  von Mai bis Ende Juli, in denen sie morgens jeweils für zwei Stunden zusammen mit den Eltern das Konzept des Waldkindergartens kennenlernen konnten, ein sanfter Übergang in den Kita-Alltag. In dieser Zeit standen auch schon einige Streifzüge in  Richtung Nordalb auf dem Programm. Viel haben die Kinder dabei schon entdeckt. Eine kleine Quelle zwischen zwei Bäumen etwa, die viel Spaßpotenzial birgt.  „Das ist ein ganz toller Matschplatz“, erläutert Johanna Schweier. Mit Eimern und Schaufeln ausgerüstet, geht es in den heißen Tagen demnächst bestimmt zum ausgiebigen „Matschen“ wieder dorthin.

„Für die Kinder ist es einfach schön, wenn sie in der Natur aufwachsen“, meint Nicole Beer, zweite Vorsitzende und Gründungsmitglied des Fördervereins.  „Und die Kinder entwickeln sich in der Gruppe sehr gut – sie spielen toll miteinander. Sie sind sehr hilfsbereit und achtsam“, hat die Mutter festgestellt.  Auch die Sinne der Kinder würden durch das viele Draußen sein geschult: Beim Frühstücken im Morgenkreis hört man die Vögel singen, bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit liegen andere Düfte in der Luft. Wenn ihrem Sohn früher beim Spielen im Freien eine Blume im Weg war sei er einfach drübergetrampelt – manchmal mit Absicht, merkt Beatrice Kehrer an. „Jetzt sagt er: ‚Guck mal, Mama, was da so schön blüht!“.

Anmeldung Der Waldkindergarten nimmt ganzjährig Kinder ab drei Jahren auf. Mädchen und Jungen aus Deggingen haben den Vorrang bei der Platzvergabe. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.waldkindergarten-deggingen.de oder per Email: info@waldkindergarten-deggingen.de

Zeiten Die Öffnungszeiten sind von 7.45 Uhr bis 13.45 Uhr. Ferien sind über Weihnachten, die erste Pfingstferienwoche und die letzten drei Sommerferienwochen.

Natur Die Kinder halten sich das ganze Jahr über und zu jeder Jahreszeit draußen auf. Bei Sturm oder Gewitter stehen Räume in der Gemeinde zur Verfügung.

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