Wegweiser bei Blasenleiden

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Rund 30 Leser haben am vergangenen Mittwochabend die Chance genutzt und bei der NWZ-Telefonaktion zum Thema „Blasenleiden“ angerufen, um von den Ärzten Dr. Martin Barth, Professor Dr. Rainer Küfer und Dr. Falk Clemens Thiel Antworten auf ihre Fragen zu bekommen.

„Manche Anrufer waren schon behandelt und wussten genau, was sie wollen und was nicht“, erzählt Barth, der gemeinsam mit Küfer als Chefarzt der Urologischen Klinik der Alb-Fils-Kliniken und Praxisinhaber des Urologischen Zentrums in Göppingen agiert. Die Hauptprobleme der Anrufer seien starker Harndrang, häufiges Wasserlassen und Inkontinenz. „Der Leidensdruck ist am stärksten, wenn man einnässt“, berichtet Barth. „Da ist immer die Frage, was man dagegen machen kann oder ob es ein Medikament dagegen gibt?“

Zunächst müsse man zwischen Drang- und Stressinkontinenz unterscheiden, sagt  Thiel. Zwei Anruferinnen seien davon betroffen. Während eine mit der Drang­inkontinenz häufig aufs Klo muss, kann die andere — bei Drucksteigerung im Bauch — den Urin nicht mehr halten. „Das ist so, wenn Frauen husten, niesen, lachen oder auch Treppen steigen“, erklärt Thiel. Sowohl bei Drang- als auch bei Stressinkontinenz könne man mit Östrogenen behandeln oder mit Beckenbodengymnastik die Muskeln, die für die Dichte sorgen, trainieren: „Wenn das nicht hilft, gibt es die Möglichkeit, eine kleine Kunststoffschlinge um die Harnröhre zu legen.“ Bei Frauen, die unter einer Senkung von Blase, Gebärmutter oder Enddarm leiden, müsse man über eine Operation nachdenken oder ob man die Organe mit einem Vaginalring wieder an die ursprüngliche Stelle bringt. „Man muss erst die konservativen Mittel ausschöpfen und gucken, dass die Patientin in den Zustand einer Verbesserung kommt“, betont Thiel.

Grundsätzlich solle man sich bei Beschwerden wie Inkontinenz, schlechtem Wasserlassen oder sogar wiederkehrenden Blaseninfekten gründlich untersuchen lassen und nach den Ursachen forschen, empfiehlt Barth. Die Untersuchung solle nicht nur den Urin betreffen, sondern auch Ultraschall und Blasenspiegelung beinhalten. Vor letzterem hatte eine Anruferin Angst, Barth konnte sie dann aber doch überzeugen: „Normalerweise tut eine Blasenspiegelung nicht weh. Wenn eine Infektion da ist, dann sollte man das natürlich nicht machen. Dann tut es weh.“ Hätte man alles gemacht, könne nach einer Behandlung gesucht werden. Wird es für den Mann auf der Toilette schwierig, dann sei häufig die Prostata schuld. „Schlechtes Wasserlassen kann man medikamentös behandeln. Im schlimmsten Fall muss man operieren und einen Teil der Prostata entfernen“, meint Barth.

Probleme mit der Prostata hat vermutlich ein Anrufer von Prof. Dr. Rainer Küfer: Er leidet an einem erhöhten PSA-Wert, der bei der für die Früherkennung von Prostatakrebs eine Rolle spielt. „Es gibt verschiedene Faktoren, die den Wert beeinflussen können. Zum Beispiel eine Entzündung der Prostata, Probleme beim Wasserlassen oder Prostata­krebs.“ Zunächst müsse man diese Einflüsse ausschließen. Bleibt der PSA-Wert weiter erhöht, müsse mit einer Gewebeprobe Prostatakrebs ausgeschlossen werden.

Bei allen drei Experten wurde häufig auch wegen wiederkehrenden Blasenentzündungen nachgefragt. „Da wird dann ausgetestet, welche Bakterien wachsen und dann muss man die Therapie abwarten“, erläutert Thiel. Behandelt werde das mit Antibiotika. Eine entzündete Harnblase ist einer der häufigsten Gründe für einen Arztbesuch. Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer. „Was wirklich ganz wichtig ist, dass man eine ordentliche Untersuchung macht“, betont Barth. „Man kann einen Weg weisen, ob man zum Haus-, Frauenarzt oder Urologe soll. Aber irgendwann kommen alle zum Facharzt.“

Info Am 8. März um 19 Uhr wird in der Göppinger Stadthalle ein Arzt-Patienten-Forum zum Thema „Blasenleiden“ veranstaltet. Karten dafür gibt es für
3 Euro bei der NWZ und der VHS in
Göppingen.

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