Was Patienten mit Rückenschmerzen hilft

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Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit: Bei der NWZ-Telefonaktion sagten viele Anrufer den Experten, dass sie sich von ihren Ärzten nicht ernst genommen fühlen.  Foto: 

Einen Anrufer musste Dr. Gerhard Müller-Schwefe sogleich ins Krankenhaus einweisen: Der 76-Jährige Patient klagte über eine akute Lähmung und konnte nicht mehr gehen. Er habe ihm geraten, sich sofort in die Klinik bringen zu lassen, erzählt der Arzt für Anästhesie und Allgemeinmedizin über den heiklen Fall der NWZ-Telefonaktion.

Knapp hundert Anrufe von Menschen mit dem Volksleiden Rückenschmerzen gingen bei den vier Experten ein. Das Grundproblem, so sind sich die Ärzte einig, ist, dass die Schmerzen bei den meisten über längere Zeit andauern. „Und es geht nichts voran“, bringt es Müller-Schwefe auf den Punkt. Auch Dr. Nicole Kopp hört bei der Aktion viel Frust raus: „Die Patienten fühlen sich nicht ernst genommen. Das ist ein riesiges Problem“, so die Fachärztin für Anästhesie, Notfallmedizin und Spezielle Schmerztherapie. Sie rät den Anrufen dazu, auf eine umfassende Behandlung und Aufklärung zu setzen. „Hilfe zur Selbsthilfe ist das A und O“, so Kopp. Ein ausführliches Erstgespräch könne auch mal zwei Stunden dauern. So viel Zeit hätten viele Ärzte nicht.

Häufig werde außerdem keine oder eine falsche Diagnose gestellt. Ein Röntgenbild bringe meist keine Aufklärung, aber eine umfassende Untersuchung sei „zeitaufwändig und wird nicht vergütet“, so Müller-Schwefe. Die Lösung sei, den Patienten Übungen zu zeigen und sie wieder in Balance zu bringen. Aber Schmerzpatienten seien immer auch Angstpatienten. Die Furcht vor Bewegung und dem damit verbundenen Schmerz sei ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt, sind sich die Experten einig.

Zeitmangel sieht auch Dr. André Bönsch als Problem. Der Facharzt für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie hatte beispielsweise eine 60-jährige Anruferin am Apparat, die seit 15 Jahren Schmerzen habe. Zum Facharzt sei sie nie überwiesen worden, erzählt Bönsch und schüttelt verständnislos den Kopf. Er habe ihr geraten, auf einen Termin zu drängen. Auch bei Nicole Kopp kam ein Patient durch, der jahrelang mit Beschwerden lebt und trotz akuten Schmerzen erst Ende des Jahres einen Termin beim Orthopäden bekam. „Vor allem alte Menschen fühlen sich unverstanden und finden sich dann mit den Schmerzen ab“, warnt Kopp.

Bei Dr. Christian Grill, Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie, Chirotherapie und Sportmedizin kamen auch viele Patienten zu Wort, die mit Alltagsschmerzen zu kämpfen haben. Schmerzen beim Bewältigen des Alltags, beim Kochen zum Beispiel seien auch zermürbend. „Schmerzen machen mürbe und missmutig und schlagen auf die Stimmung“, warnt Müller-Schwefe vor den weitreichenden Konsequenzen.

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