Vom Fieber erfasst

Sie ist gerade mal 20 Jahre alt. Dennoch hat Mareike Eger bereits vor eineinhalb Jahren ihren Ballon-Führerschein gemacht. Die Ballonfahrt- Begeisterung hat die Überkingerin von ihrem Vater geerbt.

CLAUDIA BURST |

Mareike Eger aus Bad Überkingen ging in die zweite oder dritte Klasse, als ihr Vater sie zum ersten Mal auf eine Ballonfahrt mitnahm. "Das war interessant und imposant - und hat auf jeden Fall das Fieber geweckt", lächelt die junge Frau nun. Mit Fieber meint sie den Virus, der schon so manchen derjenigen befallen hat, die sich mit dem Ballon zum Spielball der Winde machen ließen.

Der Virus hat die mittlerweile 20-Jährige nicht mehr losgelassen, genauso wenig wie ihren Vater Ralph. Der bekam zu seinem 30. Geburtstag von seiner Frau eine Ballonfahrt geschenkt. Und war fortan infiziert. Er engagierte sich als sogenannter Verfolger bei einem Verein in Schorndorf. Verfolger, das sind diejenigen, die mit den Ballonfahrern per Funk verbunden sind und sie am Landeplatz wieder abholen.

Es dauerte nicht lange, bis er selbst den Ballon-Führerschein machte. Seitdem hat er "schätzungsweise 300 bis 350 Fahrten" im Ballon unternommen - und hat bis heute nicht genug davon bekommen.

Mareike geht es ebenso. 50 Starts und Landungen, 20 Stunden Ballonfahrt, Theorie- und Funksprech-Unterricht musste sie vorweisen, bevor sie den Ballon-Führerschein bekam. Am vergangenen Samstag nutzten Vater und Tochter das herrliche Wetter, um mit zwei Passagieren den Vorfrühling von oben zu genießen. Startplatz war die Wiese bei der Autalhalle in Bad Überkingen. Jeder Handgriff sitzt, als Mareike und Ralph gemeinsam mit ihren Verfolgern Uwe und Dominik - sie alle gehören zu den Ballonfreunden Bad Überkingen - den Brenner am Korb aufsetzen und befestigen. Der Korb scheint winzig klein, wenn man bedenkt, dass hier vier Mitfahrer und vier Propangasflaschen Platz finden sollen. Die seidene Ballonhülle wird aus ihrem Sack ausgepackt, auf dem Boden ausgelegt und am Korb befestigt.

Jetzt dürfen die beiden Passagiere, Uschi und Franz-Josef Schauer aus Gingen, mit anpacken. Sie müssen die untere Öffnung des Ballons so weit aufhalten, dass Dominik mit einem starken Ventilator 3300 Kubikmeter kalte Luft in den Ballon blasen lassen kann. Langsam öffnet sich die gelbe Pracht mit der weithin sichtbaren Warsteiner-Werbung. Der Ballon gehört dem Ballonsportclub Hellenstein aus Heidenheim.

Jetzt kann Mareike mit dem Brenner loslegen, der aus dem schräg gelegten Korb direkt in die Öffnung des Ballons zielt. Es dauert nicht lange, bis sich die Luft in der Hülle erwärmt, der Ballon nach oben steigt. Ralph Eger hat inzwischen den Passagieren erklärt, worauf sie achten müssen, wo sie sich festhalten können und so weiter. Die Schauers sind schon voller Erwartung und überhaupt nicht aufgeregt. Souverän steigen sie zur Ersten Pilotin Mareike in den Korb. Vater Ralph, an diesem Tag Zweiter Pilot, folgt als letzter. "Es muss von vornherein klar sein, wer das Kommando hat", erklärt er und hat "überhaupt kein Problem damit", seiner Tochter den Vorrang zu lassen.

Weil es oben in der Luft im Allgemeinen nicht kälter sei als unten, ist keiner der Luft-Passagiere besonders warm eingepackt: Fleece-Jacke und Weste, das reicht. Im Korb dürfen 600 Kilogramm mittransportiert werden - Ballast zum Abwerfen gibt es nicht Ein GPS zeigt die Koordinaten an, in denen sich der Ballon gerade befindet, ein weiteres Instrument die Lufttemperatur, Sink- und Steiggeschwindigkeit und aktuelle Höhe.

A propos Höhe: Der Korb löst sich fast unmerklich vom Boden. Passagiere und Piloten winken. Steigen höher und höher. Erst in Richtung Täle, weiter oben jedoch treibt sie der Wind in die entgegengesetzte Richtung der Schwäbischen Alb entgegen.

Tatsächlich - es dauert nicht lang und die Verfolger können ebenfalls starten: Richtung Gerstetten, heißt es per Funk. Noch lange schmückt der Ballon, immer kleiner werdend, den strahlend blauen Himmel.

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