Protest der S21-Gegner: Bauarbeiten am Aichelbergviadukt gestoppt

Der lange Arm von Stuttgart-21-Schlichter Heiner Geißler reicht bis in den Landkreis: Vorarbeiten zum Bau der Schnellbahntrasse bei Aichelberg wurden gestern gestoppt. Sie unterliegen der Friedenspflicht.

JOA SCHMID | 2 Meinungen

Die zehn Bauarbeiter der Bickhardt Bau AG mit Sitz im thüringischen Kirchheim hatten gestern ihr schweres Bohrgerät beim Aichelbergviadukt zwischen Aichelberg und Weilheim bereits in Stellung gebracht, als sie die unmissverständliche Order der Bahn AG erreichte: Die Vorbereitungen für den Baustart an der Schnellbahntrasse Wendlingen-Ulm müssen eingestellt werden bis die Schlichtungsgespräche zu Stuttgart 21 abgeschlossen sind. Die Baustelle im Landkreis Göppingen ist kurzfristig zum Politikum im Streit um das Milliardenprojekts geworden.

Der Weisung der Bahn AG waren etliche ernste Telefongespräche vorausgegangen. Das von Anwohnern alarmierte Aktionsbündnis der Projektgegner sah in den Baustellenvorbereitungen die bei den Schlichtungsgesprächen vereinbarte "Friedenspflicht" verletzt. Der Protest bei Schlichter Heiner Geißler zeigte Wirkung. Nach Rücksprache mit Gangolf Stocker vom Aktionsbündnis Kopfbahnhof 21 entschied Geißler, dass die vor einer Woche begonnenen Arbeiten am Aichelbergviadukt tatsächlich der "Friedenspflicht" unterlägen und legte sein Veto ein. Volker Kefer, Technikvorstand der Bahn, lenkte ein und versprach, die Arbeiten zu stoppen.

Für die Bauarbeiter, die bereits eine Fläche planiert hatten, und nun mit den Bohrungen für das Fundament der geplanten Brücke über die Landesstraße 1214 starten wollten, ist das offenbar eine unverständliche Entscheidung. Sie rechnen mit hohen Kosten angesichts der Verzögerung und befürchten, dass der Frost kommt, bevor sie das erste Loch gebohrt haben. Offiziell will die Bickhardt AG, die mit 1500 Mitarbeitern zu den führenden Unternehmen der deutschen Bauindustrie zählt, keine Stellungnahme zu dem Baustopp abgeben.

Der Sprecher des Aktionsbündnisses, Gangolf Stocker, erinnert daran, dass zwischen Gegnern und Befürwortern von Stuttgart 21 vereinbart worden sei, dass während der Schlichtung sämtliche Bauarbeiten an dem Milliardenprojekt zu ruhen hätten. "Wir haben eine Friedenspflicht", betonte Stocker gegenüber der NWZ. Lediglich die Arbeiten im Gleisvorfeld und bestimmte Arbeiten zur Regulierung des Grundwassers beim Stuttgarter Hauptbahnhof seien von der "Friedenspflicht" während der Schlichtungsgespräche ausgenommen. Der Sprecher der Stuttgart-21-Gegner kritisiert die begonnenen Arbeiten beim Aichelbergviadukt: "Die Bahn hat das nicht im Griff."

2 Kommentare

18.11.2010 11:42 Uhr

S21

Sag mal für wie Naiv haltet ihr das Volk.Es geht doch nicht um Menschliche Fehler die angeblich gemacht wurden,sondern darum das ganze Projekt (S21) so weit voran zu bringen das eine Rückehr zur Alternative wie (K21) einfach nicht mehr Rentiert.Weil den Befürwortern des Umstritt.(S21) die Felle davon schwimmen!!!Das möchte auch Frau Gönner sich nicht Gönnen grinsen

orphois21

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11.11.2010 09:43 Uhr

Ich bin froh

dass die Gegner und Befürworter dieser wichtigen und teuren Infrastrukturinvestition (wo es auch Planungsfehler gab) nun mehr und besser zusammen kommen. Wenn die Planungsfehler korrigiert werden können, dann ist die Mehrheit für diesen Ausbau NBS/Stuttgart21. Wichtig ist, zu wissen, dass es Menschen sind, die planen und die auch Fehler machen können.

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