Auf das Umpfental rollt eine ICE-Tunnelbaustelle zu

Die Ruhe vor dem Sturm liegt über dem Umpfental bei Gruibingen. Die Baustelle für den ICE-Tunnelbau ist im Anrollen. Auf Bauern, die dort Viehhaltung betreiben, kommt eine neue Nachbarschaft zu.

JÜRGEN SCHÄFER |

Noch ist es ruhig in dem Seitental der Filsalb, das nahe der Autobahnraststätte Gruibingen abzweigt. Das Umpfental ist wenig bekannt und gut getarnt. Ein unscheinbarer Weg führt zu einer Asphaltmischanlage mit hässlichen Türmen. Aber dahinter wird es lauschig, neben der Straße taucht ein Bachlauf auf, das Tal öffnet sich und verzweigt sich dann. Das Umpfental läuft wie ein Stich auf einen Bergriegel zu, nach rechts schwenkt ein beschauliches Seitental weg - der Geierstall.

In diese Gabelung haben die Nebenerwerbslandwirte Wilhelm und Dieter Moll, Vater und Sohn, vor sechs, sieben Jahren ihren Viehstall gelegt. 20 Kühe haben hier im Sommer Weide, soweit das Auge reicht.

Für Wanderer ist es ein idyllisches Fleckchen Erde. Auch Ausflügler aus Stuttgart haben das schon entdeckt, erzählt Moll. Wanderer bleiben gerne an den Tieren stehen. "Man hat mir schon vorgeschlagen, hier ein Wirtschäftle aufzumachen", schmunzelt er. Hier kreuzen sich Wanderwege: zum Boßler, zur Wolfbühlhütte, zum Winkelbachtal mit Campingplatz.

Aber mit der Ruhe ist es bald vorbei. Der Hang des Umpfentals wird großflächig mit einer Baustelle belegt. Mit Baucontainern, Lagerflächen, Logistik und zunächst einmal Baustraßen. Ein Förderband wird Abraum aus dem Bauch der Filsalb auf das Gelände spucken, das bisher Viehweide war. Neue Ansichten für die Bauern im Umpfental: Vom Stall aus wird man das Zwischenlager für den Abraum sehen, dahinter den Tunnelmund.

"Wenn der Staat eine Eisenbahn bauen will, soll er es tun"

Die Molls hadern damit nicht. "Wenn der Staat eine Eisenbahn bauen will, soll er es tun", lautet Wilhelm Molls Standpunkt. Die Landwirte harren der Dinge und warten ab, was auf sie zukommt. Das dürfte Lärm und Dreck sein. Wilhelm Moll denkt, dass sich die Tiere an den Krach gewöhnen. Ausbedungen hat er sich, dass die Bahn seine Fotovoltaikanlage auf dem Stalldach vom Baustaub reinigt. Verzichten muss er auf mehrere Hektar Weideland, die die Baustelle in Beschlag nimmt. Für vielleicht sechs Jahre, vielleicht länger. Fläche ging ihm auch in der Bachaue verloren. Weil dort ein Biotop angelegt wurde, das als Natur-Ausgleich für die künftige ICE-Brücke im Oberen Filstal gilt. Moll kommt damit zurecht. "Futter haben wir genug." Aber er weist darauf hin, dass er zuvor schon fünf Hektar Fläche an der Autobahn abgeben musste.

Befürchtungen hat er auch - und zwar wegen der Auswirkungen der Baustelle auf den Ort. Gruibingen drohe bereits jedes Wochenende im Verkehr zu ersticken, wenn die Autobahn dicht sei. Wenn dazu noch die geplante Baustellenausfahrt hinzukomme, könnte der Verkehrslawine Tür und Tor geöffnet sein.

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