Vier Chöre im Zeitentaumel

"Ab durch die Zeit" - der Gesangverein Wangen 1920 nahm am Wochenende sein Publikum in zwei Aufführungen auf eine unterhaltsame Zeitreise mit. Die Besucher erlebten einen musikalischen Leckerbissen.

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Man nehme Musik aus verschiedenen Epochen und Genres, vier stimmsichere Chöre unterschiedlichen Alters und spicke das Ganze mit Tanzeinlagen und ein paar exzellenten Solisten. In eine attraktive Verpackung gesteckt ist das selbst erdachte und inszenierte Musical-Rezept am Wochenende in Wangen aufgegangen. Chorgesang kann eben - vorausgesetzt die Zutaten stimmen - richtig gut munden.

In eine Zeitmaschine geraten, führen Judith Schlenker und Melanie Gerauer als zwei Freundinnen, die unterschiedlicher nicht sein können, geschickt auf "gut schwäbisch" durch die Story. Sie schlagen nicht nur die Bögen von der Steinzeit bis in die Zukunft, sie bestechen bei Soloeinlagen auch immer wieder mit beeindruckenden Sangesstimmen. Wie Steinzeit-Rap geklungen haben mag und die Flintstones hausten, ist vom Kinderchor und den "Uvos" zu erfahren, bevor die Zeitmaschine ins alte Paris entführt, wo der Gemischte Chor von der Liebe träumt. Eine Can-Can- Tanzgruppe schwingt fröhlich die Beine, und auch der Spatz von Paris ist da. Die Piaf hätte an Julia Weißhaupts Interpretation von "Sur le ciel de Paris" sicher viel Freude gehabt. Dann landet die Zeitmaschine im "Wochenend und Sonnenschein", wo der Kuckucksmix der Uvos von höchster stimm-und tonakrobatischer Flexibilität zeugt. Die Freundinnen geraten in eine Radio- und Internet-Gaga-trunkene Tanzgruppe, in eine Kirche, wo der Gemischte Chor Händels "Singt Gloria" erklingen lässt und gelangweilte Nonnen aus Jugendchor und Uvos mit "Hail Holy Queen" das Kontrastprogramm bieten.

Auch die Love-and-Peace-Zeit der 70er Jahre lässt die Zeitmaschine nicht aus. Die Uvos schwelgen im "Monday Monday" und "California Dreaming", der stimmgewaltigen Melanie Gerauer hat es der "Mercedes Benz" von Janis Joplin angetan. Wenig später lassen Anna Hofmann und Luisa Schurr an der Berliner Mauer den "Wind of Change" wehen, der Kinderchor, der Kinderchor schickt 99 Luftballons in den Himmel und Solistin Marie Cerotta begeistert mit "Hey Du". Mit "Hinterm Horizont gehts weiter" gehts in die Pause, nach der vom Gemischten Chor mit "Heute hier morgen dort" nochmal klar gemacht wird, dass sich die vier Wangener Chöre in einem Zeitentaumel befinden. Die "Kleine Nachtmusik" trifft auf "Rock me Amadeus", Lena Übeles Solo über das "Farbenspiel des Winds" auf den "Spirit of the Hawk" des Kinderchors.

Doch irgendwann ist auch das Wangener Musical zu Ende. Begleitet von den Uvos machen Judith Schlenker und Melanie Gerauer im Duett klar: "Time to leave". "Über den Wolken" starten alle Mitwirkenden zurück ins Hier und Jetzt.

Das Musical-Team, die Chöre, Solisten, die Dirigenten und Musiker haben zusammen etwas auf die Beine gestellt, das sich hören und sehen lassen kann. Was beweist: Musikalische Leckerbissen müssen nicht zwangsläufig teuer sein und können nicht nur in großen Hallen von gecasteten Profis serviert werden.

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