Verkehrsminister und Regierungspräsident besichtigen Albaufstieg

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann und der Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl besichtigten am Samstag den alten und geplanten neuen Albaufstieg.

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Das GruibingerAktionsbündnis "Gegenverkehr" kann sich freuen. Ihr Protest gegen das Verkehrschaos während der zehn Vollsperrungen des Lämmerbuckeltunnels ist offensichtlich bei den Verantwortlichen angekommen: Bei der weiteren Sanierung der Röhre, die am 13. August beginnt, wird der Albaufstieg nicht mehr das gesamte Wochenende gesperrt. Nur noch von abends 21 Uhr bis morgens 6 Uhr soll der Verkehr über die Umleitungsstrecken rollen. Dadurch werde alles besser, verspricht Einar Dittmann, leitender Baudirektor des Regierungspräsidiums Stuttgart mit Dienstsitz in Göppingen.

Dittmann war einer von 40 Teilnehmern, die sich am Samstag zur Baustellenbesichtigung der alten und der geplanten neuen Trasse des Albaufstiegs auf dem Parkplatz der Gemeindehalle in Mühlhausen trafen. Allen voran Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann und Regierungspräsident Johannes Schmalzl aus Stuttgart, die mit Vertretern des Regierungspräsidiums und Verkehrsministeriums sowie Bundes- und Landtagsabgeordneten, den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden, dem Landrat des Landkreises Göppingen Edgar Wolff und zahlreichen Pressevertretern zur Besichtigungstour aufbrachen.

Sechsspuriger Albaufstieg für 500 bis 700 Millionen Euro

Denn seit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt Ende Juni den Planungsstopp aufgehoben und grünes Licht für den Bau des neuen sechsspurigen Albaufstiegs gegeben hat, sind Euphorie und Tatendrang bei Politik und Verwaltung groß. Kein Wunder: Das fast fertiggestellte Planfeststellungsverfahren war vom Bund wegen nicht geklärter Finanzierungsfragen im Jahr 2005 gestoppt worden und lag seither auf Eis. Jetzt kann es wieder belebt werden, der sechsspurige Neubau soll in zehn Jahren fertig sein. Er führt von der Anschlussstelle Mühlhausen über die 800 Meter lange Filstalbrücke zum 1200 Meter langen Tunnel "Himmelschleife", dann 460 Meter über die Gosbachtalbrücke und mündet im 1700 Meter langen Tunnel "Drackenstein", der bei Hohenstadt endet. Zwischen 500 und 700 Millionen Euro soll der 8,3 Kilometer lange Bauabschnitt kosten.

Doch bis zum geplanten Baubeginn im Jahr 2018 gibt es noch viele offene Fragen. Das Finanzierungsmodell des Bundes ist nach wie vor ungeklärt, die ursprünglich vorgesehene Mautstation allerdings vom Tisch. Belange des Natur- und Denkmalschutzes müssen berücksichtigt werden, und der Erwerb der erforderlichen Grundstücke ohne zeitraubende Enteignungsverfahren steht auf dem Programm. Was nach der Fertigstellung des neuen Albaufstiegs mit dem alten, zwölf Kilometer langen denkmalgeschützten und erhaltenswerten Autobahnteilstück geschieht, steht ebenfalls in den Sternen.

Notinstandsetzung an Brücke

Nur so viel ist klar: An ihn muss jetzt kräftig Hand angelegt werden, damit die 24 Brückenbauwerke und der 642 Meter lange Lämmerbuckeltunnel die nächsten zehn Jahre das tägliche Verkehrsaufkommen von 70.000 Fahrzeugen schadlos überstehen. Denn trotz des insgesamt guten Erhaltungszustandes haben der aus dem Jahr 1937 stammende Autobahnabstieg und der zwischen 1955 und 1957 fertiggestellte Aufstieg ihre Lebensgrenzen erreicht. Zwei Brücken an der Anschlussstelle Mühlhausen liefern Beweis genug: Schäden am Beton und an den Bewehrungen erforderten im vergangenen Jahr an einer Brücke eine schnelle Notinstandsetzung.

Um eine Sperrung zu vermeiden, wurde das Bauwerk abgelastet, die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 60 Stundenkilometer reduziert und ein Lkw-Überholverbot sowie ein Abstandgebot für Schwerlasttransporte angeordnet. Weitere Sanierungsarbeiten zur Verbesserung der Tragfähigkeit und der Verkehrssicherheit sind in den nächsten Monaten fällig. Die andere Brücke wird abgerissen, da sie ohnehin der neuen Autobahnstrecke im Wege steht. Sie wird an anderer Stelle durch eine Behelfsbrücke ersetzt, die nach der Fertigstellung des neuen Albaufstiegs im Jahr 2025 weichen muss.

Sechs Ventilatoren im Lämmerbuckeltunnel

Größtes Sorgenkind der Planer ist der Lämmerbuckeltunnel. Die Röhre wurde im Zweiten Weltkrieg als Rüstungsfabrik genutzt und erst 1957 für den Verkehr freigegeben. Aufgrund neuer Richtlinien zur Verkehrssicherheit in Tunnels wurde bereits im Jahr 2006 mit den geforderten Nachrüstungen begonnen. In den nächsten Monaten werden noch sechs Ventilatoren eingebaut, die für eine ausreichende Tunnelbelüftung sorgen, und 20 Kilometer neue Kabel zur Sicherheit der Stromversorgung installiert. Für diese Bauarbeiten, die sich bis zum Jahresende hin ziehen werden, sind mehrere nächtliche Vollsperrungen zwischen Mühlhausen und Merklingen erforderlich. Zu guter Letzt wird der Lämmerbuckeltunnel durch einen Stollen erweitert, um die Rettungswege und die Verkehrssicherheit zu verbessern.

In zehn Jahren, so die heutige Planung, hat er endgültig ausgedient. Dann rollt der Verkehr von Mühlhausen nach Hohenstadt über den sechsspurigen Neubau. Auch Landrat Edgar Wolff sieht diesem Termin mit Freude entgegen. Er ist zuversichtlich, dass er 2025 ein weiteres großes Verkehrsprojekt im Landkreis Göppingen zu den Akten legen kann. Denn bis dahin, so Wolffs Hoffnung, ist auch der Ausbau der B 10 bis Geislingen abgeschlossen.

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