Vereine: Erfahrungen mit einem Nachwuchsprojekt

„Jugendarbeit drei punkt null“ heißt ein Modellprojekt des Kreisjugendrings, das im September ausläuft. Zwei Vereine berichten von guten Erfahrungen.

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  • Tina Mühleisen (Mitte) wird in ihrer Rolle als Vereinsassistentin beim ACC Winzingen akzeptiert. 1/2
    Tina Mühleisen (Mitte) wird in ihrer Rolle als Vereinsassistentin beim ACC Winzingen akzeptiert. Foto: 
  • Julia Gölz spielt beim Musikverein Albershausen die Klarinette und sammelt als Assistentin Erfahrung in der Vorstandsarbeit. 2/2
    Julia Gölz spielt beim Musikverein Albershausen die Klarinette und sammelt als Assistentin Erfahrung in der Vorstandsarbeit. Foto: 
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„Es gab viele Ängste und auch die eine oder andere Reibung im Verein. Aber, was jetzt entstanden ist, ist super.“ So beschreibt Jutta Mühleisen, Schriftführerin des Auto-Cross-Clubs (ACC) Winzingen, den Prozess, den der kleine Verein in den vergangenen knapp zwei Jahren durchlaufen hat. Ein Prozess, „der noch nicht zu Ende ist, weil es jetzt erst richtig losgeht“.

Als einer von sechs Vereinen in der Region nimmt der knapp 50 Mitglieder zählende Club am Modellprojekt „Jugendarbeit drei punkt null“ des Kreisjugendrings (KJR) teil. Das Konzept ist, junge Menschen als ehrenamtliche Assistenzkräfte an der Vorstandsarbeit zu beteiligen, damit sie in Führungsaufgaben hineinwachsen. Außerdem bekommen die Vereine ein maßgeschneidertes webbasiertes IT-Programm, das allen Funktionären einen mobilen Zugriff auf alle wichtigen Daten und Unterlagen des Vereins ermöglicht. Das Konzept des KJR, das dazu beitragen soll, die Nachwuchsprobleme der Vereine zu lösen, hat auch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend überzeugt, welches das Projekt mit 140.000 Euro fördert.

Nachwuchs zu gewinnen war beim ACC schon länger ein Thema. Die Mitglieder seien zwischen 30 und 50, es gebe Personalengpässe im Vorstand, die Homepage funktioniere nicht richtig, „und von uns Alten wollte keiner richtig dran“, beschreibt Jutta Mühleisen die Ausgangssituation. Vor allem gehe es darum, Nachwuchs zu gewinnen. Mit Mühleisens Tochter Tina (21) und Dominik Wagner (26) wurden zwei Eigengewächse des Vereins gefunden, die sich die Assistenz teilen.

„Am Anfang haben wir nicht verstanden, wie die uns helfen können“, erzählt Jutta Mühleisen. Als die beiden von Seminaren des KJR zurückkamen, „sprühten sie vor Ideen“. Dann gab es beim ACC jede Menge Diskussionsbedarf. „Die wollten gleich loslegen und seien zunächst auf jede Menge Bedenken gestoßen. Zum Teil berechtigte, meint Mühleisen und spricht im Rückblick von einem Lernprozess für die Alten und die Jungen. Dank des Coachings durch Thomas Henzler vom KJR hätten alle viel über Kommunikation und eine lösungsorientierte Diskussion gelernt.

Nach und nach wurde den beiden Jungen Verantwortung übertragen. Sie haben ein Rohbaufest beim neuen Vereinsheim organisiert. Dominik Wagner hat ein neues Vereinslogo entworfen und übernimmt immer mehr Werbe-Aufgaben, pflegt eine Facebookseite und bestückt sie mit Filmen. „Und der Vorstand hat jetzt eine Whatsapp-Gruppe“, berichtet Jutta Mühleisen.

Tina Mühleisen ist inzwischen  für den Verleih der beiden vereinseigenen Crossfahrzeuge zuständig, mit dem auch Jugendliche an den Rennen in Feld und Flur teilnehmen können. Dabei seien viele Rechtsfragen zu beachten und die jungen Leute profitierten hier von den Ratschlägen der Älteren, sagt Tinas Mutter.

Es habe vieler klärender Gespräche bedurft, aber „jetzt sehen wir, wie das in Zukunft funktionieren kann“, meint die Schriftführerin. Tina und Dominik seien im Verein angekommen. Und nicht nur das: Die Beiden wollen nun mit Volldampf auf die Gründung einer Jugendgruppe zusteuern. „Das Projekt hat mir Mut gegeben, die nächsten Schritte anzugehen“, meint Tina Mühlhäuser. Die 21-jährige Studentin der  Fahrzeugtechnik fühlt sich nun „bereit, auch alleine was großzuziehen“.

Viel Nutzen gezogen aus dem Jugendprojekt habe auch der  Musikverein „Frohsinn“ Albershausen, wie Musikvorstand Tatjana Schneider berichtet. Weil der 430 Mitglieder zählende Verein sehr strukturiert sei, habe man sich erst einmal eine Aufgabe für die Assistentin Julia Gölz überlegen müssen. Die Sozialarbeiterin organisiert nun erstmals einen Adventsmarkt anstelle der traditionellen Weihnachtsfeier. Die 23-Jährige kannte den Verein bislang nur als aktive Musikerin. „Drüber hinaus habe ich nichts gekannt“, sagt sie. Die Teilnahme an den Vorstandssitzungen habe ihr die Augen über die Vereinsarbeit geöffnet: „Ich habe gesehen, wie viel Arbeit dahinter steckt.“.

Irgendwann einen Vorstandsposten zu übernehmen, ist Julia Gölz kein fremder Gedanke mehr. Und auch die amtierenden Vorstände hätten aus dem Prozess gelernt. „Man muss die Jüngeren Schritt für Schritt heranführen“, meint der Vorstand für Repräsentation, Johann Müller.  Gleichzeitig müsse man akzeptieren, dass die jungen Leute eine ganz andere Herangehensweise hätten, was nicht zum Schaden des Vereins sei. Im Gegenteil, wie auch Jutta Mühleisen findet. Nachdem man sich zusammengerauft habe, stelle sich nun Leichtigkeit ein. Jung und Alt feiern gemeinsam, schauen Fußball „und es ist einfach nur toll“.

Coach Thomas Henzler zum Projekt des KJR

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