Urkomische Theater-Leidenschaft

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Im aktuellen Stück der Theaterfreunde Wiesensteig sind die Männer in Erklärungsnot. Nach einer durchzechten Nacht bringen sie Dinge mit nach Hause, die Fragen aufwerfen.  Foto: 

Dreimal durchweg vergnügliche drei Stunden erlebten die Besucher der Theaterfreunde Wiesensteig am Freitag- und Samstagabend sowie am Sonntagnachmittag im Residenzsaal des Wiesensteiger Schlosses. „Die unglaubliche Geschichte vom gestohlenen Stinkerkäs‘“ lautete der sperrige Titel, hinter dem sich jedoch ein Feuerwerk an Wortwitz, Situationskomik, Action und Pointen versteckte.

Die erste Lachsalve und Quietscher im Publikum ernteten die acht Schauspieler auf der Bühne gleich mit den ersten Sätzen des schwäbischen Dreiakters. Schreinermeister Sepp Hämmerle (Georg Schirling) wacht im Sägemehlhaufen in seiner Werkstatt auf – und kann sich an nichts mehr aus der vergangenen Nacht erinnern. Seine rechte Wade ist rasiert, an einer Leiter fehlt die unterste Sprosse, sein Gebiss und sein Geldbeutel sind weg und der arme Tropf hat keine Ahnung, warum.

Schnell stellt sich raus, es gibt noch viel mehr Ungereimtheiten, die auf eine wilde Nacht hindeuten. Denn auch Hämmerles Sohn Frank (Ingo Bonzheim) und seinen Freunden, dem Oberwachtmeister Siegmund Eiferling (Thomas Geiger) und Hugo Häberle (Heinz Beer) fehlt die Erinnerung. Samt Schnupftabakdose und Uhr. Dafür findet Frank in seiner Hosentasche einen blauen Damenslip und unter seinem Kopfkissen einen Fensterladen mit Herz. Nicht zuletzt ist der Stinkerkäs weg, den die Pfarrhaushälterin Eugenie Schlotterbeck (Gertrud Beer) auf den Fenstersims ihres Schlafzimmers gelegt hat, damit es im Kühlschrank nicht so stinkt.

Puzzle in drei Varianten

All diese Fakten, die in keinerlei Zusammenhang zueinander zu stehen scheinen, bilden bunte Puzzleteile. Im Lauf des Theaters werden sie dreimal unterschiedlich zusammengesetzt. Einmal so, wie es Tina (Selina Schmid) vorgaukelt, dann so, wie es sich die Männer zu ihrer Verteidigung ausdenken und schließlich so, wie es sich wirklich zugetragen hat.

Die Wiesensteiger Protagonisten packen dieses Chaos in urkomische Theater-Leidenschaft und schauspielerisches Können. Das schlechte Gewissen – die Männer trauen sich sämtliche Schandtaten zu – spiegelt sich in ihren Gesichtern. Ihre Frauen Pauline Hämmerle (Ingrid Wacker) und Klara Eiferling (Elke Weimper) sowie Franks Freundin Evi (ebenfalls Selina Schmid) verwandeln sich in Furien. Sie schlagen mit Stock und Wäschestampfer und verwandeln ihre gestandenen Männer in knieende Waschlappen mit zerrissenen Schlafanzügen und blauen Augen. Selbst die „bedingungslose Kapitulation“ mit weißer Fahne rettet sie nicht.

In den Gesichtern der 240 Zuschauer allein am Samstagabend leuchtete den ganzen Abend ein amüsiertes Lächeln, das sich im gefühlten Sekundenrhythmus in Lachattacken umwandelte. Immer wieder gab es johlenden Szenenapplaus und keckerndes Gelächter.Den begeisterten Applaus am Ende der drei Veranstaltungen haben sich die Wiesensteiger Theaterfreunde absolut verdient.

 Info Für die Aufführung in der Gemeindehalle in Mühlhausen am Samstag um 20 Uhr gibt es noch Restkarten.

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